Samstag, 28. Juli 2012

Konzert – Los Dos y companeros – Hanau, Schlossplatz - 13.7.2012


Da ich die Combo beim diesjährigen Lamboy-Fest nicht hatte sehen konnte, war ich froh zu hören, das sie im Rahmen des Kultursommers ein weiteres Mal in der Stadt auftreten würden. Allerdings zeichnete sich schon im Vorfeld ab, das es sich wohl nicht um ein echtes SOMMERkonzert handeln würde, aber immerhin blieb es während des Auftritts der Bayern trocken und so konnten ich und die anderen Zuschauer die Performance in Ruhe anschauen.

Es ist ein wenig ungewohnt, als die Musik beginnt, aber die Musiker und ihr Auftreten machen sofort klar, wo es hin gehen soll. Und die Mischung aus deutschen, oder besser bayrischen, Texten und lateinamerikanischer Musik macht schnell Lust auf mehr. Schnelle Rhythmen, originelle Texte, wenn es auch anfangs etwas schwer fällt, diese zu verstehen. Doch es lohnt sich, etwas genauer hinzuhören und die Texte gegebenenfalls aus dem Zusammenhang zu verstehen, denn sie machen nicht nur Spaß, sondern ergeben auch interessante Denkanstöße.

Die Tatsache, das es Leute zu geben scheint, die die bühnenfüllende Gruppe schon des öfteren gesehen haben, beweist die Tatsache, das es einige Textsichere zu geben scheint, die sofort mitsingen können. Aber auch ansonsten sind die Texte für Ersthörer oft so einprägsam geschrieben, das man spätestens beim zweiten Durchlauf mitsingen kann. Und nicht nur das macht Spaß, sondern auch die zum mittanzen zwingende Rhythmus der Musik, der vor der Bühne auch einige Paare dazu bringt, eine optische Begleitung der Musiker auf der Bühne zu unternehmen.

Fazit: Ein echt lohnenswertes Erfahrung für alle, die offen sind für Experimente mit Musik fernab von kommerziellen Versuchen, sich dem Publikum anzupassen. Eine Show, die nicht nur eine Erlebnis für Ohren und Augen ist, sondern auch die Beine unweigerlich in Bewegung bringt, spätestens wenn die Musiker auf der Bühne auffordern, sie zu begleiten.
Absolut genial und eine echte Erfrischung in der immer lauter werdenden musikalischen Unterhaltung unserer Zeit!

Keep Rocking
Grim Reaper

Dienstag, 24. Juli 2012

Konzert – The Bue Onions – Hanau, Schloss Wilhelmsruhe - 20.7.2012

Eine Tribute Band, die sich den Blues Brothers und deren Musik verschrieben hat? Das klingt doch mal richtig gut, aber auch richtig herausfordernd, also für die Musiker. :-) Da ich aber ja nur als Zuschauer dabei sein wollte, freute ich mich auf eine gute Show, tolle Musik und hoffte auf trockenes Wetter. Aber wie immer bis zu diesem Zeitpunkt des sogenannten Sommers musste man schon froh sein, wenn es halbwegs trocken blieb und die Flüssigkeit nicht gefroren vom Himmel fiel.

Und auch, wenn die beiden Bands, die vor den Blue Onions gespielt hatten, sehr unterschiedliches Wetter hatten, war der Zuspruch doch recht beeindruckend und die Erwartungshaltung war gespannt, zumal die Jungs einige Wochen zuvor bereits das Lamboyfest gerockt hatten. Die Bühne hier am Schloss war allerdings noch einmal eine Steigerung, was die Größe anging, aber die 11 „Brüder“ waren von Anfang an in der Lage, sie nicht nur räumlich zu füllen. Die Präsenz, die jeder der Musiker ausstrahlt macht jedem sofort klar, das die Jungs auf der Bühne richtig Spaß an dem haben, was sie da machen.

Nicht nur die beiden Sänger, wie die Vorbilder gekleidet in schwarzen Anzügen, mit weißen Hemden und den obligatorischen Sonnenbrillen, sondern auch die anderen Musiker zeigen eine unglaubliche Energie. Mit ihren blauen, an Gefängniskleidung angelehnten  Hemden runden sie das Bild der Schlussszene des Filmes perfekt ab und bilden so den perfekten Übergang vom Film in das Konzert der Frankfurter Band.

