Montag, 2. Juli 2012

Festival - Mair1 - Montabaur - 15./16.6.2012 (2/2)


Der zweite Tag des Festivals begann, wie man es vom Wetter im Westerwald gewohnt ist, mit Regen. Irgendwann in der Nacht hatte es angefangen und nicht wieder aufgehört, bis kurz nach Beginn der Bühnenveranstaltungen des Tages. Entsprechend sah das Feld auch aus, und schon beim Anmarsch durfte ich bewundern, wie man versuchte, Autos mit Hilfe von Stroh und Traktoren von ihren Parkplätzen zu ziehen. Der Platz vor der Bühne war, um den Matsch etwas zu binden, mit Stroh aufgelegt worden, was auch durchaus seine Wirkung nicht verfehlte und so für eine Weile für ein erträgliches Bodengefühl sorgte.

Aus organisatorischen Gründen waren die Slots der ersten beiden Bands auf den großen Bühnen getauscht worden, so das die Jungs von Middle Finger High die Ehre hatten, den Tag auf der großen Bühne zu eröffnen. Trotz Wetter und Zeit hatte sich schon ein bemerkenswertes Grüppchen davor versammelt, das die Punker gut unterstützte, was diese auch mit einer guten und kraftvollen Performance quittierten, die für einen ordentlichen Einstieg in den zweiten Teil des Festivals sorgte.

Xibalba, wie auch immer man das genau ausspricht :-) , waren schließlich auch bereit, sich dem Publikum zu stellen und bedankten sich artig für die Unterstützung der Vorgänger Band. Was ich mir im Vorfeld angehört hatte, hatte mich nicht sonderlich begeistern können, aber live scheinen die Jungs wesentlich besser drauf zu sein und überraschten mich mit einem frischen Mix aus Hardcore und Deathmetal. Ich dachte immer, dieser Stil würde Deathcore heißen, aber überall fand ich lediglich die beiden Basisgenres erwähnt. Die Einflüsse des Deathmetal waren deutlich zu erkennen und sorgten für eine nette Abwechslung im Lineup. Starker Einstieg ins Festival, soviel ist sicher.

Als Evergreen Terrace als nächstes die Bühne betraten war schon deutlich mehr im Publikum los und auch die Band bewies, warum sie die Leute aus ihren Zelten gezogen hatten. Punkig und rotzig trollten sie über die Bühne und das einzige, was mir unklar war, war die Tatsache, das die Jungs, trotz Zeit und Forderung, keinerlei Zugabe geben wollten, aber scheinbar glaubten sie, das nicht nötig zu haben. Schade, und die entstehende Pause war mehr als ärgerlich und unnötig.

Mit Stick to your Guns betrat anschließend eine Band die Bühne, die nicht nur Hardcore vom feinsten spielten und zum besten gaben, sondern die offensichtlich auch nicht ihre Wurzeln vergessen haben. Hart, schnell, roh und politisch. So wie ich Hardcore mag! Respekt, das es so was noch gibt, und schade, das der Zuspruch des Publikums leider etwas zu wünschen übrig ließ. Das kann aber auch durchaus an dem sich immer deutlicher abzeichnenden Regen gelegen haben, der dann auch tatsächlich während des Auftritts der nächsten Band einsetzte.

Your Demise hatten also die zweifelhafte Ehre, den Regen auf dem Airfield in Montabaur begrüßen zu dürfen, der zwar noch recht schwach war, sich aber im Laufe der nächtsen 30-40 Minuten zu einem ausgewachsenen Westerwälder Landregen ausweitete. Den Musikern gelang es dann aber, trotz der widrigen Umstände, eine frische und originelle Performance auf die feuchter werdenden Bühnen zu legen, denn natürlich setzte auch ein stetiger Wind Richtung Bühne ein. Während der folgenden Auftritte wurde das ganze dann immer schlimmer, zumal dann auch noch die Temperatur weiter abnahm, wobei man die 16 Grad bei Beginn nun auch nicht als Hitzeschock bezeichnen konnte.

