Donnerstag, 25. Juli 2013

Konzert - Parian, Tusk und Bad Appel - 22.6.2013 - Fillis in Hanau

Nach längerer Zeit hatte es mich mal wieder ins Fillis in Hanau verschlagen, aber da einer guter Bekannter mit ein paar anderen Newcomern die Location mal wieder besuchte, dachte ich mir, das sei ein gute Gelegenheit. Immerhin ist die Kneipe nicht weit weg, schön klein für Leute, die sich mal versuchen wollen und man hat als Zuhörer die Chance, sich auch in den Pausen mal mit einen kühlen Getränk in Ruhe hinzusetzen und das Gehörte wirken zu lassen.

Und das sich drei Bands den Abend teilten, war zu hoffen, das es einiges zu hören  und zu verarbeiten geben würde. Bei unbekannten Musikern ist es zwar immer schwer zu sagen, ob das Erlebnis denn nun positiv oder negativ sein würde, aber das Risiko muss man eben eingehen, wenn man die Szene (wenn es so was denn überhaupt gibt) unterstützen und etwas neues erleben will.
Und oft genug ist man ja dann doch eher positiv überrascht, als negativ bestätigt, wie ich aus persönlicher Erfahrung sagen kann.

Wie immer in diesem sogenannten Sommer war ich  unsicher, was ich anziehen sollte, entscheid mich dann aber eher für die bevorzugte, wasser- und wetterdichte Kleidung. Eigentlich schade, aber man muss wohl schon froh sein, das es zumindest an diesem Abend trocken blieb.
Im Fillis angekommen, erst mal überrascht worden, von der großen Menge an Publikum, was man aber wohl ein bisschen relativieren muss, war es doch, zumindest bei zwei der drei Bands der erste bzw. zweite Auftritt überhaupt und der erste in der direkten Nachbarschaft.

So kamen dann also neben einigen Freunden, auch Teile der Familien, was den Raum doch ganz ansehnlich füllte. Und wenn die gebotene Musik mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack war, so harrten doch die meisten auch bis zum Schluss aus, was man ihnen hoch anrechnen muss.

Als dann also schließlich, pünktlich um 9 die erste Band (Bad Appel und ja, die schreiben sich wirklich so) die Bühne (insoweit man in der Loccation davon reden kann) betrat, war der Raum doch recht gut gefüllt, allerdings stellte sich schnell heraus, das es durchaus andere Probleme gab. Der Gesang war leider nur sehr schwer zu hören, was ich persönlich aber nicht zu traurig fand, denn gegen die recht interessanten Intrumentalteile hatte der Sänger nicht nur lautstärkemäßig, sondern leider auch qualitativ nicht viel zu melden.

Trotzdem schaffte es die Band, die auch kurzfristig ihren Drummer hatten ersetzen müssen, einen interessanten Stil an den Tag zu legen. Man merkte zwar, das sie noch wenig Erfahrung auf der Bühne hatten, aber was sie musikalisch boten, war durchaus hörenswert, wenn auch verbesserungsfähig. Neben den Schwächen im Gesang fiel mir auch auf, das die Übergänge zwischen den verschiedenen Teilen (Respekt hierfür) noch etwas Aufmerksamkeit erfordern. Bei ihrem Vorletzten Stück "Live" zeigten sie dann, was sie können und auch, das der Sänger wohl eher in Richtung Klargesang üben sollte, auch wenn das in der heutigen Zeit  nicht mehr IN zu sein scheint.
Alles in Allem ein gelungener Auftakt des Abends, der die Hoffnung nährte, das es noch besser werden könnte.

Die Umbauphase wurde unter Einsatz beider Bands erstaunlich kurz gehalten, und so ging es schon bald mit Tusk als nächste Kapelle weiter, die wohl schon etwas mehr Erfahrung auf der Bühne mitbrachte und das auch sofort zeigte. Feiner Heavy Metal wurde da in den Raum geblasen, allerdings war auch hier der Gesang ein wenig zu leise und hatte nicht die nötige Präsenz. Wer die Location kennt, weiß, was ich meine, für alle anderen; Lediglich der Gesang wird hier über eine PA geschickt, was immer wieder zu Balanceproblemen führt.

Schade, aber bei diesem Auftritt der einzige Wehrmutstropfen, sieht man mal von dem angekündigten Rammstein Tribute ab. Aber das ist ein persönliches Problem mit dieser Band meinerseits. Ich fragte mich immer wieder "Warum machen die so was?" und "Was war daran denn nun ein Tribut an Rammstein?".
Auch dieser Auftritt dauerte nicht wesentlich länger als der erste, was ich schon ein bisschen Schade fand, aber es sollte ja noch eine dritte Band folgen. Und da der Umbau diesmal, aus welchen Gründen auch immer, ein wenig länger dauerte, war das vielleicht ganz gut so.

Eben diese dritte Band, Parian mit Namen, betrat schließlich zu ihrem erst zweiten Konzert die Bühne, aber das konnten die Mitglieder ganz ordentlich überspielen und routiniert spielten sie ihr, zum Großteil aus Covern bestehendes Repertoire, herunter. Der Bassist und Sänger und seine Mitstreiter schaffen es aber, und das finde ich recht beeindruckend, trotz der Nachspielerei, den Stücken ihren eigenen Stempel aufzudrücken, wobei ich sagen muss, die Version von "Islander" von "Nightwish" fand ich nicht sonderlich gelungen. Sorry Jungs!
Um so gelungener haben mir dafür "Maniac" und "Sweet Dreams" gefallen, die als genrefremde Stücke sehr gut umgesetzt wurden.

Zusätzlich, und das finde ich viel wichtiger, haben die Jungs auch drei eigene Stücke im Angebot, die allerdings alle (noch?) ohne Gesang auskomme müssen. Diese Stücke allerdings, haben durchaus Potential, wobei es sein kann, das auch hier der Vorteil der Stimmlosigkeit vorliegt weil die Vocals sonst nicht sonderlich gut IN der Musik untergebracht waren, sondern dieser meistens  unterlagen.

Ich persönlich, hätte auf den albernen Teil der Musiker verzichten können, nachdem die ihr komplettes Programm durchgespielt hatten, aber die anderen Gäste schienen das recht interessant zu finden.

FAZIT: Ein gelungener Abend, mit drei interessanten Bands, deren Entwicklung man mal im Auge behalten kann, wenn sie denn weiter machen und sich demnächst vielleicht mehr trauen. Und mit Tusk waren dann sogar schon echte Könner dabei, die auf jeden Fall einen weiteren Konzertbesuch wert sind, wenn sie denn mal wieder auftreten.

Donnerstag, 4. Juli 2013

CD - Black Sabbath - 13

Black Sabbath und Rick Rubin, das sind echte Schwergewichte im Bereich des Metal, aber schon jetzt ist diese Scheibe für mich einer der CDs, deren Existenz ich am liebsten vergessen würde. Nicht, das die Musiker es nicht weiterhin drauf hätten, aber um so beschämender, was dort in Sachen Aufnahme und Produktion abgeliefert wurde. Mein erster kompletter Umlauf des Albums dauerte geschlagene 4 Stunden, weil ich immer wieder Pausen machen musste, um mich davon zu überzeugen, das mein Gefühl mich nicht trog, das diese Platte von vorne bis hinten klingt, als wäre sie in einer Garage im Jahr 1975 aufgenommen.

Inklusive der damaligen Technik. Ich weiß, das DoomMetal durchaus seinen eigenen Sound hat, aber das was hier geboten wird,empfinde ich, auch wenn ich mit dieser Meinung wohl ziemlich alleine da stehe, als Frechheit. Und auch wenn ein Rick Rubin als der große Produzent bezeichnet wird, so finde ich diese Scheibe einen neuen Tiefpunkt in seiner Diskografie, nach dem vollkommen überproduzierten Death Magnetic von Metallica.

FAZIT: Das war alles, was ich zu diesem überflüssigsten aller Comebacks (zumindest in dieser Form) sagen wollte!

Freitag, 21. Juni 2013

CD - Driven by Entropy - Driven by Entropy

Modern Metal aus Deutschland, und dann auch noch aus Frankfurt, dem Herzen der Rhein-Main Region. Da sich unter diesem Begriff mittlerweile sehr viele Bands und Musiker tummeln ist mir die Definition etwas zu allgemein, aber bereits das erste durch hören des Albums macht klar, wo es bei den Jungs von Driven by Entropy lang gehen soll. Allerdings, und das macht, so finde ich, den Unterschied zwischen Durchschnitt und Gut aus, ist es mit dem einmaligen hören der Platte nicht getan.
Zu vielschichtig ist die Musik, als das man sie beim ersten, zweiten oder dritten Hören in all ihren Feinheiten gehört hätte. Aber fangen wir am Anfang an, oder besser gesagt im Basement.

Variables, präzises Drumming stellt die Grundlage der Musik dar, die auf diesem Debüt geboten wird. Der Bass verbreitert, unspektakulär aber allzeit präsent, diese Basis dann noch, so das das ganze zu einem guten Fundament wird. Gitarren und Gesang haben dann darauf die Möglichkeit, sich zu entfalten und ihrem Spiel freien Lauf zu lassen. Und manchmal gelingt es auch eine gewisse Leichtigkeit aufzubauen, wobei ich vor allem die Wandlungsfähigkeit des Sängers bewundere.

Ob er nun Deathmetal typische Grunts oder Growls nutzt, um seine Emotionen zu artikulieren, oder aber den Text einfach aber routiniert heraus rotzt, wie man es vom Thrash Metal erwarten würde, ist egal. Immer glänzt die Stimme präzise und präsent im Vordergrund, geführt und begleitet von sehr präzise gespielten und gemischten Gitarren, die auch immer wieder die Chance bekommen und nutzen, zu glänzen.
Allerdings kann der Sänger der Frankfurter durchaus auch überzeugen, wenn es in die Passagen geht, in denen Klargesang gefordert ist. Verständlich, überzeugend und jederzeit treffgenau formuliert er den Gesang und auch plötzliche Wechsel zwischen den verschiedenen Gesangsstilen stellen keine Problem dar.