Aber das eigentlich beeindruckende an dem Auftritt der Jungs aus Rhein-Main ist die Tatsache, das eben nicht nur die bekannten Klassiker aus dem Film gespielt werden, sondern die gesamte Breite des Repertoires der Blues Brothers ausgeschöpft wird. Das zwingt den Zuhörer zwar manchmal, sich erst in die Stücke herein zu finden, aber zeigt immer wieder die Genialität aller Brüder und deren Fähigkeiten sich in Szene zu setzen, wenn sie die Möglichkeit bekommen.

Besonders fasziniert mich persönlich die Blechbläserfraktion, die mit Saxophonen, Posaune und Trompete eine unglaubliche Stimmung in die Songs und auf die Bühne bringen. Und nicht nur, das die Bläser eine gute Show bieten, sondern sie brillieren auch musikalisch und stechen damit, meine unmaßgeblichen Meinung nach, aus dem sehr guten Ensemble noch heraus und toppen den Auftritt. Natürlich bringen auch die beiden Sänger reichlich Stimmung auf die Bühne und ins Publikum, aber das ist bei denen ja nun mal das, wofür sie dabei sind. :-)

Alles in allem war der Auftritt an diesem Tag, wenn er auch etwas verkürzt war, weil ja um Punkt 23 Uhr im wahrsten Sinne des Wortes das Licht ausgehen musste ;-) ein sehr gelungener Abschluss des Abends und man hatte bei den letzten Zugaben das schlechte Wetter und die niedrigen Temperaturen schon wieder vergessen.

Ach ja, und HIER und HIER ein paar Bilder vom Auftritt. Danke an Hannah für die tollen Aufnahmen und die Erlaubnis. *verneig*


Fazit: Wer die Chance hat und die Musik der Blues Brothers  und/oder den Film mag, sollte diese Jungs auf keinen Fall verpassen. Perfekte Inzenierung, RESPEKT!!!

Keep Rocking
Grim Reaper

Montag, 2. Juli 2012

Festival - Mair1 - Montabaur - 15./16.6.2012 (2/2)


Der zweite Tag des Festivals begann, wie man es vom Wetter im Westerwald gewohnt ist, mit Regen. Irgendwann in der Nacht hatte es angefangen und nicht wieder aufgehört, bis kurz nach Beginn der Bühnenveranstaltungen des Tages. Entsprechend sah das Feld auch aus, und schon beim Anmarsch durfte ich bewundern, wie man versuchte, Autos mit Hilfe von Stroh und Traktoren von ihren Parkplätzen zu ziehen. Der Platz vor der Bühne war, um den Matsch etwas zu binden, mit Stroh aufgelegt worden, was auch durchaus seine Wirkung nicht verfehlte und so für eine Weile für ein erträgliches Bodengefühl sorgte.

Aus organisatorischen Gründen waren die Slots der ersten beiden Bands auf den großen Bühnen getauscht worden, so das die Jungs von Middle Finger High die Ehre hatten, den Tag auf der großen Bühne zu eröffnen. Trotz Wetter und Zeit hatte sich schon ein bemerkenswertes Grüppchen davor versammelt, das die Punker gut unterstützte, was diese auch mit einer guten und kraftvollen Performance quittierten, die für einen ordentlichen Einstieg in den zweiten Teil des Festivals sorgte.

Xibalba, wie auch immer man das genau ausspricht :-) , waren schließlich auch bereit, sich dem Publikum zu stellen und bedankten sich artig für die Unterstützung der Vorgänger Band. Was ich mir im Vorfeld angehört hatte, hatte mich nicht sonderlich begeistern können, aber live scheinen die Jungs wesentlich besser drauf zu sein und überraschten mich mit einem frischen Mix aus Hardcore und Deathmetal. Ich dachte immer, dieser Stil würde Deathcore heißen, aber überall fand ich lediglich die beiden Basisgenres erwähnt. Die Einflüsse des Deathmetal waren deutlich zu erkennen und sorgten für eine nette Abwechslung im Lineup. Starker Einstieg ins Festival, soviel ist sicher.

Als Evergreen Terrace als nächstes die Bühne betraten war schon deutlich mehr im Publikum los und auch die Band bewies, warum sie die Leute aus ihren Zelten gezogen hatten. Punkig und rotzig trollten sie über die Bühne und das einzige, was mir unklar war, war die Tatsache, das die Jungs, trotz Zeit und Forderung, keinerlei Zugabe geben wollten, aber scheinbar glaubten sie, das nicht nötig zu haben. Schade, und die entstehende Pause war mehr als ärgerlich und unnötig.

