Sonntag, 1. Juli 2012

Festival - Mair1 - Montabaur - 15./16.6.2012 (1/2)


Wenn man schon eines der größeren Festivals der Szene direkt vor der Haustür hat, bietet es sich an, das man da auch hingeht, wenn es vielleicht auch nicht das Beste ist, das es gibt. Aber ich persönlich mag die Größe des Mair1 (das bis letztes Jahr noch Mach1 hieß und dann umbenannt werden musste) und natürlich die Lage des Geländes.

Die Musik ist mir eigentlich ein wenig zu sehr eingeschränkt, was die Vielfalt angeht, aber wie sagt man so schön, man kann nicht alles haben, und wenn einem die Begleiter fehlen, macht der Aufenthalt auf dem Campingplatz eben doch nur halb so viel Spaß, auch wenn man dort bestimmt schnell Anschluss finden kann, wenn man will.

Trotzdem bin ich froh, das ich nach Beendigung des offiziellen Programms schnell nach hause fahren und mich dort in mein warmes Bett legen kann, um dann gut ausgeruht und durch ein Frühstück in aller Ruhe, trocken und halbwegs sauber wieder auf das Festivalgelände zu kommen. Das hat dann, auch wenn es jetzt bestimmt den einen oder anderen gibt, der das langweilig findet,  den Vorteil, das man sich alle Bands, die man hören will, auch tatsächlich und in Ruhe anhören kann.
Und so ungewöhnlich das auch immer klingen mag, das ist für mich der Hauptgrund auf eine Festival zu gehen. :-)

Da sich auch dieses Jahr wieder abzeichnete, das das Wetter im Westerwald nicht zu 100% festivaltauglich sein würde, war ich über meine Konstellation auch nicht wirklich traurig. Aber erst mal zu grundsätzlichen Dingen rund um das Mair1.
Es gab, im Vergleich zum letzten Jahr einige Veränderungen, die sich echt positiv bemerkbar gemacht haben, zumindest für mich. So wurden die sanitären Anlagen auf dem Festivalgelände überarbeitet, ein Umstand der, so denke ich, allen Besuchern zu gute kam. Außerdem gab es diesmal auch auf dem Festivalgelände die Möglichkeit, sich mal für eine Weile hinzusetzen, ohne sofort Plastiktüten auf dem Boden bemühen zu müssen.

Ich meine, natürlich kann man sich auch mal auf den Boden setzen, aber das normale Westerwälder Wetter im Blick ist das erfahrungsgemäß nicht nur nass sondern auch kalt, ein Umstand, der die Sache zusätzlich unangenehm macht. Diese, als Biergarten bezeichnete und sogar teilweise überdachte Möglichkeit erleichtert es doch deutlich, einen ganzen Tag auf dem Gelände zu überstehen.
Etwas schade fand ich, das die dritte Bühne erst sehr spät und damit parallel zu den großen Acts auf den Hauptbühnen bespielt wurde. Sicherlich haben sich die Veranstalter etwas dabei gedacht, aber ich fand, der Zuspruch war teilweise doch leider sehr gering. Ich persönlich hätte mir gerne mehr Bands auf dieser kleinen Bühne angeschaut, aber leider hat es einfach nicht gepasst, zumal die Beschallung der beiden Hauptbühnen doch immer etwas störte.

Jetzt aber zum musikalischen Programm des ersten Tages, Freitag, 15.6.2012.
Eröffnen durften die Jungs von Leeching Project, ein mir unbekannter Act, der aber einen guten Einstieg in das Festival lieferte. Mit ihrem kraftvollen Sound brachten sie zu der frühen Stunde schon einige Leute vor die Bühne und die Stimmung war nicht schlecht, bedenkt man den Zeitpunkt des Auftritts. Das einzige, was es an der Performance bemängeln konnte, waren die etwas schiefen Backing Vocals, die aber natürlich auch so geplant sein konnten.