Wobei das bei einer Aufnahme natürlich durchaus durch mehrfache Takes erledigt werden kann, so das ich einmal persönlich erleben würde, wie diese abrupten Wechsel in einer Live Situation umgesetzt werden.
Allerdings stehen die Gitarristen ihrem singenden Kollegen kaum in etwas nach und prügeln ein Riff nach dem anderen runter, das es nur  so eine Freude ist. Und trotz der direkten Art ihrer Musik gelingt es den Bandmitgliedern immer wieder auch progressive und extrem melodiöse Elemente einzubauen, ohne dabei ihren Faden zu verlieren. Nicht zuletzt machen aber auch die ausgefeilten Solos die Stücke immer wieder interessant, die auch immer wieder überraschendes hervorbringen.

Dieses interessante Gitarrenspiel könnte nicht zuletzt an einem weiteren Einfluss liegen, den Driven by Entropy in ihre Musik einfließen lassen, nämlich den Djent. Ich muss zugeben, das ich erst nachschauen musste, was diese Musik genau ausmacht aber ich denke, vor allem das harte dämpfen der Saiten mit dem Handballen macht die Musik sehr viel direkter, weil es weniger, vielleicht ungewollte, Tonverläufe gibt, was das wahrnehmen der gemeinten Musiklinie wohl noch ein bisschen verbessert.

Alles in Allem ein  extrem interessantes, vielseitiges und originelles Album, mit dem die Frankfurter, so denke ich, ihre eigene Musik geschaffen haben, die sie hoffentlich von einem Geheimtipp wegbringt und sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Man sollte dabei aber nie vergessen, das es moderner, aggressiver, harter und lauter Metal ist, den die Jungs da machen, es also mit Sicherheit keine Musik für jedermann ist, aber innerhalb  der Metal-Fans sollte man sich die Scheibe ruhig mal zu Gemüt führen.

FAZIT: Ein gelungenes Debüt, dem man  nur wünschen kann, das es nicht der einzige Stern in der Geschichte der Band bleiben wird. Klar und sauber produziert, kraftvoll und variabel gespielt und gesungen.
Anspieltip: Escaping, sehr schönes Midtempo Stück, das viel der erwähnten Elemente beinhaltet.

Dienstag, 18. Juni 2013

CD – Panteón Rococó – Panteón Rococó

Jetzt, wo ich das erste mal eine CD dieser Kombo in die Hände bekommen habe, ärgere ich mich tierisch, sie auf dem Open Flair letztes Jahr verpasst zu haben, denn was die Jungs alleine auf ihren Platten an Energie rüberbringen, das muss live wohl noch mal getoppt werden. Dank Youtube habe ich zwar einige Auftritte mittlerweile sehen können, aber offensichtlich ist das etwas vollkommen anderes, als wirklich Live dabei z u sein.

Die Mexikaner machen, für allem die es nicht wissen, eine Mischung aus Jazz, Salsa, Rumba, Reggea Cumbia, Jazz, Elektro, Rock und Pop. Mit anderen Worten, sie mischen die Musik ihrer Heimat mit den westlichen Einflüssen und machen daraus eine extrem mitreißende und tanzbare Musik, die jeden, der Rhythmus im Körper hat fast zwangsläufig zum mitmachen bewegt. Ich war selber überrascht, wie toll die mexikanischen Texte sich in die Musik einfügen und diese wunderbar ergänzen. Und auch, wenn man kaum etwas von den Texten versteht, reißt einen die Musik sofort mit und bringt jede Zuschauermenge innerhalb von ein paar Takten dazu, sich dem Rhythmus zu unterwerfen.

Die Musik hat immer, egal worum es im Text geht, einen extrem gute Laune Effekt, weswegen ich einige der Platten der Mexikaner ab sofort zu meinem Standard Repertoire hinzugefügt habe. Aber in den Texten geht es nicht immer so lustig zu, wie es die Musik vermuten lässt, die Musiker verarbeiten natürlich ihre Gefühle, setzen sich aber auch, wie viele ihrer Freunde aus der  Region, für die Rechte der Entrechteten Ureinwohner ihrer Länder ein. Sie nutzen also, so wie es ursprünglich ja auch mal im Punk gedacht war, die Musik dazu, eine politische Botschaft zu vermitteln.

In Europa haben das leider sehr viele Bands dieses Genres vergessen und nennen ihre Musik nur noch so, weil sie dem Dilettantismus nacheifern, ob aus Unfähigkeit oder aus Prinzip ist wohl sehr unterschiedlich.
Aber zurück zu Panteón Rococó, die in Europa und vor allem in Deutschland ein gerne gesehener Gast sind, garantieren sie doch massive Bewegung im Publikum und extreme Action auf der Bühne. Auf den Platten merkt man aber auch, das jedes Instrument das ist, wonach es klingt. So gibt es natürlich E-Gitarre, E-Bass und Drums, aber eben auch Akkordeon, Trompeten, Posaunen, Saxophon und auch einen eigenen DJ bringen die Jungs mit, der zusammen mit dem Percussionisten eine immer wieder überraschende Wendung in der Musik schafft.

Und auch, wenn man die Sprach der Band in keiner Weise versteht, fühlt man sich nach einigen Durchläufen animiert, mitzusingen, was wahrscheinlich zu einigen lustigen Effekten führen würde, wenn man denn verstehen würde, was man da singt. Aber das stört wahrscheinlich kaum jemanden, weder im eigenen Wohnzimmer noch auf einem Konzert. Und das ist, so denke ich mir, die echte Domäne der Mexikaner, denn langsame Stücke oder schlechte Stimmung scheinen sie nicht zu kennen.


FAZIT: Musik, die zum Mitmachen schon fast zwingt. Ich jedenfalls kann nur sagen, das ich nicht ruhig 
halten kann, egal wann und wo ich diese Scheibe gehört habe. Und mal wider eine Scheibe, bei der ich kein Stück herausheben möchte. Einfach  mal die Scheibe anhören und selber entscheiden.

Samstag, 15. Juni 2013

Konzert – Seven Steps tot he Green Door / Overhead – 7.6.2013, Das Rind, Rüsselsheim

Bei kaum einer anderen Band habe ich so viele Anläufe gebraucht, bis ich sie endlich mal live erleben durfte, und das stimmt im wahrsten Sinne des Wortes, denn dieser Konzertabend war mit einer der besten und ereignisreichsten, die ich erlebet habe.

Zum ersten Teil: Ich versuche, Seven Steps to the Green Door jetzt seit über einem halben Jahr zu erleben. Das klingt jetzt nicht viel, wenn man aber bedenkt, das sie in meiner Heimat (Rhein-Main und Hessen) recht häufig auftreten und ich es mir schon drei mal vorgenommen habe, sie zu sehen, es trotzdem immer wieder kurzfristig nicht geklappt hat aus den unterschiedlichsten Gründen.
Aber diesmal war ich fest entschlossen und es klappte auch. Und auch wenn es schon geniale Line-Ups mit den Jungs und Mädels gegeben hatte, so versprach doch Overhead auch ein Highlight zu werden, aber dazu natürlich später mehr.
Das Wetter war schon fast ein bisschen zu gut für ein Indoor Konzert, was in diesem Sommer ja schon was heißt, aber natürlich fand sich das gesamte Publikum pünktlich zum Konzertbeginn um 20:30 im Saal des Rind ein und es dauerte nur wenige Takte, bis klar war, wo es heute abend hingehen sollte.
Bestens präpariert, angetan von der Atmosphäre und gut gelaunt fackelten Seven Steps to the Green Door von der ersten Minute ein Feuerwerk der modernen progressiven Musik ab und schafften es, das Publikum bei jedem ihrer Songs oder auch den zwischenzeitlichen lustigen Einlagen immer besser in Stimmung zu bekommen. Es wurden Stücke von allen drei Alben der Band präsentiert, die sehr unterschiedlich, aber natürlich deswegen interessant und hörenswert sind.
Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, so kurzweilig war der Auftritt, aber sicher ist, das er zu kurz war, aber immerhin waren die Sachsen an diesem Tag ja nur Vorband, was schon fast einer Verschwendung gleich kommt.
Ein gelungener Auftritt, der Lust auf mehr macht. Alleine der bis zu vierstimmige, extrem gelungene Gesang verdient mehr Aufmerksamkeit. Aber kombiniert mit den verschachtelten, aber dennoch mitreißenden Songstrukturen, den stimmungsvoll, ehrlichen Stücken und der guten Stimmung der Musiker macht es quasi süchtig und man kann nur hoffen, das die neuen Stücke, die aufgenommen werden sollen, sich nahtlos an das bisherige Niveau anpassen, ein Umstand, den man sich nicht anders vorstellen kann, wenn man die Musiker reden hört.

Aber das war ja „nur“ die Vorband des Abends gewesen, und als die Bühne nach Ende des Auftritts fast vollkommen frei geräumt wird, überlegen die ersten schon, ob es tatsächlich noch einen weiteren Act geben wird. Aber die Jungs von Overhead lassen sich Zeit und bleiben dabei extrem cool, ohne das es zu lange zu dauern scheint, bis sie bereit sind, ihre vollkommen andere Interpretation von Progressive Neo-Rock  auf die Bühne zu bringen, als man es im Vorprogramm erlebt hat.

Immerhin seit mittlerweile 14 Jahren treiben sich die Finnen mit dieser Kombo im Musikgeschäft herum und haben dabei große Anerkennung innerhalb der Prog-Szene erfahren. In dieser Zeit haben die Jungs 4 Alben auf den Markt gebracht und sich eine größer und größer werdende Fanbase erspielt, die ihnen treu zur Seite steht.
An diesem Abend im Rind war das Publikum, soweit ich das beurteilen kann, recht durchmischt mit Leuten, die die Band das erst mal sahen und live hörten und denen, die Overhead bisher nur von Platten kannten.
Da ich zu letzter Gruppe gehörte, war ich sehr gespannt, was mich erwarten würde, und alleine der Aufbau und Soundcheck zeigte, das allen 5 Mitgliedern die Musik im Blut liegt. Professionell und unhektisch wurde das Prozedere durchgezogen und dann begann, eher unvorbereitet für das Publikum, auch schon das Konzert. Sehr in ihre Instrumente vertieft, verging die erste halbe Stunde fast ohne Interaktion der Band mit ihrem Publikum. Um so virtuoser waren die Klangwelten, die die Band auf die Bühne und in der Raum zauberte.