Mit Stick to your Guns betrat anschließend eine Band die Bühne, die nicht nur Hardcore vom feinsten spielten und zum besten gaben, sondern die offensichtlich auch nicht ihre Wurzeln vergessen haben. Hart, schnell, roh und politisch. So wie ich Hardcore mag! Respekt, das es so was noch gibt, und schade, das der Zuspruch des Publikums leider etwas zu wünschen übrig ließ. Das kann aber auch durchaus an dem sich immer deutlicher abzeichnenden Regen gelegen haben, der dann auch tatsächlich während des Auftritts der nächsten Band einsetzte.

Your Demise hatten also die zweifelhafte Ehre, den Regen auf dem Airfield in Montabaur begrüßen zu dürfen, der zwar noch recht schwach war, sich aber im Laufe der nächtsen 30-40 Minuten zu einem ausgewachsenen Westerwälder Landregen ausweitete. Den Musikern gelang es dann aber, trotz der widrigen Umstände, eine frische und originelle Performance auf die feuchter werdenden Bühnen zu legen, denn natürlich setzte auch ein stetiger Wind Richtung Bühne ein. Während der folgenden Auftritte wurde das ganze dann immer schlimmer, zumal dann auch noch die Temperatur weiter abnahm, wobei man die 16 Grad bei Beginn nun auch nicht als Hitzeschock bezeichnen konnte.

Wieder einmal eine willkommene Abwechslung bot die nächste Band. Destrage litt zwar nicht nur unter dem Wetter sondern auch einem etwas geringeren Interesses des Publikums generell, aber das hinderte sie nicht, mit ihrer Mischung aus Metal, Rock und Alternative die Zuhörer für ihr Erscheinen zu belohnen. Einige Besucher beschäftigten sich mittlerweile zwar mit Schlammrutschen, aber vor den Bühnen ging es noch halbwegs gesittet zu. Mit ihren gitarrenlastigen Songs, die auch immer wieder schöne melodiöse Einstreuungen hatten, erinnerten sie manchmal ein wenig an Alter Bridge, ohne aber sich aber als Nachahmer verdächtig zu machen. Dazu agierten sie zu eigenständig, vor allem, was das Songwriting angeht. Für mich eines der Highlight, nicht nur dieses Tages, sondern des gesamten Festivals.

Der Auftritt von Walls of Jericho machte mich neugierig, weil ich sehen wollte, wie sich eine Sängerin im Hardcore Bereich schlagen würde, aber die Enttäuschung war dann doch sehr groß, denn die Vielfalt, die man von Powerfrauen wie Angela Gossow (Arch Enemy) gewohnt ist, geht dieser Frau vollkommen ab. Und als sie dann auch noch einen Fall von Selbstjustiz als erstrebenswert propagierte, war für mich endgültig die Luft raus und die Band für mich gestorben. So etwas geht meiner Meinung nach gar nicht, aber auch das ist natürlich nur meine eigene Meinung.

Nun folgte eine Band Namens ZSK, die sich deutschen Punk vom feinsten auf die Fahnen geschrieben haben und in dieser Hinsicht, meiner Meinung nach, sogar Genregrößen wie Die toten Hosen oder den Ärzten das Wasser reichen können, wenn nicht, diese sogar teilweise in den Schatten stellen. Der Auftritt, den ich als meinen Höhepunkt des zweiten Tages bezeichnen möchte, war sehr eindrucksvoll und auch die Interaktion mit dem, immer nasser und kälter werdenden Publikum war vorbildlich.
Leider ergab sich daraus auch einer der Tiefpunkte dieses Festivals, zumindest empfand ich es so, als schlammverschmierte Strohbüschel nicht nur auf den Sänger flogen, der danach fast gebettelt hatte, sondern eben auch auf die Bühne und das Equipment der Band flogen, so das diese nach dem Auftritt eher einer Schlammwiese glich, als einer Bühne.
Und es dauerte dann fast eine halbe Stunde, bis das technische Equipment soweit gereinigt worden war, das es wieder verwendet werden konnte und die Crew mit der Reinigung der Bühne selber anfangen konnte.