Wieder einmal eine willkommene Abwechslung bot die nächste Band. Destrage litt zwar nicht nur unter dem Wetter sondern auch einem etwas geringeren Interesses des Publikums generell, aber das hinderte sie nicht, mit ihrer Mischung aus Metal, Rock und Alternative die Zuhörer für ihr Erscheinen zu belohnen. Einige Besucher beschäftigten sich mittlerweile zwar mit Schlammrutschen, aber vor den Bühnen ging es noch halbwegs gesittet zu. Mit ihren gitarrenlastigen Songs, die auch immer wieder schöne melodiöse Einstreuungen hatten, erinnerten sie manchmal ein wenig an Alter Bridge, ohne aber sich aber als Nachahmer verdächtig zu machen. Dazu agierten sie zu eigenständig, vor allem, was das Songwriting angeht. Für mich eines der Highlight, nicht nur dieses Tages, sondern des gesamten Festivals.

Der Auftritt von Walls of Jericho machte mich neugierig, weil ich sehen wollte, wie sich eine Sängerin im Hardcore Bereich schlagen würde, aber die Enttäuschung war dann doch sehr groß, denn die Vielfalt, die man von Powerfrauen wie Angela Gossow (Arch Enemy) gewohnt ist, geht dieser Frau vollkommen ab. Und als sie dann auch noch einen Fall von Selbstjustiz als erstrebenswert propagierte, war für mich endgültig die Luft raus und die Band für mich gestorben. So etwas geht meiner Meinung nach gar nicht, aber auch das ist natürlich nur meine eigene Meinung.

Nun folgte eine Band Namens ZSK, die sich deutschen Punk vom feinsten auf die Fahnen geschrieben haben und in dieser Hinsicht, meiner Meinung nach, sogar Genregrößen wie Die toten Hosen oder den Ärzten das Wasser reichen können, wenn nicht, diese sogar teilweise in den Schatten stellen. Der Auftritt, den ich als meinen Höhepunkt des zweiten Tages bezeichnen möchte, war sehr eindrucksvoll und auch die Interaktion mit dem, immer nasser und kälter werdenden Publikum war vorbildlich.
Leider ergab sich daraus auch einer der Tiefpunkte dieses Festivals, zumindest empfand ich es so, als schlammverschmierte Strohbüschel nicht nur auf den Sänger flogen, der danach fast gebettelt hatte, sondern eben auch auf die Bühne und das Equipment der Band flogen, so das diese nach dem Auftritt eher einer Schlammwiese glich, als einer Bühne.
Und es dauerte dann fast eine halbe Stunde, bis das technische Equipment soweit gereinigt worden war, das es wieder verwendet werden konnte und die Crew mit der Reinigung der Bühne selber anfangen konnte.

Zwar ließ der Regen jetzt etwas nach und der Himmel riss in der Folge sogar noch einmal etwas auf, aber der unangenehme Wind, der Schlamm und die weiter sinkenden Temperaturen brachten mich dazu, von der folgenden Band, August burns Red, lediglich ein paar wenige Stücke zu hören und dann das Festival zu verlassen. Obwohl ich mir mehr davon erhofft hatte, schafften es die Jungs nicht, die Dynamik und Originalität ihrer CDs auf die Bühne zu übertragen und wirkten so leider nur, wie eine weitere Hardcore Band, wovon ich mittlerweile genug hatte.

Wenn ich auf diese Weise auch Less than Jake und Hatebreed verpasst habe, so war es doch ein gelungener zweiter Tag des Festivals und ich bin froh, das ich das Gelände gesund und ohne all zu große Verschmutzungen verlassen konnte. Und bei den beiden zuletzt genannten Bands bin ich sicher, wieder einmal eine Chance zu bekommen, sie live sehen zu können.

Danke an alle! Veranstalter, Bands und Publikum für ein im großen und ganzen gelungenes Festival. Ich hoffe, das Lineup wird nächstes Jahr ähnlich abwechslungsreich (vielleicht ein bisschen mehr Deathmetal- und core), in der Hoffnung, das es ein Mair1 auch 2013 geben wird!

Stay Heavy
Grim

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