Immer wieder meinte man, das Konzept wäre verloren gegangen, aber dann fanden die Jungs doch wieder zusammen und brachten phasenweise richtig Bewegung ins Publikum, aber nur, um das dann wieder mit dem nächsten progressiven teil zu unterbrechen und neu aufzubauen. Ziemlich genial, was da geboten wurde.
Und als sich der Sänger schließlich sogar auf Interaktion mit dem Publikum einließ, wurde es noch besser und die Stimmung steigerte sich noch einmal. Und so unterschiedlich, wie das Aussehen der Bandmitglieder, so variantenreich war auch die Musik. Manchmal war ich (und ein Großteil des Publikums offensichtlich auch) nicht einmal sicher, ob ein Stück schon zu Ende war, oder ob es nur der nächste Wechsel innerhalb  desselben Songs war, den man da hörte.

Daraus machte sich Alex, der Sänger, schließlich auch seinen Spaß und dirigierte mit seiner Flöte im Stile eines Ian Anderson (Jethro Tull) das Publikum, oder tanzte, immer mit seinem Gleichgewicht kämpfend, vor seinen Bandkollegen. Sehr gelungene Show in diesem Teil der Show und ein echt gelungenes Konzert, das erst gegen Mitternacht zu Ende ging, nach immerhin drei Zugaben.

Ich persönlich fand das Konzert sehr gelungen und die Kombination der Band sehr interessant, allerdings hätte ich mir bei Overhead gewünscht, die Jungs hätten die eine oder andere Schleife in ihren Songs ausgelassen, denn manchmal wirkte es etwas arg langatmig. Außerdem, aber da bin ich wahrscheinlich meinem Alter erlegen, hätte ich bei diesem Konzert der Finnen wirklich gerne Sitzplätze gehabt, um mich noch besser auf die Musik und die Genialität der Musiker zu konzentrieren.

FAZIT: Ein, wie eigentlich immer im Rind, rundum gelungener Abend, der mir mal wieder zeigte, laut geht auch ohne Schmerzen und die Hoffnung leben lässt, das ich Seven Steps tot he Green Door nicht erst wieder nach drei Anläufen sehen werde.
DANKE wie immer an Bands, Veranstalter, Location und Zuschauer!

KEEP ROCKING!!!

Donnerstag, 13. Juni 2013

Konzert – Skullboogey und Orange Goblin – 4.6. Zoom Frankfurt

Das ist das erste Konzert, das ich besucht habe, wegen der Vorband, denn nicht nur hatte ich einen GL-Platz von den Jungs von Skullboogey gewonnen (Danke dafür noch mal), sondern ich war eben durch ihre Aktion erst auf das Konzert aufmerksam geworden. Es ist zwar schon eine Weile her. seit Orange Goblin den Weg auf meine Liste der „würde ich gerne mal live erleben“ gefunden haben, aber manchmal lohnt sich das Warten ja.

Meine Erfahrungen mit der Location waren leider bisher nicht sonderlich gut, aber ich hoffte, das man vielleicht endlich das Ende der Laustärkenspirale erreicht haben würde, die in Rhein-Main scheinbar von sehr vielen Venues mit gedreht worden ist. Da der Termin mitten in der Woche lag, musste man befürchten, das selbst der kleine Saal des Zoom nur spärlich gefüllt sein würde.

Also sorgte ich dafür, das ich zumindest rechtzeitig dort sein würde, was, wie sich dann bal herausstellen sollte, relativ viele Zuschauer gemacht hatten, so das um 20Uhr30, als die Jungs aus dem Taunus pünktlich die Bühne betraten, bereits gut 60-70 Leute den Raum füllten und für einen ansprechenden Start in den Abend sorgten. Das Publikum wurde dann sogar noch etwas zahlreicher während Skullboogey ihren begeisternden Heavy-Stonerrock von Stapel ließen.

So waren nach einigen Wenigen Stücken bestimmt mehr als 100 Leute dabei, als die Band sich alle Mühe gab, die Stimmung weiter zu verbessern, was Ihnen auch gelang. Ich persönlich, aber wie immer stehe ich mit dieser Meinung wohl alleine, fand es zwar schon grenzwertig, was die Laustärke angeht, so das mir übles schwante, bedenkt man, das es normalerweise von Band zu Band an einem Abend immer lauter wird.
Aber erst mal galt es, das Geschenk der Jungs von Skullboogey anzunehmen und die Show und Songs zu genießen. Eine wirklich gelungene Vorstellung legten die Jungs auf die Bühne und bereiteten so den Grundstein für die Stimmung, die bei Orange Goblin aufkommen sollte.

Von diesem zweiten Teil des Konzerts kann ich leider nur sehr wenig berichten, weil ich nach ca. 45 Minuten gegangen bin, als mir, selbst durch meine Ohrenstöpsel, die Ohren anfingen zu klingeln. Ich habe versucht, eine Stelle im Raum zu finden, an der nicht sämtliche Ausstattung im Takt der Musik vibrierte, aber das war unmöglich. Selbst kurz vor dem Ausgang drückte der Bass dermaßen in den Magen, das es schon weh tat.
Vielleicht bin ich einfach zu alt für so einen …. Kram, aber andere Locations schaffen es doch auch, laut zu sein, ohne nahe an die Körperverletzung ihrer Gäste zu geraten.
Wie dem auch sei. Durch den frühen Abbruch meines Konzerterlebnisses dieses Abends konnte ich zumindest auf eine Gute Show mit Skullboogey zurückschauen, derentwegen ich ja nun auch mal an diese Abend da war. Wobei man sagen muss, wenn eben eine Vorband schon an die physikalischen Grenzen der Räume heran geht, was die Lautstärke angeht, bleibt den Hauptbands, zumindest scheinen das die Tonmeister so zu sehen, nichts anderes übrig, als diese Grenzen zu überschreiten.


FAZIT: Schade, das dieser zweite Besuch bei einem Konzert  im Zoom meine Meinung über die Eignung von Location und Personal nicht verbessert hat. Es bleibt zu hoffen, das man vielleicht irgendwann mal ein Einsehen hat, das laut nicht immer besser ist, aber bis dahin werde ich mir wohl zwei bis dreimal überlegen, ob ich das Zoom noch einmal für ein Konzert besuche.
Danke an Skullboogey und alle Fans, die mitgefeiert haben und hoffentlich bis bald und dann vielleicht mal ein bisschen länger.
KEEP ROCKING \m/

Montag, 10. Juni 2013

CD – Dark Tranquility – Construct

Ganz sicher nicht so sperrig wie der Titel (Construct) ist dieses Album, wenn der seinerseits auch kurz und knackig herüberkommt. Aber was man darunter dann alles verstehen will und kann, kann dann doch recht umfangreich sein. Bei dem Begriff und dem Zusammenhang mit Dark Tranquility kam mir als erstes ein Gedankengebäude in den Sinn, ein sehr theoretisches Ding, aber dann eben auch Gebäude an und für sich. Und als Frankfurter denkt man dann natürlich sofort an Hochhäuser, mit Sicherheit etwas großes und sperriges.

Aber der Titel der neuen Scheibe der Schweden (ja, auch dieser Vertreter der melodischen Death Metal kommt aus dem Norden Europas) soll hier nur als Aufhänger dienen. Mir geht es um die Musik auf der neuen CD und die ist, so einfach kann man das zusammenfassen, mal wieder absolut genial. Vielseitig und vielschichtig, mal aggressiv mal sanft. Alleine die Flexibilität von Sänger Mikael Stanne ist immer wieder faszinierend. Die Band lässt sich ungern in ein Genre einstufen, aber zumindest die Umwelt hat ihnen (mit anderen) die Schaffung eines eigenen Genres zugeschrieben.

Und dieses Genre füllen sie mit jeder Scheibe mit neuem Leben, oder die Grundzüge ihrer Musik zu vergessen oder zu verraten. Dark Tranquility sind mal wieder in der Lage, eine Scheibe zu präsentieren, die von allem etwas hat. Melancholische Low-Tempo Stücke (None Becoming) getragene, hymnische Werke (Uniformity) und wahre Knaller mit Tempo und Gefühl (The Science of Noise). Also eine Scheibe für jeden, der die Jungs schon immer mochte, aber durchaus auch etwas für jemanden, der wissen will, das diese Musikrichtung, Made in Northern Europe, denn so ausmacht.

Und da ich mir mal wieder nicht die Standard Version der CD gekauft habe, sondern mir, guten Gewissens, die Extended Version gegönnt habe, habe also nicht nur den Genuss der 10 neuen Stücke, sondern auch noch einige Liveaufnahmen der Band. Hierbei muss man ehrlich sagen, das die Aufnahmen aus Mailand echt hörenswert sind (13 Stücke), sowohl von der Qualität, als auch von Songauswahl und der Stimmung. Das Konzert erinnert schon fast an ein Best-of-Album. Einfach großartig!
Dann allerdings folgen zwei Stücke, die auf dem With Full Force Festival aufgenommen wurden und man fragt sich ernsthaft, ob man hier die Aufnahme einer Handykamera benutzt hat, denn ehrlich gesagt haben viele Aufnahmen mit solchen Geräten auf YouTube mittlerweile eine bessere Qualität.

FAZIT: Eine, mal wieder, rund rum gelungene Platte aus Schweden, deren einziger Schwachpunkt ist, das sie enden muss und natürlich (und da muss mal schon lange suchen) die extrem schlechten Live Aufnahmen ganz am Ende.
Mit anderen Worten, Dark Tranquility hat die Messlatte mal wieder ein Stück nach ober verschoben, was „ihr“ Genre betrifft.