Zwar ließ der Regen jetzt etwas nach und der Himmel riss in der Folge sogar noch einmal etwas auf, aber der unangenehme Wind, der Schlamm und die weiter sinkenden Temperaturen brachten mich dazu, von der folgenden Band, August burns Red, lediglich ein paar wenige Stücke zu hören und dann das Festival zu verlassen. Obwohl ich mir mehr davon erhofft hatte, schafften es die Jungs nicht, die Dynamik und Originalität ihrer CDs auf die Bühne zu übertragen und wirkten so leider nur, wie eine weitere Hardcore Band, wovon ich mittlerweile genug hatte.

Wenn ich auf diese Weise auch Less than Jake und Hatebreed verpasst habe, so war es doch ein gelungener zweiter Tag des Festivals und ich bin froh, das ich das Gelände gesund und ohne all zu große Verschmutzungen verlassen konnte. Und bei den beiden zuletzt genannten Bands bin ich sicher, wieder einmal eine Chance zu bekommen, sie live sehen zu können.

Danke an alle! Veranstalter, Bands und Publikum für ein im großen und ganzen gelungenes Festival. Ich hoffe, das Lineup wird nächstes Jahr ähnlich abwechslungsreich (vielleicht ein bisschen mehr Deathmetal- und core), in der Hoffnung, das es ein Mair1 auch 2013 geben wird!

Stay Heavy
Grim

Sonntag, 1. Juli 2012

Festival - Mair1 - Montabaur - 15./16.6.2012 (1/2)


Wenn man schon eines der größeren Festivals der Szene direkt vor der Haustür hat, bietet es sich an, das man da auch hingeht, wenn es vielleicht auch nicht das Beste ist, das es gibt. Aber ich persönlich mag die Größe des Mair1 (das bis letztes Jahr noch Mach1 hieß und dann umbenannt werden musste) und natürlich die Lage des Geländes.

Die Musik ist mir eigentlich ein wenig zu sehr eingeschränkt, was die Vielfalt angeht, aber wie sagt man so schön, man kann nicht alles haben, und wenn einem die Begleiter fehlen, macht der Aufenthalt auf dem Campingplatz eben doch nur halb so viel Spaß, auch wenn man dort bestimmt schnell Anschluss finden kann, wenn man will.

Trotzdem bin ich froh, das ich nach Beendigung des offiziellen Programms schnell nach hause fahren und mich dort in mein warmes Bett legen kann, um dann gut ausgeruht und durch ein Frühstück in aller Ruhe, trocken und halbwegs sauber wieder auf das Festivalgelände zu kommen. Das hat dann, auch wenn es jetzt bestimmt den einen oder anderen gibt, der das langweilig findet,  den Vorteil, das man sich alle Bands, die man hören will, auch tatsächlich und in Ruhe anhören kann.
Und so ungewöhnlich das auch immer klingen mag, das ist für mich der Hauptgrund auf eine Festival zu gehen. :-)

Da sich auch dieses Jahr wieder abzeichnete, das das Wetter im Westerwald nicht zu 100% festivaltauglich sein würde, war ich über meine Konstellation auch nicht wirklich traurig. Aber erst mal zu grundsätzlichen Dingen rund um das Mair1.
Es gab, im Vergleich zum letzten Jahr einige Veränderungen, die sich echt positiv bemerkbar gemacht haben, zumindest für mich. So wurden die sanitären Anlagen auf dem Festivalgelände überarbeitet, ein Umstand der, so denke ich, allen Besuchern zu gute kam. Außerdem gab es diesmal auch auf dem Festivalgelände die Möglichkeit, sich mal für eine Weile hinzusetzen, ohne sofort Plastiktüten auf dem Boden bemühen zu müssen.

Ich meine, natürlich kann man sich auch mal auf den Boden setzen, aber das normale Westerwälder Wetter im Blick ist das erfahrungsgemäß nicht nur nass sondern auch kalt, ein Umstand, der die Sache zusätzlich unangenehm macht. Diese, als Biergarten bezeichnete und sogar teilweise überdachte Möglichkeit erleichtert es doch deutlich, einen ganzen Tag auf dem Gelände zu überstehen.
Etwas schade fand ich, das die dritte Bühne erst sehr spät und damit parallel zu den großen Acts auf den Hauptbühnen bespielt wurde. Sicherlich haben sich die Veranstalter etwas dabei gedacht, aber ich fand, der Zuspruch war teilweise doch leider sehr gering. Ich persönlich hätte mir gerne mehr Bands auf dieser kleinen Bühne angeschaut, aber leider hat es einfach nicht gepasst, zumal die Beschallung der beiden Hauptbühnen doch immer etwas störte.