Die nächste Band, deren Namen ich nicht verstanden hatte, die aber aus Koblenz kommt, also eine Band mit einem Heimspiel, machten schon richtig Spaß, mischten sie doch Rock'n'Roll sehr gekonnt und versiert mit der Härte des Hardcore, ohne eine der beiden Seiten Überhand gewinnen zu lassen. Vor allem der Gitarrensound war sehr interessant, da er tatsächlich zu beiden Seiten der Musik passte und sich wunderbar auch noch ohne Ohrschutz genießen ließ.

Dann aber wurde es deutlich lauter und härter, denn die Jungs von Neaera enterten die Bühne und man merkte sofort, das nicht nur ich der Meinung war, das erste Highlights des Festivals zu erleben. Der Raum vor der Bühne wurde deutlich voller und die Stimmung erreichte einen ersten Höhepunkt. Die Band hatte das Publikum vom ersten Akkord an voll im Griff und man merkte den Musikern an, das ihnen der Auftritt Spaß machte. Mit voller Wucht wurden die Boxen einem ersten Stresstest unterzogen und die Mitmachfähigkeiten des Publikums wurden getestet und für gut befunden. Ein geiler Auftritt, der keine Wünsche mehr offen ließ (sieht man einmal von der Dauer ab), zumal sogar noch Zeit für eine Zugabe blieb.

Die folgende Band, Eskimo Callboy, hatte ich letztes Jahr an gleicher Stelle kennen gelernt und empfand ihren Elektrocore als nette Abwechslung zu den sonst doch recht ernsten Auftritten der anderen Bands. Mittlerweile habe die Jungs eine erste CD veröffentlicht und man merkt eben dann doch, das der Anspruch hier dann endgültig gegen Null sinkt, wenn die Partymonster (diesmal auf einer der großen Bühnen) ihre gute Laune Musik vom Stapel lassen. Nett, aber selbst in diesem Genre sind die Ruhrpottler nicht mehr alleine und die besten, wie man am zweiten Tag noch sehen sollte.

Da ich immer schon mal wieder entsprechende T-Shirts gesehen hatte, war ich sehr gespannt auf den folgenden Auftritt von Emmure. Aber das was dann kam, erinnerte eher an eines der Downlights des Wochenendes. Weder sagte mir die Musik der Band zu, noch fand ich ihre Performance überzeugend und als wenn das noch nicht genug gewesen wäre, war der Sound auch vollkommen vermischt und außer den Bässen war nicht viel zu hören. Aber immerhin eine gute Gelegenheit, sich und seinen Ohren mal eine Pause im Biergarten zu gönnen, der zu diesem Zeitpunkt aber auch schon gut gefüllt war. Ob das an der Band oder dem Zeitpunkt lag, vermag ich nicht zu sagen.

Meine Befürchtung, der Sound könne in der Folge bleiben, wie er bei Emmure war, erfüllte ich, dem Himmel sei Dank, nicht, denn der Auftritt von Unearth war nicht nur soundtechnisch sondern auch von Musik und Performance her wieder um Längen besser. Die Jungs zeigten jederzeit, das sie ihre Wurzeln nicht nur im Metal haben, sondern diese auch bereit sind, in ihre Musik deutlich einfließen zu lassen. Die Stimmung stieg und der Platz vor den beiden großen Bühnen füllte sich wieder deutlich, was aber wohl auch an dem folgenden Auftritt von Caliban gelegen haben dürfte. Trotzdem ein gelungener Auftritt der Jungs aus Connecticut die zeigten, wie es auch gehen kann.

Wie schon gesagt, folgte diesem Auftritt nach kurzer Pause die Performance von Caliban, zu dem ich nicht viel sagen kann, da ich mich entschied, nach dem zweiten Song wieder eine Pause einzulegen. Diese Band ist meiner Meinung nach eine der am meisten überbewerteten Bands des Genres, direkt hinter Heaven shall Burn, die ich letztes Jahr als Headliner bei eben diesem Festival erleben durfte (oder eher musste?). Diese Aussage dürfte damit wohl klar belegen, das ich kein klassische Hardcore Fan bin, sondern mich eher auf die originelleren Spielarten dieses Festivals konzentrierte.