Donnerstag, 6. Juni 2013

CD – Battle Beast – Battle Beast

Die Finnen sind ein guter Beweis dafür, das Bandwettbewerbe durchaus ihre Berechtigung haben. Haben es die Jungs und Mädels es doch immerhin innerhalb von 3 Jahren vom Gewinner des Wacken Nachwuchswettbewerbs „Metal Ballte“ zum durchaus beachtenswerten Act geschafft und bringen mit ihrer zweiten Platte eine bemerkenswerte Scheibe auf den Markt. Das sie mittlerweile bei Nuclear Blast unter Vertrag sind zeigt auch, das die Dönzdorfer ein Gespür für Qualität haben.

Natürlich ist das Label nur die eine Seite, denn immer noch entscheiden sich einige Fans nur nach Qualität dafür, ob sie eine Band unterstützen oder nicht. Aber ich denke, Battle Beast wird sich durchaus eine größere Gruppe an treuen Fans erspielen können, wenn sie ihren Stil beibehalten und vielleicht noch die eine oder andere Schwäche ausbügeln.

Um dann aber mal mit einer der Stärken der Finnen zu beginnen, möchte ich den Gesang erwähnen, der nicht nur extrem markant ist, sondern auch sehr variabel. Genau wie die Musik sich ständig in neuen Tempi einfindet, so variiert auch die Sängerin ihr Instrument. Mal kraftvoll, im Stile einer Doro Pesch, mal sanft und melodisch, das man schon fast glaubt, eine Melodic Rock Band vor sich zu haben, und dann wieder wild und rau, wie ein Robb Halford.

Ich weiß, das ich hier große Namen in den Mund nehme, um den Gesang zu charakterisieren und mit Sicherheit werden mir nicht alle Hörer zustimmen, aber ich glaube, in Verbindung mit dem teilweise echt genialen Songwriting und den verspielten, aber originellen, Soli ergibt sich eine Musik, die man in dieser Zusammenstellung heute nur noch selten hört. Und da die Musiker (und natürlich ihre Produzenten) auch vor gewagten Effekten und dem Einsatz stimmiger Samples nicht zurückschrecken, kann ich nur sagen, das ich diese Platte wohl am Ende des Jahres in meiner persönlichen Bestenliste haben werde.

Aber, wo Licht ist, ist auch Schatten, und so muss ich, nach längerer Pause, mal wieder bemängeln, das es offensichtlich immer noch den Lautheitskrieg gibt, der auch dieser Platte leider bis fast zur Spitze getrieben wird, so das eine Dauerrotation der Scheibe nicht ohne weiteres möglich ist. Natürlich macht das die Musik nicht schlechter, aber es macht sie, zumindest empfinde ich das so, schlechter hörbar. Immer wieder merkte ich beim Hören, das ich „müde“ wurde und eine Pause brauchte. Nicht, das es genug andere, gute Musik in meiner Sammlung gibt, aber ein kleiner Wermutstropfen ist es für mich auf jeden Fall.


FAZIT: Eine wunderschöne, originelle, abwechslungsreiche Platte, die die Besten Seiten des Heavy Metal vereint, ohne den Blick über den Tellerrand zu vergessen. Thrash-, Death-, Melodic-Metal, alles das verarbeitet Battle Beast erfolgreich in ihrer zweiten Platte und es bleibt zu hoffen, das wir auch weiterhin von den Finnen hören.
Mein Favorit auf einer starken Platte ist eindeutig Kingdom und das nicht nur wegen der Länge, sondern auch, weil es viel Elemente in einem Song zusammenbringt, die Battle Beast von der Masse abheben.

Montag, 3. Juni 2013

CD – Deez Nuts – Bout it

Die Band existiert in dieser Zusammensetzung erst seit 2007, aber mit Bout It bringen die Australier schon ihre vierte Scheibe auf den Markt, und mal wieder zeigen sie, das sie zu den Bands gehören, die weiterhin an der Entwicklung des Hardcore arbeiten, ohne dabei in den Post-Bereich zu kommen. Nicht, das es auch dort interessante Bands und Musiker gibt, aber nach der Schwemme an HC Bands um die Jahrtausendwende, ist es doch erfrischend zu sehen, das es noch Leute gibt, die den ursprünglichen Geist der Musik hochhalten, sowohl musikalisch, als auch textuell.

Ob man die Musik mag, hängt natürlich vom persönlichen Geschmack ab, aber mit ihren, immer wieder von Rap beeinflussten „Gesangs“-Einlagen, sind die Jungs Deez Nuts im Jahr 2013 doch eher eine Seltenheit geworden, was ihre Musik wieder interessanter macht. Immerhin hört man nicht mehr an jeder Ecke eine Band, die immer und immer wieder dasselbe wiederholt.

Und da die Jungs um JJ Peters auch nicht vergessen, immer mal wieder ihre Metalwurzeln zu zelebrieren, ergibt sich auch auf der neuen Scheibe wieder ein explosiver Mix. Zwar ist die Scheibe mit knapp 30 Minuten relativ kurz geraten, aber erstens ist das natürlich nicht ganz genreuntypisch und die Musik, die in dieser Zeit aus dem Kopfhörer dröhnt ist energetisch kaum zu überbieten und man fragt sich, wie man glauben konnte, das der Hardcore nicht nur seine Zenit überschritten hat, sondern eben sogar auf dem aussterbenden Ast sein würde.

Deez Nuts zeigen mit dem vorliegenden Album mal wieder, das ihr Musikstil zwar nicht mehr zum sogenannten Mainstream gehört, aber mit einer solchen Intensität, wie ihn die Australier zelebrieren, durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Man darf gespannt sein, wie die Jungs mit ihrem erweiterten Katalog wieder die Bühnen dieser Welt einreißen werden. Denn dafür, und das merkt man auf der Platte von Anfang bis Ende, wurde diese Musik offensichtlich geschrieben.

FAZIT: Eine der letzten großen, klassischen NY Hardcore Kapellen macht das, was sie am Besten kann, und beweist, das eine Musik nicht nur zu ihrer jeweiligen Hoch-Zeit gespielt werden kann, sondern das man sich auch gegen eine Totsagung erfolgreich (und laut) zur Wehr setzen kann.
STAY HEAVY!

Sonntag, 26. Mai 2013

CD – Karlahan – A Portrait of Life

Aus Spanien kommt diese Band, auf die ich eher zufällig aufmerksam geworden bin, als ich auf Facebook mal wieder mehr Zeit verbrachte, als es vielleicht gut ist. Aber ansonsten hätte ich Karlahan und ihre bisherige einzige Veröffentlichung A Portrait of Life nie gefunden. Und das wäre schade, denn die Jungs aus Barcelona und Umgebung machen echt eine interessante Musik. Sie mischen Elemente von Rock, Metal, Klassik, (Melodic) Death Metal und Black Metal zusammen und verfeinern das ganze dann noch mit ein paar Spritzern Progressivität.

Und das tun sie auf eine Art und Weise, wie ich sie noch nicht gehört habe. Kraftvoll, originell, überraschend und mit einer Produktion, an der sich viele professionelle eine Scheibe abschneiden können. Und das ganze dann noch mit einer Frische, die man bei dem einen oder anderen der etablierten des Genres seit langem vermisst. Zwar ist die Musik noch nicht an allen Stellen perfekt, aber für eine EP ist es ein extrem ausgereiftes Werk und die Vielschichtigkeit ist wirklich faszinierend.

Es werden klassische Elemente mit Hardrock und Metal gemischt, aber plötzlich und unerwartet brechen Black- und Deathmetal Growls über das ganze hinein und geben ihm eine vollkommen andere Stimmung, ohne die Komplexität zu verlassen oder die Kraft in der Musik zu verlieren. Und obwohl es manchmal, auch nach mehrmaligem Hören, schwer fällt, genau zu definieren, was man da nun gerade hört, also ich meine, wo die Musiker ihre Ideen in diesem Zeitpunkt wieder her haben.

Aber natürlich ist das etwas, das diese Scheibe, so kurz sie auch sein mag, extrem interessant macht. Man findet immer wieder etwas neues, das man vorher nicht gehört, oder doch nicht wahrgenommen hat. Es bleibt, wenn man sich die Bandgeschichte anschaut, nur zu hoffen, das die Jungs eine Chance bekommen, bei einem größeren Label unter zu kommen, damit man ihre zukünftigen Entwicklungen vielleicht nicht auf dem Undergroundmarkt suchen muss.


FAZIT: Eine der besten Depütplatten, die ich je gehört habe. Auf jeden Fall hörenswert, denn die Vielfalt der Musik sollte jeden Metalfan ansprechen. Absolutes Highlight dieser durch und durch genialen Platte ist das Stück Twilight, das nicht alles, aber zumindest ziemlich vieles der Musikrichtungen hat, die Karlahan sich zu eigen machen.

Donnerstag, 23. Mai 2013

CD – DGM – Momentum

DGM – Ein Bandname, der aus der Anfangsbuchstaben der Namen der Gründer gebildet wurde, sind das Beste, was Italien in Sachen Progressive Metal zu bieten hat.

Aber alles der Reihe nach!

Als ich die Italiener das erste mal erleben durfte, bei einem Auftritt im Colos-Saal in Aschaffenburg, war mir klar, das ich nicht das letzte mal mit ihnen in Kontakt gekommen sein würde. Und so war es nur logisch, das ich das aktuellste Werk auch sofort besorgt hatte, sobald es verfügbar war.
Und die einzige Enttäuschung, wenn man es denn so nennen kann, war die Tatsache, das die Scheibe nicht noch besser geworden ist, als man es sich erwünscht hatte. Denn natürlich gibt es immer etwas, das man noch besser gefunden hätte, als es dann tatsächlich umgesetzt worden ist. Aber wenn man sich im Progressive Metal solche Vorbilder wie Dream Theater und Symphony X nimmt, muss man auch damit rechnen, mit ihnen verglichen zu werden.

