Freitag, 20. April 2012

Konzert - RPWL supp. InVertigo - 19.4.2012 - Rind / Rüsselsheim


Die Entscheidung, das Konzert von RPWL zu besuchen fiel mir sehr leicht, als ich davon hörte, das die Band nach Rüsselsheim kommen würde. Denn erstens hat mir die letzte Scheibe der Bayer extrem gut gefallen und zweitens sind die Berichte über ihre Liveauftritte immer sehr begeistert. Und somit wollte ich mir dieses Erlebnis auch nicht entgehen lassen, zumal mir die Location in guter Erfahrung ist, da sie im Normalfall für guten Sound bei guten Konzerten steht.

So machte ich mich dann hoch motiviert sehr gespannt auf den Weg in die Opelstadt, auch wenn es mit einem Donnerstag erforderte, das ich am nächsten Tag würde arbeiten gehen müssen. Allerdings hoffte ich darauf, das meine Erfahrungen mit dem Aufführungsort sich weiter bestätigen würden und ein pünktlicher Konzertbeginn und eine gute Organisation sicher stellen würde, rechtzeitig dort weg zu kommen und den letzten Zug noch zu erwischen.

Aber zuerst einmal war ich froh, das es trocken war, als ich das Rind erreicht hatte und ich mich in die kurze Schlange einreihte. Als dann die Türen, wie angekündigt, pünktlich um 20 Uhr geöffnet wurden, freute ich mich schon tierisch und schnell füllte sich der kleine Saal und die Stimmung kann nur als freudig angespannt bezeichnet werden. Ein wenig überrascht war ich darüber, das ich doch einige Gespräche mit anhören konnte, denen man entnehmen konnte, das die Teilnehmer teilweise nicht einmal genau wussten, was sie erwarten würde, was auf ein sehr gemischtes Publikum schließen ließ.

Ich hatte sogar schon den Namen der Vorband in Erfahrung gebraucht und wartete auf den Auftritt von „InVertigo“, einer Band, die ihre Musik selber als Progressive Rock bezeichnete und von daher ideal zum Headliner passen sollte. Was ich schon mal schnell im Internet von den Jungs gehört hatte, klang vielversprechend, aber natürlich würde man erst mal schauen und hören müssen, wie sich die Jungs schlagen würden, wobei es schon verschiedene Hinweise im Netz gegeben hatte, das man sich würde freuen dürfen.

Pünktlich, einige Minuten vor 20Uhr30, dem angesagten Konzertbeginn, begibt sich dann tatsächlich eine Gruppe Musiker mitten durch den Zuschauerraum, der vielleicht halb gefüllt war zu diesem Zeitpunkt, in Richtung Bühne, um wie angekündigt den Abend mit Live Musik zu beginnen.
Ab den ersten Tönen zeigen die Gelsenkirchener dann auch sofort, in welche Richtung es gehen sollte und das Publikum nimmt die gebotene Performance sehr positiv auf. Zwar ist das Publikum eher etwas älter und die jungen Leute fehlen, ein Umstand der zwar zu etwas mehr Ruhe im Zuschauerraum sorgt, aber natürlich auch etwas weniger Bewegung und Emotionen mit sich bringt.

„InVertigo“ spielen zwar nur 5 Stücke, aber ihre Performance dauert trotzdem eine ganze Stunde, so das sie Chance nutzen, zu zeigen, was sie so drauf haben. So kommen sphärische Klangteppiche genauso wenig zu kurz, wie starke Basslines und die üblichen erwarteten und unerwarteten Breaks und Tempowechsel, die diese Musik so interessant machen. Nach den ersten zwei Stücken tauen die Musiker dann auch etwas auf, und ihre Interaktion mit dem Publikum wird etwas lockerer. Sogar ein paar kleine Witze werden gemacht und das Publikum an den entsprechenden Stellen sogar zum mit klatschen animiert, was die Musik wunderbar hergibt. Und nicht nur das, auch die eine oder andere Stelle zum mit singen haben die Jungs in ihre Musik eingebaut, was bei progressiver Musik ja eher selten ist, aber tierisch Spaß macht.

Unterstützt wird die Vielfältigkeit der Musik natürlich auch durch die Instrumentierung aus Schlagzeug, Bass,Gitarre und zwei Keyboards sowie einen Tontechniker, der jedes Problem im Sound löst, bevor man es richtig lokalisieren kann. Durch die beiden Keyboards ist die Soundvielfalt sehr groß erinnert bei den ersten Tönen dann erst mal an die klassischen Stücke von „Genesis“, aber ist dann in der Folge doch etwas druckvoller und entwickelt sich zu einem eigenständigen Stil, den die Jungs dann bis zum letzten Stück, einem 20 minütigen Mammut Namens „Memoirs of a Mayfly“, durchhalten. Das Stück bildet also nicht nur den Abschluss des Konzerts, sondern auch den Höhepunkt, in dem der Lebenszyklus einer Eintagsfliege erzählt wird. Eindrucksvoll!