Jetzt aber zum musikalischen Programm des ersten Tages, Freitag, 15.6.2012.
Eröffnen durften die Jungs von Leeching Project, ein mir unbekannter Act, der aber einen guten Einstieg in das Festival lieferte. Mit ihrem kraftvollen Sound brachten sie zu der frühen Stunde schon einige Leute vor die Bühne und die Stimmung war nicht schlecht, bedenkt man den Zeitpunkt des Auftritts. Das einzige, was es an der Performance bemängeln konnte, waren die etwas schiefen Backing Vocals, die aber natürlich auch so geplant sein konnten.

Die nächste Band, deren Namen ich nicht verstanden hatte, die aber aus Koblenz kommt, also eine Band mit einem Heimspiel, machten schon richtig Spaß, mischten sie doch Rock'n'Roll sehr gekonnt und versiert mit der Härte des Hardcore, ohne eine der beiden Seiten Überhand gewinnen zu lassen. Vor allem der Gitarrensound war sehr interessant, da er tatsächlich zu beiden Seiten der Musik passte und sich wunderbar auch noch ohne Ohrschutz genießen ließ.

Dann aber wurde es deutlich lauter und härter, denn die Jungs von Neaera enterten die Bühne und man merkte sofort, das nicht nur ich der Meinung war, das erste Highlights des Festivals zu erleben. Der Raum vor der Bühne wurde deutlich voller und die Stimmung erreichte einen ersten Höhepunkt. Die Band hatte das Publikum vom ersten Akkord an voll im Griff und man merkte den Musikern an, das ihnen der Auftritt Spaß machte. Mit voller Wucht wurden die Boxen einem ersten Stresstest unterzogen und die Mitmachfähigkeiten des Publikums wurden getestet und für gut befunden. Ein geiler Auftritt, der keine Wünsche mehr offen ließ (sieht man einmal von der Dauer ab), zumal sogar noch Zeit für eine Zugabe blieb.

Die folgende Band, Eskimo Callboy, hatte ich letztes Jahr an gleicher Stelle kennen gelernt und empfand ihren Elektrocore als nette Abwechslung zu den sonst doch recht ernsten Auftritten der anderen Bands. Mittlerweile habe die Jungs eine erste CD veröffentlicht und man merkt eben dann doch, das der Anspruch hier dann endgültig gegen Null sinkt, wenn die Partymonster (diesmal auf einer der großen Bühnen) ihre gute Laune Musik vom Stapel lassen. Nett, aber selbst in diesem Genre sind die Ruhrpottler nicht mehr alleine und die besten, wie man am zweiten Tag noch sehen sollte.

Da ich immer schon mal wieder entsprechende T-Shirts gesehen hatte, war ich sehr gespannt auf den folgenden Auftritt von Emmure. Aber das was dann kam, erinnerte eher an eines der Downlights des Wochenendes. Weder sagte mir die Musik der Band zu, noch fand ich ihre Performance überzeugend und als wenn das noch nicht genug gewesen wäre, war der Sound auch vollkommen vermischt und außer den Bässen war nicht viel zu hören. Aber immerhin eine gute Gelegenheit, sich und seinen Ohren mal eine Pause im Biergarten zu gönnen, der zu diesem Zeitpunkt aber auch schon gut gefüllt war. Ob das an der Band oder dem Zeitpunkt lag, vermag ich nicht zu sagen.

Meine Befürchtung, der Sound könne in der Folge bleiben, wie er bei Emmure war, erfüllte ich, dem Himmel sei Dank, nicht, denn der Auftritt von Unearth war nicht nur soundtechnisch sondern auch von Musik und Performance her wieder um Längen besser. Die Jungs zeigten jederzeit, das sie ihre Wurzeln nicht nur im Metal haben, sondern diese auch bereit sind, in ihre Musik deutlich einfließen zu lassen. Die Stimmung stieg und der Platz vor den beiden großen Bühnen füllte sich wieder deutlich, was aber wohl auch an dem folgenden Auftritt von Caliban gelegen haben dürfte. Trotzdem ein gelungener Auftritt der Jungs aus Connecticut die zeigten, wie es auch gehen kann.