Aber das gelingt den Musikern doch, sich diesem schweren Erbe zu stellen und die Musik dieser beiden absoluten Schwergewichte des Genres erfolgreich zu verbinden. Und so erstaunt es nicht, das kein geringerer als Russell Allen von den eben genannten Symphony X auch ein Gesangspartner der Jungs ist, wenn sie ihre Neunte Scheibe vorlegen.

Und da das Duett direkt die CD eröffnet, wird man auch sofort von der markanten Stimme des Hünen aus Kalifornien gefangen genommen und es wird gezeigt, wo es hin gehen soll. Mit einer fast schon genialen Mischung aus der Härte und Geschwindigkeit von Symphony X und der Verspieltheit von Dream Theater schaffen es die Jungs aus Italien immer wieder, jedes Stück zu einem Hinhörer zu machen.
Man kann sich zu Beginn sogar fragen, ob man dort nicht die neue Scheibe von Symphony X in den Händen hält, ein Umstand, der für mich keine Problem darstellt, sondern eher davon zeugt, wie reif die Italiener mittlerweile geworden sind. Denn es ist bestimmt nicht einfach, sich einen Platz zwischen so großen Namen zu suchen und auch zu finden, und im weiteren Verlauf der Platte merkt man zwar immer wieder Parallelen zwischen DGM und den Vorbildern, aber es bleibt immer genug Platz für die Musiker und ihre eigenen Ideen, um im weiteren Verlauf nicht als Kopie dazustehen, wie es leider all zu oft passiert, wenn sich Bands große Vorbilder nehmen.

Es handelt sich bei Momentum, so der Titel der Scheibe, um eine Platte, die von vorne bis hinten keine auch noch so kleine Schwäche zeigt. Jedes Stück hat seine Berechtigung, sein eigenes Leben und Klingen. Und auch, wenn die Band keines seiner Gründungsmitglieder mehr in seinen Reihen sieht, so haben die Besetzungswechsel offensichtlich dazu geführt, das das Bandgefüge stabil und die Qualität der Musiker und Musik besser wurde. Auf 20 Jahre und eben 9 Platten können wohl nur wenige Bands zurückschauen, was auf eine konstante Anhängerschaft schließen lässt.

Diese können die Italiener mit dieser Scheibe nun hoffentlich weiter ausbauen, so das wir auch in Zukunft von ihnen hören werden, oder sie, so hoffe ich mal, auch wieder mal Live in der Region zu sehen bekommen.


FAZIT: Eine Scheibe voller Highlights und ohne Schwächen. Keine Füller und keine Stücke, die man eben mal auf die Platte gepackt hat. Jeder Song ein Volltreffer, auch wenn das beste Stück, imho, bereits als erstes aus den Lautsprechern scholl. Mit Reason haben die Jungs ein echtes Kunstwerk geschaffen, das ihnen, zusammen mit dem Rest der Platte, einen festen Platz in der Best-of-2013 sichern dürfte. Selbst die großen Vorbilder werden Probleme haben, das noch zu übertreffen.h

Montag, 13. Mai 2013

CD - Volbeat - Outlaw Gentlemen & Shady Ladies

Sowohl der Titel, als auch das Cover der CD zeigen sofort, in welche Richtung es gehen soll auf der neuen Scheibe der dänischen Rock'n'Roll-Metaller. Während der Stil des Bildes, das die Hülle des neuen Machwerks ziert, ganz klar ansagt, das alles beim Alten bleiben wird, zeigt das Motiv doch einen deutlichen Hinweis in Richtung der klassischen Western der 60er und 70er Jahre.

Da mich die Gleichförmigkeit der Musik von Volbeat schon auf der letzten Platte etwas aufregte, war ich also gespannt, was man von dieser Kombination zu erwarten haben würde. Vor allem die geringen Variationen im Gesang des Band-Leaders fand ich, machten die Musik wenig interessant, auch wenn Gastsänger immer mal wieder für ein wenig Abwechslung sorgten.

Eine musikalische Konstanz ist zwar auf der einen Seite etwas feines, aber wenn fast auf jedem neuen Album auch ein neuer Gitarrist neben dem Bandgründer zu hören ist, zeigt das doch, imho, das es sich bei der Band um ein Ein-Mann-Projekt handelt, der sich gute aber nicht zu eigenständige Musiker sucht, um seine Ideen umzusetzen.
Eigentlich schade, aber auch auf dieser Scheibe ist mal wieder ein neuer Klampfer neben Poulsen zu hören, so das die Musik wohl keine großen Variationen erwarten lässt.

Und wenn man dann die neue CD Outlaw Gentlemen & Shady Ladies (wieder mal ein klassischer Doppeltitel, wie üblich bei Volbeat) in den Händen hält und sie zum ersten mal anhört weiß man auch das alle Vorurteile sich zu 100% erfüllen sollen. Es gibt zwar einige interessante musikalische Einstreuungen, die dem Genre des Western die Stange halten, aber damit hat es sich dann schon. Wieder einmal die geradezu klassische Rock'n'Roll Stimme des Frontmannes sehr markant für den Stil, was mir persönlich nach dem zweiten oder dritten Durchlauf aber tierisch auf den Geist geht.

Wären da nicht die neuen Elemente aus den klassischen Western-Filmen mit John Wayne oder Cary Grant, hätte die Scheibe bei mir wohl kaum den ersten Durchlauf überlebt. Aber selbst diese neuen Ideen gehen in der üblichen und mittlerweile, so finde ich, wenig originellen Mischung aus Rock'n'Roll und Metal unter. Als Lichtblick empfinde ich lediglich die beiden Songs, in denen Poulsen sich von Sängerkollegen unter die Arme greifen lässt.
Das er dafür niemand geringeren als King Diamond finden konnte und mit Sarah Blackwood eine echt telentierte amerikanische Sängerin, zeigt meiner Meinung nach nur, wie groß das öffentliche Interesse an dem Dänen und seiner Band ist.

So bildet dann auch der Song Lonesome Rider (mit eben jener Sarah Blackwood), meiner Meinung nach den Höhepunkt dieses durchschnittlichen Albums. Dieser Eindruck kann auch nicht durch die doch eher bedenklichen Zugaben der Special Edition verbessert werden, denn lediglich ein wirklich neuer Song wird hier präsentiert.
Ansonsten eine Harfenversion, 2 Live Aufnahmen und eine Demo bekommt der geneigte Hörer hier noch zu hören, die allesamt, mit Ausnahme vielleicht der Harp Version von Lola Montez keinen echten Mehrwert zu dem Album bringen.

FAZIT: Die Dänen besetzen mit Sicherheit eine Mische, die sie selber "erfunden" haben, aber sie machen das mit solcher Konstanz, die ich sonst nur von Motörhead kenne und entwickeln sich dabei, meiner Meinung nach, zu wenig weiter. Das das so gewollt ist, zeigt ja auch die Personalpolitik des Bandleaders der scheinbar keine anderen Größen neben sich in seiner Band sehen will.
Wie schon erwähnt ist das musikalische Highlight auf der Platte meiner Meinung nach der Song Lonesome Rider und die Tatsache, das die Produktion transparent ist aber trotzdem druckvoll bleibt, ein Umstand, der vielen Produktionen heutzutage nicht immer gelingt.

Donnerstag, 9. Mai 2013

CD - Milking the Goatmachine - Stallzeit

Blackmetal mit einer Portion Deathmetal und jeder Menge Spaß und (Eigen)Ironie. Das waren für mich bis dato du Jungs von Milking the Goatmachine. Aber im Rahmen der neuen CD wollte ich mich mal wieder etwas genauer mit dem beschäftigen, was man als Genres oder Musikrichtung bezeichnet. Und dabei bin ich darauf gestoßen, das es einige Leute gibt, die eben jene Band als Deathgrind Band bezeichnen.
Ich habe dann mal ein bisschen geforscht und versucht, heraus zu finden, was denn nun richtig ist, aber es gelang mir nicht, mich eines besseren zu belehren. Nichts, was den Deathgrind ausmacht, habe ich in der Musik gefunden, natürlich abgesehen von den Elementen des Deathmetal, die ich aber auch bei meiner Definition unterbringen kann.
Also überlasse ich es jedem selber, wo er die spaßigen Ziegenjungs unterbringt, denn immerhin sind sie die einzige Band, die ich kenne, die ihr eigenes Universum geschaffen hat, in dem sich alles um Ziegen dreht.

Das legt nicht nur der Bandname nahe, sondern auch die Namen der Musiker orientieren sich an dieser Vorgabe. Goatleeb und Goatfried Udder heißen die beiden Hauptakteure und Live legen sie noch eins drauf, indem sie und ihre Begleiter entsprechende Masken tragen, um ihre Huldigung der Ziegenherren perfekt zu machen.
Ich konnte sie bisher leider noch nicht auf der Bühne erleben, würde das aber gerne mal machen. Ist bestimmt lustig.

Auch bei dieser, der vierten Scheibe der deutschen Band, dreht sich wieder alles um die Weltherrschaft, die ihre Wappentiere übernehmen wollen und werden. Alleine der Titel Stallzeit macht klar, wohin es wieder geht und die Songtitel schlagen Großteils in dieselbe Kerbe.

Only Goat can Judge Me
Goatriders in the Sky
3 Room Shed
Salt Lick City
um nur ein paar zu nennen. Und bei den Titeln wird auch sofort klar, wie Ernst, oder besser gesagt, wie wenig Ernst sich die Musiker nehmen. Auch die Texte sind hörenswert, wenn man denn bereit ist, sich mit dem Growling auseinander zu setzen.

Interessant und, meiner unmaßgeblichen Meinung nach, vollkommen Deathgrind-untypisch, werden immer wieder lustige Samples in die Musik eingestreut. Ob  sie nun passen oder nicht, muss jeder für sich entscheiden, lustig ist es allemal.
Nachdem die ganze Platte schließlich nach 16 Liedern und wechselnden Geschwindigkeiten Richtung Ende geht, zieht das Tempo beim letzten Stück deutlich an und erreicht vielleicht Geschwindigkeiten, wie sie im Crustcore üblich gewesen wären. Aber da es sich um ein weiteres Cover des Motörhead Klassikers Ace of Spades handelt, denke ich nicht das man das als Zeichen in diese Richtung sehen sollte.

