Dienstag, 14. August 2012

Konzert - The Brew @OpenFlairFestival 2012 – 11.8.2012

Eigentlich war der Besuch der Seebühne beim diesjährigen OpenFlair am Samstag Nachmittag lediglich ein Versuch, den Massen auf dem Hauptplatz zu entkommen und meine müden Beine etwas zu entlasten.

Gelungen ist mir erst mal nur der erste Teil, weil die Mengen, die sich auf dieser schönsten aller Open Air Locations, die ich kenne, versammelt hatten tatsächlich gut überschaubar waren. Eigentlich kein Wunder, bedenkt man, das auf den zentralen Bühnen an diesem Abend Schwergewichte wie die Broilers und der Beatstakes zu Gast sein würden.

Der zweite Teil, also die Erholung für meine geschundenen Beine, gelang mir nur so lange, bis [i]The Brew[/i] die Bühne betraten. Und die Zuschauer, die sich entschieden hatten, auch mal einer Blues Rock Formation aus England eine Chance zu geben, sollten dafür reichlich belohnt werden. Denn das, was die drei Musiker auf der Bühne abzogen war mehr als das, was der Musikstil hergab. Und zwar viel mehr und viel besser, als vieles, was ich in den letzten Jahren auf Livekonzerten erlebt habe (und das waren einige).

Angefangen vom Blues über den Rock spannte sich der Bogen der seltsamen Kombo weiter über Groove-Rock in bester AC/DC Manier, Punk, Singer/Songwriter Qualitäten bis hin zu modernem Post-Rock Einflüssen. Warum "seltsam" wird der eine oder andere Fragen? Zurecht, aber die Tatsache, das sich hier Vater (Bass) und Sohn (Drums) einen Gitarristen dazu holen und eine so musikalisch interessante Gruppe bilden, dürfte erklären, was ich meine. Vielleicht ist diese Mischung aus verschiedenen Generationen auch eines der Geheimnisse der Vielschichtigkeit dieser Gruppe und erklärt die verschiedenen Einflüsse, die hier wunderbar zusammen geführt werden.

Dabei wirken die einzelnen Stücke nie überladen, weil eben nicht versucht wird, mit Gewalt alle Dinge in einem Song unter zu bringen. Genau wie die drei Engländer ihren Songs Zeit geben, sich zu entwickeln, scheinen sie sich auch beim zusammenstellen von CDs oder Setlists keinen Zwängen unterwerfen zu wollen. Jedes Stück ist anders - aber jedes Stück passt zu [i]The Brew[/i].

Die Musiker sind alle drei absolut Brillant mit ihren Instrumenten, geben aber, wenn nötig, den Platz für die variable Stimme des Gitarristen frei, die diese braucht, um sich zu entfalten. Unterstützt wird Sänger und Gitarrist Jason bei seinen vokalen Bemühungen vom Bassisten und "Großvater" der Formation, dessen Hintergrundgesang gekonnt und gezielt eingesetzt wird. Das Publikum, das isch zu Beginn des Auftritts noch ein wenig zurückhaltend verhalten hatte, taut nun quasi mehr und mehr auf und bemerkt schnell, was für einen Diamanten der modernen Rockmusik man hier vor sich hat.

Und das schöne ist, das es sich nicht nur um Zuhörer älteren Semesters handelt, sondern ebenfalls ein recht große Gruppe von tanzwütigen Zuschauern jüngeren Alters den Weg an die Seebühne gefunden haben. So ergibt sich ein interessantes Bild, wenn man die Gruppe direkt vor der Bühne sieht, die jede Gelegenheit nutzt, sich zur Musik zu bewegen, und anderseits die (bestimmt genau so zahlreiche) Gruppe der Damen und Herren im gesetzteren Alter, die die Musik mit leichten Kopfschwingen oder Zuckungen in den Beinen auf sich wirken lassen.

Am Ende jedes Songs und auch des gesamten Konzerts ist aber klar: JEDER ist hier auf seine Kosten gekommen, egal, was er erwartet hat, es scheint keinen zu geben, der den Bereich vor der Bühne verlassen hat, bevor die Band dasselbe auf der Bühne tat. Und für alle, die noch nicht von den einwandfrei vorhandenen Qualitäten des Schlagzeugers überzeugt sind, legt dieser kurz vor Ende des Programms noch ein Drumsolo auf die Bühne, das so manch etablierten Schlagzeiger die Kinnlade herunter fallen dürfte.

Auch hier wieder nicht auf Effekthascherei ausgelegt, sondern immer seinem Weg folgend bringt er gekonnt seine beiden Mitspieler zum Finale wieder ins Spiel und gemeinsam beenden sie ein Konzert, das für mich das musikalische Highlight dieses Festivals war.

Fazit: Wenn die drei demnächst auf Tour durch Deutschland gehen, werde versuchen, sie mindestens einmal zu sehen und zu hören. DAS WIRD EIN FEST!!! Danke auch noch mal an die Organisatoren des OpenFlair, das sie solche Perlen finden und verpflichten können. RESPEKT \m/

Keep Rocking
GrimReaper

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