Nach Ende des Konzerts, das mit reichlich Applaus bedacht wird, und den ersten „Zugabe“ Rufen, die aber natürlich negativ beschieden werden, beginnt ein schneller Umbau auf der kleinen Bühne und nach gerade mal 22 Minuten ist der Boden bereitet für den Hauptakt des Abends. Als das Licht wieder abgedunkelt wird, ist der Raum bestimmt zu ¾ gefüllt und die Stimmung ist freudig erwartungsvoll.

Als schließlich das Intro (in einer deutschen, etwas erweiterten Version) zur aktuellen CD „Beyond Man And Time“ ertönt, das als Konzeptalbum ausgelegt ist, hoffe ich, das die Münchner tatsächlich das gesamte Album am Stück spielen, was dann auch passiert. Die Bühne ist mit drei Leinwänden aufgewertet worden, von denen eine den Platz zwischen Drummer und Keyboarder im hinteren Bereich der Bühne einnimmt und zwei sich rechts und links auf der Bühne befinden, hinter denen sich auch der Gitarrist und der Bassist hin und wieder aufhalten, um sich im Schattenspiel zu versuchen, eine Sache, die wunderbar mit den gezeigten Filmenszenen harmoniert, die in der gleichen Art gehalten sind.

Das ergibt interessante Effekte, die immer wieder genutzt werden können, wenn die beiden Saitenspieler mal nicht an ihren Mikrofonen gebraucht werden. Außerdem macht Yogi Lang, der Sänger, mit seinen immer wieder wechselnden Verkleidungen jeden Song nicht nur zu einem akustischen sondern auch zu einem optischen Leckerbissen und den Abend zu einem echten Erlebnis. Und so gut die Songs auch immer von der CD klingen, die Emotionen und der Einsatz der Band führt dazu, das jeder einzelne Song noch einmal besser wird.

Wie zu erwarten, wird die Lautstärke während dieses zweiten Teils des Konzerts ein Stück lauter, aber auch diesmal hat der Tontechniker alles im Griff und mischt einen perfekten Sound, der die Vielfalt der Musik von RPWL gerecht wird. Und dank der größeren Bekanntheit der Stücke geht natürlich hier auch das Publikum hier besser mit und die Stimmung steigt von Song zu Song, insoweit es das Thema des Albums und die Musik zulässt. Zum Abschluss des durchgespielten Albums und als stimmungsvoller Ausklang des regulären Sets erfolgt während „The Noon“ noch die Vorstellung der an diesem Abend aktiven Musiker, wonach die Band erst einmal die Bühne verlässt.

Allerdings lassen sie sich nicht all zu lange bitten um für die Zugabe wieder auf die Bühne zu kommen und einige ihrer Klassiker aus der 15-jährigen Bandgeschichte zu spielen. Warum zu diesem Zeitpunkt, es ist gerade mal 23Uhr30 die ersten Gäste schon die Halle verlassen, verschließt sich mir, aber die dagebliebenen werden auf jeden Fall mit einer energiegeladenen Performance belohnt, bei der die Musiker die von den Leinwänden befreite Bühne in ihrer Gänze endlich nutzen können. Während der Zugabe, die immerhin 5 Stücke beinhaltet, können auch alle Musiker noch einmal ihre Fähigkeiten beweisen und so endet, um 00Uhr10 ein wunderschöner Konzertabend.

Fazit: Dieses war eines der schönsten und stimmungsvollsten Konzerte, das ich je gehört und gesehen habe. Es hat einfach alles gepasst. Die Location war perfekt gewählt, das Publikum bewies (zum größten Teil) Sachverstand und hörte den Songs mit der nötigen Ruhe und Geduld zu, der Sound war druckvoll aber zu keinen Zeitpunkt zu laut. Die Bands passten wunderbar zusammen und die Durchführung war perfekt organisiert.
Ein riesiges Lob an alle Beteiligten, vor allem natürlich die Bands, deren Teams und das Team vom Rind!

Rockige Grüße \m/
GrimReaper

Setlist „InVertigo“
1. Darkness
2. Waves
3. Suspicion
4. Dr. Ho
5. Memoirs of a Mayfly

Setlist „RPWL“
1. Intro
2. We Are What We Are
3. Beyond Man And Time
4. Unchain The Earth
5. The Ugliest Man In The World
6. The Road Of Creation
7. Somewhere In Between
8. The Shadow
9. The Wise In The Desert
10. The Fisherman
11. The Noon
Zugabe
12. Trying to kiss the sun
13. Breath In, Breath Out
14. Roses
15. Hole in the Sky
Zugabe 2
16. Embryo (Pink Floyd Cover)

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