Manchmal frage ich  mich, warum so originelle Bands wie Milking the Goatmashine überhaupt covern müssen, aber diese Version macht richtig Spaß, weil sie auf der einen Seite den Charakter des Originals beibehält, auf der anderen Seite genug Eigenständigkeit aufweist, um nicht als plumpes Nachspielen abgetan zu werden.

FAZIT: Eine Scheibe die jede Menge Spaß bei den Live Auftritten verspricht und mit dem deutschsprachigen Stallzeit auch einen geilen Mitgröler an Bord hat. Trotzdem ist noch genug Potential in der Scheibe, sie sich immer und immer wieder anzuhören. Natürlich auch hier wieder nur, wenn man auf solche Musik steht,  oder bereit ist, sich auf die speziellen Elemente einzulassen.

Dienstag, 30. April 2013

CD - Device - Device

Ich war nicht sicher, was ich von diesem Projekt erwarten sollte. Disturbed war nie eine Band, die ich unbedingt gebraucht hätte, machten die doch Musik, die einfach nur als austauschbar bezeichnet werden kann. Belanglos, nicht innovativ und der Versuch, möglichst viele Leute mit möglichst einfacher und seichter  Musik auf die eigene Seite zu bringen.

Das hat ja auch ganz gut funktioniert, wobei man sich dann natürlich fragt, warum man eine solche Band einfach so auf Eis legt, aber das ist ein anderes Thema.
Als dann also der Frontmann dieser Band zusammen mit noch einigen nicht ganz unbekannten Namen ein neues Projekt auflegte, war zumindest mein Interesse erst einmal geweckt. Die ersten Stücke, die dann von der neuen Band erschienen klangen nicht mal uninteressant, aber als ich jetzt die CD in den Händen hielt, und die ersten Durchläufe hinter mir hatte, fragte ich mich ernsthaft, ob ich vielleicht eine Demo in Händen halten würde.

Die Stücke klingen, mit wenigen Ausnahmen, als wenn sie noch in der Frühphase ihrer Entwicklung wären, haben einige gute Ansätze aber in der Ausführung sind sie echt unter alles Sau. Außerdem klingt die Produktion, als hätte man sich mit einem Recorder in den Probenraum gesetzt und mal auf Aufnahme gedrückt. Das ganze in bisschen nach bearbeitet und mal auf eine CD gebrannt.

Einfach nur peinlich, finde ich diese CD, und das sich noch einige namhafte Künstler dazu haben breitschlagen lassen, daran mitzuwirken zeigt meiner Meinung nach nur, das genug Geld für dieses Machwerk zur Verfügung stand. Denn es bleibt zu hoffen, das es nicht die künstlerische Qualität gewesen sein sollte, die Leute wie Lizzy Hale (Halestorm), Geezer Butler (Black Sabbath), Serj Tankian (System of a Down) oder Tom Morello (Rage Against the Machine) dazu gebracht hat, sich von David Draiman überreden zu lassen, an dieser Platte mitzuwirken.

FAZIT: Wenn das der angekündigte "futuristische Metal" ist, will ich den gar nicht mehr hören. Vielleicht ist die Band auch einfach nur ihrer Zeit voraus und ich bin nicht in der Lage, die Musik zu verstehen. Aber ich hoffe mal, das es sich nur um ein misslungenes Projekt handelt, und sich diese Art von Musik nicht als industrialized Metal durchsetzt.
Aber das werden wohl die Käufer, Hörer und Konzertbesucher entscheiden!

Ich kann nur sagen: Finger weg!!!

Donnerstag, 25. April 2013

CD – Amorphis – Circle

Nach zwei doch sehr unterschiedlichen Alben zuletzt, stellte sich die Frage, wohin es die Band Amorphis diesmal verschlagen würde auf ihrem Weg durch die vielen Genres des Metals, die sie schon beackert haben. Und die erste Single deutete schon an, wo es diesmal hingehen könnte, aber bei 10 Stücken auf der Scheibe (ich nehme jetzt mal die Special Edition als Basis) konnte das natürlich noch keine umfassende Analyse zulassen.

Der Titel der Scheibe (Circle) könnte natürlich den Hinweis geben, das ein Kreis geschlossen wird. Aber ob und wenn ja was sich die Mannen um die beiden Axtkämpfer und Amorphis-urgesteine, Esa Holopainen und Tomi Koivusaari, dabei nun gedacht haben, kann man im Vofeld natürlich ein wenig schwer sagen. Auf jeden Fall ist es ihnen mal wieder gelungen, ein interessantes und ansprechendes Cover designen zu lassen, auf dem das titelgebende Element zumindest mehrfach zu erkennen ist.

Aber zurück zur Musik. Ich muss sagen, das mir persönlich die erste Veröffentlichung aus der elften Platte der Finnen schon ganz gut zusagte, aber ich hatte mir wieder mal etwas mehr Härte erhofft. Und wenn man dann die ganze Scheibe in Händen hat und hören kann, dann sucht man erst mal eine roten Faden, wie ihn eben die beiden letzten Scheiben hatten, und findet ihn nicht. Nach ein paar Durchläufen allerdings wird einem dann klar, das der Fünfer mal wieder seine ganze Bandbreite an musikalischen Fähigkeiten und Möglichkeiten ausschöpft, ohne dabei die jeweils anderen Aspekte aus den Augen zu verlieren.

Harte, fette Riffs schmiegen sich in sanft fließende Melodien ein und verspielte, folkloristisch angehauchte Melodien werden abgelöst von immer wieder gezielt und gut eingesetzten Growls eines sehr gut aufgelegten Tomi Joutsen. Ich persönlich hätte mir ein paar mehr dieser kraftvollen Elemente gewünscht, aber immerhin sind sie fester Bestandteil und der Sänger hat so die Chance, seine anderen Qualitäten auch noch zu zeigen, was mit Sicherheit auch live wieder gut aufgenommen wird.

Besonders fasziniert mich die Präsenz und das wieder einmal hervorragende Zusammenspiel der beiden Gitarren. Und dieses Zusammenspiel findet halt, je nach Bedarf und Lied, eben auch gegeneinander statt und dann wird es richtig interessant, wenn auch teilweise so verzwickt, das man einige Durchläufe braucht um wirklich zu verstehen, was da eigentlich passiert. Aber natürlich macht das auch diese Scheibe mal wieder zu einem echten Hinhörer, das man eben auch nach mehrmaligem hören noch etwas neues zu entdecken hat.

Und obwohl ich mir selber mehr Härte gewünscht hätte, bin ich doch froh, das Amorphis mal wieder eine Scheibe hingelegt haben, die eben nicht nur einen Teil ihrer Fähigkeiten zeigt, sondern eben auch zeigt, das in dieser Band alle Mitglieder ihre Ideen und Vorlieben einbringen können. Und auch wenn nicht jedes Stück meinen Vorlieben entsprechen, glaube ich, das es den Finnen mal wieder gelungen ist, eines der besten Alben diesen Jahres zu produzieren.

Apropos Produktion. Die ist mal wieder absolut vorbildlich gelungen. Jeder Hörer ist in der Lage, die Musik in der Lautstärke zu hören, in der er das will, ohne das sie dünn oder fahrig klingt. Außerdem hat man eine Transparenz erreicht, die man bei der Instrumentierung nicht unbedingt erwarten würde.

FAZIT: Mal wieder, was man erhofft hat, eine starke Platte, wobei die persönliche Wertung mit Sicherheit davon abhängen dürfte, ob man bereit ist, die Bandbreite der Band mitzumachen oder eben doch lieber auf den einen oder anderen Stil mehr Wert gelegt hätte.
Ach ja, mein persönlicher Anspieltipp: Nightbirds Song, der hat einfach alles!

Samstag, 20. April 2013

Konzert - Stratovarius, Amaranthe, Seven Kingdoms - Colos-Saal Aschaffenburg - 12.4.2013

Da mir die neuen Scheiben von Stratovarius und Amaranthe gut gefallen haben, entschied ich mich, mich mal wieder auf den Weg nach Aschaffenburg zu machen, um mir diese beiden Bands mitsamt ihrer Begleitung anzusehen und zu hören. Wobei ich zugeben muss, das Amaranthe der Hauptgrund war, mir diesen Freitag mal wieder im frisch gekürten "besten Live Club 2012" um die Ohren zu schlagen.

Und der Anfang war schon mal vielversprechend, als gegen 20:30 Uhr eine Band die Bühne betrat, von der ich bis dato noch nichts gehört hatte. Seven Kingdom aus den USA sollten also die Einheizer für die beiden Skandinavier machen. Und sie legten sofort volles Rohr los. Mit ihrer sehr kraftvollen Stimme nimmt die Sängerin auch sofort das Publikum in ihren Bann. Nun ja, ihr Aussehen wird mit Sicherheit auch seinen Teil dazu beigetragen haben, das das Publikum ab dem ersten Song fröhlich mitmacht, wie man es nicht oft von Vorbands erlebt.

Offensichtlich waren die Musiker aus Florida nicht allen vollkommen fremd, wie mir, so das schnell ein gutes Miteinander entstand. Die Mischung aus Power-, Thrash- und Progressive Metal zwingt aber auch jeden Fan solcher Musik zum mitmachen, so das selbst in den hinteren Reihen schon gute Stimmung herrscht, die die Band auch gut aufzunehmen und weiter zu entwickeln weiß. Man merkt, das die Mitglieder schon seit einiger Zeit Livererfahrungen sammeln können, die sie hier an den Mann und die Frau bringen.

Das übliche Los einer Vorband ereilt aber auch die Amerikaner, als sie nach gerade mal einer halben Stunde wieder die Bühne räumen müssen, ohne den vereinzelten Forderungen nach einer Zugabe nachkommen zu können. Schade, aber so ist das nun mal. vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit die Band mal wieder in der Nähe zu sehen, und dann vielleicht auch länger.