Wie schon gesagt, folgte diesem Auftritt nach kurzer Pause die Performance von Caliban, zu dem ich nicht viel sagen kann, da ich mich entschied, nach dem zweiten Song wieder eine Pause einzulegen. Diese Band ist meiner Meinung nach eine der am meisten überbewerteten Bands des Genres, direkt hinter Heaven shall Burn, die ich letztes Jahr als Headliner bei eben diesem Festival erleben durfte (oder eher musste?). Diese Aussage dürfte damit wohl klar belegen, das ich kein klassische Hardcore Fan bin, sondern mich eher auf die originelleren Spielarten dieses Festivals konzentrierte.

We butter the Bread with Butter. Alleine der Name sorgte dafür, das ich mir Gedanken um die geistige Gesundheit der Mitglieder der Band machte ;-) , aber ich hatte die Jungs schon ein paarmal auf dem Zeiger, sie mir anzusehen, daher kam es mir zu pass, das sie das Mair1 beehrten. Und was ich dann erlebte war eine sehr gemischte Vorstellung. Die Texte zur Musik sind in Deutsch, ein Umstand, den ich sehr begrüßte. Aber leider klangen die originellen Ideen, eine Mischung aus Kinderliedern, Volksliedern und Hardcorethemen, teilweise sehr elektronisch und wirken nur durch den massiven Einsatz von Einspielern vom Band. Dadurch ist die Flexibilität doch sehr stark eingeschränkt, aber trotzdem gelingt es den, im Glamrock der 80er gekleideten Musiker, eine super Stimmung aufzubauen und die Band ist einer der schönsten Mitmachacts des Tages.

Jetzt setzte das Festival zum Endspurt für den ersten Tag an und mit Pennywise betrat für mich der Headliner die Bühne. Ich habe selten eine so energetische Punkband gesehen, die, trotz der Musik, die sie machen, ihre Instrumente beherrschen, wie wenige Musiker. Die üblichen politischen Äußerungen des Sängers fallen, meiner Meinung nach, etwas umfangreich aus, aber immerhin ist das ja einer der Ursprünge dieser Musik, so das man das wohl akzeptieren muss und kann, zumal es sehr intelligente Äußerungen sind. Und obwohl die Lautstärke weiter zunimmt, eine Entwicklung, der die Tontechniker dieses Festivals offensichtlich sehr konsequent folgen, ist der Sound bei diesem Auftritt sehr gut und die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt, als die Mitglieder des Headliners des Abends, Parkway Drive, auf die Bühne kommen, um ein gemeinsames Stück zu zelebrieren. Sehr gelungen und sehr geil, und für mich wie gesagt der Höhepunkt des Tages.

Puddle of Mud, eine Band, die ich erst seit ein paar Monaten kenne, haben jetzt ihren Auftritt und sorgen so spät am Tag noch einmal für etwas Abwechslung. Sehr gelungen, wenn es vom Veranstalter so geplant war. Mit ihrem Alternative Rock und Metal geben sie der Meute vor der Bühne scheinbar noch einmal etwas Zeit, sich auf den Headliner vorzubereiten, allerdings leiden sie etwas unter einem etwas matschigen Sound, der die Brillanz der Stücke nicht gerecht wird. Schade, aber ein gelungener Auftritt mit vielen Mitsing- und Mitmachnummern, die mehr Lust darauf macht, die Jungs mal in voller Länge zu sehen.

Und wieder einmal ein Headliner bei einem Mair/Mach1 Festival, zu dem ich scheinbar nicht den richtigen Zugang habe. Letztes Jahr habe ich mir den Auftritt von Heaven Shall Burn geschenkt, weil ich von deren Massenkompatiblen Veriante des Hardcore nicht viel halte und im Grunde trifft auf Parkway Drive dasselbe zu. Nett, aber warum eine solche Band den Abend beschließt, verschließt sich zumindest mir. Zwei Stücke, das war, was ich mir angehört habe und als ich merkte, das dann scheinbar schon nichts neues mehr kommen sollte, habe ich mich vom Acker gemacht. Zwar war die Bühne wunderschön mit viel Aufwand in einen Dschungel verwandelt worden, aber da es sich bei dieser Optik schon um die größte Kreativität handelte sparte ich mir den Rest des Auftritts und wahrscheinlich auch einen ziemlichen Run auf die Ausgänge danach.

Alles in allem ein gelungener erster Tag, der mir gezeigt hat, das sich die Organisation echt Gedanken um Verbesserungen macht, der mir aber auch klar machte, das ich wohl nicht der klassische Besucher dieses Festivals bin. Auf meine Kosten gekommen bin ich trotzdem, zumal ich auch an diesem Tag noch einige Bruchstücke von der Talentbühne mitnehmen konnte.