We butter the Bread with Butter. Alleine der Name sorgte dafür, das ich mir Gedanken um die geistige Gesundheit der Mitglieder der Band machte ;-) , aber ich hatte die Jungs schon ein paarmal auf dem Zeiger, sie mir anzusehen, daher kam es mir zu pass, das sie das Mair1 beehrten. Und was ich dann erlebte war eine sehr gemischte Vorstellung. Die Texte zur Musik sind in Deutsch, ein Umstand, den ich sehr begrüßte. Aber leider klangen die originellen Ideen, eine Mischung aus Kinderliedern, Volksliedern und Hardcorethemen, teilweise sehr elektronisch und wirken nur durch den massiven Einsatz von Einspielern vom Band. Dadurch ist die Flexibilität doch sehr stark eingeschränkt, aber trotzdem gelingt es den, im Glamrock der 80er gekleideten Musiker, eine super Stimmung aufzubauen und die Band ist einer der schönsten Mitmachacts des Tages.

Jetzt setzte das Festival zum Endspurt für den ersten Tag an und mit Pennywise betrat für mich der Headliner die Bühne. Ich habe selten eine so energetische Punkband gesehen, die, trotz der Musik, die sie machen, ihre Instrumente beherrschen, wie wenige Musiker. Die üblichen politischen Äußerungen des Sängers fallen, meiner Meinung nach, etwas umfangreich aus, aber immerhin ist das ja einer der Ursprünge dieser Musik, so das man das wohl akzeptieren muss und kann, zumal es sehr intelligente Äußerungen sind. Und obwohl die Lautstärke weiter zunimmt, eine Entwicklung, der die Tontechniker dieses Festivals offensichtlich sehr konsequent folgen, ist der Sound bei diesem Auftritt sehr gut und die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt, als die Mitglieder des Headliners des Abends, Parkway Drive, auf die Bühne kommen, um ein gemeinsames Stück zu zelebrieren. Sehr gelungen und sehr geil, und für mich wie gesagt der Höhepunkt des Tages.

Puddle of Mud, eine Band, die ich erst seit ein paar Monaten kenne, haben jetzt ihren Auftritt und sorgen so spät am Tag noch einmal für etwas Abwechslung. Sehr gelungen, wenn es vom Veranstalter so geplant war. Mit ihrem Alternative Rock und Metal geben sie der Meute vor der Bühne scheinbar noch einmal etwas Zeit, sich auf den Headliner vorzubereiten, allerdings leiden sie etwas unter einem etwas matschigen Sound, der die Brillanz der Stücke nicht gerecht wird. Schade, aber ein gelungener Auftritt mit vielen Mitsing- und Mitmachnummern, die mehr Lust darauf macht, die Jungs mal in voller Länge zu sehen.

Und wieder einmal ein Headliner bei einem Mair/Mach1 Festival, zu dem ich scheinbar nicht den richtigen Zugang habe. Letztes Jahr habe ich mir den Auftritt von Heaven Shall Burn geschenkt, weil ich von deren Massenkompatiblen Veriante des Hardcore nicht viel halte und im Grunde trifft auf Parkway Drive dasselbe zu. Nett, aber warum eine solche Band den Abend beschließt, verschließt sich zumindest mir. Zwei Stücke, das war, was ich mir angehört habe und als ich merkte, das dann scheinbar schon nichts neues mehr kommen sollte, habe ich mich vom Acker gemacht. Zwar war die Bühne wunderschön mit viel Aufwand in einen Dschungel verwandelt worden, aber da es sich bei dieser Optik schon um die größte Kreativität handelte sparte ich mir den Rest des Auftritts und wahrscheinlich auch einen ziemlichen Run auf die Ausgänge danach.

Alles in allem ein gelungener erster Tag, der mir gezeigt hat, das sich die Organisation echt Gedanken um Verbesserungen macht, der mir aber auch klar machte, das ich wohl nicht der klassische Besucher dieses Festivals bin. Auf meine Kosten gekommen bin ich trotzdem, zumal ich auch an diesem Tag noch einige Bruchstücke von der Talentbühne mitnehmen konnte.

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