Nach einer ungewöhnlich langen Umbaupause, betritt dann schließlich der erste Headliner des Abends die Bühne. Amaranthe haben zwar noch keine allzu lange Diskografie, aber die ist dafür umso beeindruckender und man ist gespannt, was sie an diesem Abend aus ihrem variablem Repertoire zum Besten geben werden.
Direkt zu Beginn wird dann mal gleich ein Stück der frischen CD The Nexus aufgespielt und man  merkt, das das Publikum schon recht Textsicher bei den neuen Stücken ist, keine Wunder, handelt es sich bei der Scheibe, meiner unmaßgeblichen Meinung nach, um einen der frühen Höhepunkte dieses Musikjahres.

Besonders faszinierend ist bei dieser Band natürlich der variable Gesang, der von nicht weniger als drei regulären Sängern realisiert wird, ein Umstand, den man verstehen kann, wenn man die Musik der Schweden und Dänen kennt. Und nicht nur, das die drei Fronter und ihre restlichen Bandmitglieder einen perfekten Sound auf die Bühne zaubern, sondern auch die Show ist eine gute Balance zwischen einstudierten Bewegungen und spontanen Reaktionen auf das Publikum.

Das wirkt alles schon sehr professionell, womit man auch schon einen ersten Kritikpunkt am Auftritt findet, wenn einem das nicht so gut gefällt, wie zufällig wirkende Interaktionen von echten Urgesteinen. Was mich persönlich aber vielmehr stört ist der enorme Aufwand der betrieben werden muss, um den auf der Bühne fehlenden Keyboarder zu ersetzen. Denn durch die extrem vielen Einspieler ist die Flexibilität der Band natürlich sehr eingeschränkt, was den Eindruck des "Eingeübten" noch verstärkt.

Aber auf jeden Fall machen Amaranthe da weiter, wo Seven Kingdoms aufgehört haben, nämlich beim Abreißen von Bühne und Zuschauerraum in Aschaffenburg. Durch die erst zwei CDs, die den Newcomern zur Verfügung stehen, auf denen allerdings auch kein einziger schwacher Song ist, halten sie die Stimmung so hoch, wie ich es selten erlebt habe.
Aber der größte Schwachpunkt eines jeden genialen Live Auftritts, ereilt auch diesen: Das ENDE. Und das, bevor das ganze Programm der Band vom Stapelgelassen werden konnte. Aber immerhin gibt es noch eine originelle und schöne Zugabe, die noch einmal alles aus band und Publikum heraus holt. RESPEKT!!!

Ich kann es nicht numerisch belegen, aber es schien mir, das in der folgenden Pause, die für Umbau und Soundcheck für Stratovarius genutzt wurde, eine nicht  unerhebliche Menge an Zuschauern den Colos-Saal verlassen hatten. Wie gesagt, ich kann mich täuschen, weil auch ich meinen Standort geändert hatte, aber es schienen sich die Reihen doch ein wenig gelichtet zu haben, als die Finnen von Stratovarius die Bühne betraten.

Das tat allerdings, muss man fairerweise sagen, der Stimmung keinen Abbruch und die Urgesteine des europäischen PowerMetal brannten ein wahres Feuerwerk ihres großen Repertoires ab. Professionell und doch auf das Publikum eingehend, führte Sänger und Frontmann Timo durch das Programm, das durch drei Jahrzehnte Band- und Musikgeschichte führt. Natürlich steht das neue Album im Mittelpunkt, was ich persönlich etwas schade finde, da ich denke, wie ich ja auch schon im entsprechenden Review geschrieben habe, das es sich um eine der schwächeren Scheibe der Finnen handelt.

Trotzdem sind natürlich auch diese neue Stücke Live eine ganz andere Nummer und die Stimmung im Saal steigt von Song zu Song, allerdings merkt man auch hier, das die Lautstärke von Band zu Band zunimmt, was aber auf dem Niveau dieser Bands und dank der doch etwas regelnden Hand des Tontechnikers, noch im Rahmen bleibt.
Im Ganzen also ein durchaus gelungener Auftritt, wenn man aber natürlich wie immer nicht alles die Stücke gespielt bekommt, die man sich vorstellt, was aber ob der dicken Diskografie wohl auch unmöglich sein dürfte.

FAZIT: Mal wieder ein geiler Abend im Colos-Saal, der für regelmäßige Besucher schon immer der beste Club der Welt ist. Eine perfekte Zusammenstellung der Bands und eine wieder mal super Stimmung auf und vor der Bühne haben diesen Tag und die Woche zu einem perfekten Abschluss gebracht.

Donnerstag, 18. April 2013

Konzert - Ray Wilson "Best of two Worlds" - Colos-Saal, Aschaffenburg - 6.4.2013

Ray Wilson, bekannt geworden, durch sein Engagement bei Genesis, macht schon viel länger Musik, und deswegen nimmt er die Zuhörer auf eine Zeitreise mit. Eine Zeitreise durch die Musik von Genesis, seiner eigenen Band Stiltskin und natürlich nicht zuletzt seiner Soloplatten. Wenn ich richtig gerechnet habe, 30 Jahre Musikerfahrung.

Respekt, kann man da nur sagen. Den allerdings habe ich nicht vor dem Publikum dieses Abends. Ich würde sagen, das Durchschnittsalter liegt höher als bei jedem Konzert, das ich je im Colos-Saal gehört habe. Aber meine Annahme, das dies zu einem "vernünftigen" Publikum führt, werden schnell enttäuscht, als drei Musiker (Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger) gegen 20:30 Uhr die Bühne betreten und mit einer Mischung aus PostRock, Ambient und Grunge wohl ein eigenes Projekt vorstellen. (Mittlerweile weiß ich, das es sich bei der Gruppe um Ali Ferguson und seine Mannen handelt)

Diese Musik, die mit Sicherheit nicht jedermanns Sache ist, und bei der man auch tatsächlich zuhören muss, um sie zu erfassen, geht fast unter in dem partout nicht leider werden wollenden Gemurmel einer gut 3/4gefüllten Saales. Schade, denn dadurch geht natürlich der Reit dieser Musik auch denen verloren, die sie gerne in Ruhe gehört hätten. Aber scheinbar sind die Erlebnisse der letzten Wochen und Monaten wichtiger als die Musik auf einem "Konzert".

Nun ja, dachte ich mir, wieder mal etwas neues interessantes gehört, das man sich genauer anschauen kann. Und die Hoffnung ging nun dahin, das bei Ray Wilson und seiner Band wenigstens dieser Krach etwas weniger werden würde. Leider wurde diese Hoffnung aber auch vollkommen enttäuscht und zwar nicht nur zu Beginn, sondern durchgehend bis zum Ende.
So etwas habe ich wirklich noch nicht erlebt, und auch eine Bewegung zur Bühne verbesserte an dieser Situation übrigens nichts, überall waren Winterurlaube, Skatbende und Taufen wichtiger als die Musik.

Trotzdem fand ich das Programm, das Ray und seine 8-köpfige Band von der Bühne ließen mehr als ansprechend, zeigte er doch, das er eben nicht nur ein würdiger Nachfolger von Phil Collins bei Genesis war, sondern eben auch den Mut hatte, sich an Stücken zu versuchen, die Peter Gabriel im Original gesungen hatte. Und so wundert es nicht, das auch Solsbury Hill mit von der Party war und meiner Meinung nach den Höhepunkt des Abends bildete.

Aber eben auch die Grunge Stücke seiner Band Stiltskin brachte er so herüber, wie es ein Axel Rose nicht besser gekonnt hätte. Und dann waren da natürlich noch die bluesigen Stücke seiner Solo Platten. In allen Stücken fühlte sich der sympathische Brite zu Hause und konnte sie, auch dank seiner hervorragenden Begleitung, authentisch und kraftvoll herüber bringen.
Als originell kann man auch diese Begleitung bezeichnen. Alles überragende Musiker, und eben nicht nur 2 Gitarren, Bass, Keyboard und Schlagzeug, nein, zwei Violinistinnen und ein Saxophon/Klarinetten Spieler ergänzen die Gruppe und geben ganz neue Möglichkeiten. Und das gibt der Musik, ob nun bekannter Evergreen oder unbeaknntes Neuwerk, plötzlich ganz neue Facetten.
Das es sich bei den Stücken zum Großteil um für mich  neue handelte machte es mir aber in keiner Weise schwer, denn die Musik ist eingängig und nicht zu verschnörkelt, ohne dabei langweilig zu wirken.

Ach ja, eine Besonderheit noch zum Thema Sound. Zum bisher erst zweiten Mal habe ich Trennwände auf einer Livebühne gesehen, um das Schlagzeug akustisch von Raum und dem Rest der Musiker zu entkoppeln und zum zweiten mal muss ich sagen: Der Aufwand, der wohl auch gar nicht so hoch ist, lohnt sich wirklich, denn so klar und brillant habe ich seit Alter Bridge in der Batschkapp, kein Schlagzeug mehr gehört.

FAZIT: Alles in allem ein gelungener Abend und auf jeden Fall den Eintritt wert. Schade war eigentlich nur, das natürlich viele gute Stücke von Genesis auf der Strecke bleiben mussten, immerhin war ja hier Ray Wilson unterwegs, der aus seiner musikalischen Geschichte erzählen wollte und das fabulös tat.
Ach ja, und dann natürlich dieses unleidige Thema Unterhaltung vs. Musik, aber in dieser Beziehung scheine ich der Exot zu sein, wenn man sich das Publikum mal angehört hat.

Mittwoch, 17. April 2013

Konzert – Troy von Balthazar, The Loodies – Campus Uni Frankfurt – 13.4.2013

Das Cafe der katholischen und evangelischen Studentengemeinschaft an der Uni Frankfurt war der Schauplatz dieses etwas ungewöhnlichen Bedroomdisco-Konzerts. Aber wenn man nicht so von der Norm abgewichen wäre, wäre ich wohl nicht in den Genuss dieses Abends gekommen. Denn die knapp 100 Leute, die sich in dem Raum zwischen zwei Wohnheimen Platz gefunden haben, hätten wohl kaum in ein klassisches Wohnzimmer gepasst.

Entsprechend den Organisatoren und meisten Zuschauern, kam ich mir etwas deplatziert vor, aber auch ein wenig an meine Studienzeit zurück erinnert. Eine lustige Sache, die einige (schöne und weniger schöne) Erinnerung wach rief.

Pünktlichkeit zahlte sich bei diesem Konzert wirklich aus, da die später erschienen teilweise auf dem Boden Platz nehmen mussten, was ich nicht so furchtbar gut gefunden hätte. Und trotz des Publikums und der Location ging es pünktlich los, so das keine lange Wartezeit entstand.

Als erste betrat Troy von Balthazar die Bühne. Naja, genau genommen ging er in den Teil des Raumes, der dafür hergerichtet worden war. Man hatte sich alle Mühe gegeben, zumindest dort vorne so etwas die heimelige Atmosphäre zu schaffen, was, so finde ich, auch ganz gut gelungen war. Der Teil, in die Zuschauer saßen war zwar zweckmäßig, aber effektiv mit Stühlen besetzt worden, was wohl die große Zahl an Zuschauern förderte.
Troy sorgte allerdings von Anfang an dafür, das man vergas, wo man saß und führte gekonnt und lustig durch sein Programm.

Der Musikstil ist natürlich eindeutig Singer-Songwriter, begleitet sich der Amerikaner doch meistens auf der Gitarre selber. Allerdings belässt er es nicht dabei, sondern er setzt gekonnt und unaffektiert die Technik ein, indem er sich selber aufnimmt und loopt. Und das sogar mehrfach, was, obwohl nur ein Mann auf der Bühne steht, sehr interessante Liederstrukturen ermöglicht. Aber auch damit gibt sich der Hawaiianer noch nicht zufrieden, sondern er setzt ein Megaphon, eine große Rassel, ein elektrisches Kinderpiano und ein Keyboard ein. Letzteres benutzt er sogar, um sich eine Rhythmusgruppe zu ersetzen und gekonnt seine Stücke darüber zu spielen.

Als der Künstler, und um einen solchen handelt es sich bei Troy definitiv, nach einer knappen Stunde von der Bühne machen will, wird er vom Publikum erfolgreich wieder auf dieselbe geholt und zu einer Zugabe „genötigt“. Es macht ihm sichtlich Spaß, und er scheint gerührt, als auch die Zugabe dem Publikum noch nicht reicht, aber er muss das Feld räumen, immerhin soll noch eine zweite Band den Abend komplettieren.
Die Umbauphase nutzen die Zuhörer, um sich ein wenig die Beine zu vertreten und das bisher Gehörte zu verarbeiten und sich darüber auszutauschen. Die Organisatoren sorgen dafür, das auch die besagte zweite Band ein volles Auditorium vorfindet und keine größere Unruhe durch zu spä kommende Zuhörer entsteht. Sehr lobenswert und effektiv, vor allem für so seltsame Vögel wie mich, die auf Konzerte gehen, um die Musik zu hören und zu genießen.

The Loodies nennt die die Gruppe, die jetzt die eben schon beschriebene „Bühne“ betritt. Die 5 Musiker stammen aus Kanada und scheinen mir noch sehr jung zu sein. Ich bin ein wenig skeptisch, aber es zeigt sich, das es dafür keinen Grund gibt. Die 4 Jungs (Drums, Bass, Gitarre und Gesang und Gitarre) und ihre Keyboarderin machen aber von Anfang an klar, das man sich von ihrem Äußeren nicht täuschen lassen sollte. Ich habe gelesen, die Kanadier würden Indierock machen, was ja nun sehr viele Möglichkeiten bietet, aber was man dann zu hören bekommt ist schon sehr interessant und klingt sehr erwachsen.

Im Rock werden natürlich Anleihen gemacht, aber auch Ambient Elemente sind Teil der Musik, sowie Postrock Charakteristika. Und als der zweite Gitarrist dann auch noch eine Trompete zur Hand nimmt, ist man sogar genötigt, Experimental noch zu den genutzten Musikrichtungen hinzuzufügen. Wobei man das gerne tut, denn die Band vermischt diese Dinge mit einer Frische, Leichtigkeit und Originalität, das man noch weniger glauben kann, wen man vor sich hat.

Natürlich kommen auch The Loodies nicht um eine Zugabe herum, beenden den Abend dann aber recht zeitig, um den Anwesenden Zuhörern noch die Möglichkeit zu geben, unverspätet in das Nachtleben der Stadt einzutauchen.

Zügig leert sich der Raum und die Rückbauarbeiten beginnen. Wie üblich besteht natürlich bei einem so intimen Gig die Chance, die Künstler noch persönlich zu sprechen und ihre Werke nicht nur von ihnen persönlich zu erwerben, sondern sie eben auch noch signieren zu lassen. Ein Umstand, von dem doch einige Leute Gebrauch machen, so das die Begeisterung während des Konzerts sich auch hier weiter auf die Künstler überträgt, die gerne und viel Auskunft geben.

FAZIT: Ein echtes Erlebnis! Sowohl was die Idee der Bedroomdisco Konzert Reihe angeht (auch wenn es heute ein eher großer Bedroom war J ) als auch, was die Künstler angeht. Es ist nur Schade, das man, aufgrund des Ansturms auf diese Konzertreihe immer so lange dauert, bis man eine solche Chance geboten bekommt.
Naben den Künstlern, die ich ja oben schon reichlich gelobt habe, denke ich auch, das man sich bei den Organisatoren bedanken sollte, das sie es wohl immer wieder schaffen, interessante Künstler in doch eher kleine Locations zu holen. Bleibt zu hoffen, das dies noch lange so weiter geht und nicht von Organisationen wie der GEMA im Bürokratiesumpf ertränkt wird, und das ich die Chance erhalte, eine solche Veranstaltung mal am eigentlich gedachten Ort zu erleben.

Dienstag, 16. April 2013

Konzert - Helloween, Gamma Ray, Shadowside - 10.4.2013 - Stadthale Langen


Das wird wohl mein kürzester Review bisher.
Geiles LineUp, Super Location, tolles Publikum, ABER ein Sound der schlechter wohl kaum vorstellbar gewesen wäre.

Shadowside, klassischer amerikanischer Power Metall mit weiblichem Gesang. Gitarre und Gesang sehr durchwachsen, teils sehr gut und originell, teils einfach nur flach. Gute Rhythmus Sektion, die aber leider nicht die Lead-Instrumente ersetzen kann. Höhepunkt: Ein Cover von Ace of Spades.

Gamma Ray waren für mich der Höhepunkt des Abends. Super Stimmung auf und vor der Bühne, Sound laut, aber mit Ohrstöpseln gerade noch zu ertragen. Versierte Musiker, die Spaß haben und zeigen an dem, was sie machen. Höhepunkt auch hier ein Cover und zwar Future World von Helloween.
Aber immerhin beweisen die Mannen um Kai Hansen, warum die Musik die sie machen, ursprünglich mal als Speed-Metal bezeichnet wurde.

Und damit war dann auch schon der beste Helloween Song des Abends gespielt, denn beim Headliner kommt alles etwas pomadig und arrogant rüber, mal abgesehen davon das mir selbst jetzt (20 Stunden nach dem Konzert) noch die Ohren klingeln, trotz Ohrenstöpseln.
Die Songs der Pioniere des deutschen Speed und Power Metal versinken in Mittelmäßigkeit. Interessant und wirklich stimmungsvoll wird es erst wieder, als Ex-Helloween Mitglied Hansen wieder die Bühne betritt und sämtliche Klassiker gespielt werden. Als schließlich (abgesehen vom Schlagzeuger) beide Bands auf der Bühne stehen, findet der Abend doch noch ein versöhnliches Ende.

Aber ehrlich gesagt erwarte ich mir von Helloween und Gamma Ray mehr als einen versöhnlichen Abend. Schade, auch wenn ich nicht weiß, wer den Sound so kaputt gemischt hat.

FAZIT: Ein neuer, negativer Höhepunkt auf der Lautstärkespirale, die ich seit einigen Monaten schon beobachte. Und wenn die Höhepunkte des Abends zwei Cover Stücke sind, sagt das wohl schon recht viel über die Qualität.

Donnerstag, 4. April 2013

CD - Bring me the Horizon - Sempiternal


Ist Veränderung nun eigentlich etwas Gutes oder etwas Schlechtes?
Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich die neue CD von Bring me the Horizon zum ersten mal gehört habe. Denn leider bin auch ich da etwas indifferent und erwarte bei einigen Gruppen einfach dieses Element, während ich es bei anderen partout nicht ausstehen kann.
Aber auch Stagnation, oder Bewahren des Althergebrachten ist nicht einfach nur Gut oder Schlecht. Je nach Band sind die Erwartungen etwas anders. Und natürlich sollte eine Band wie Threshold sich  nicht auf Wiederholungen versteifen, sondern als progressive Gruppe immer wieder neues entwickeln und entdecken.
Und das sich jede Scheibe von Motörhead seit 30 Jahren genau gleich anhört stört mich ziemlich, denn dann kann man ja auch gleich die alten Scheiben auflegen, die haben wenigstens noch Charakter. Aber von Musikern wie den Jungs von Bullet for my Valentine erhoffe ich mir wiederum, das sie nichts ändern, sondern sich treu bleiben.

Also ist die Frage, ob Veränderung Gut oder Böse ist, in der Musik nicht nur eine Frage des Hörers und dessen Geschmack, sondern eben auch eine Frage, wen und was man nun genau hört.

Bleibt die Frage, was man von Bring me the Horizon so erwartet und der Musik, die sie machen. Grundsätzlich hätte  ich erwartet, keine großartigen Neuerungen  zu hören, sondern angenommen, das man seine alten Erfolgsrezepte weiter fährt.
Aber weit gefehlt. Die Jungs um Oli Sykes haben sich schon vom Death- zum Metal-Core entwickelt, als sie ihre zweite und dritte Scheibe auf den Markt schmissen und haben sich auch diesmal nicht lumpen lassen, an ihrem eigenen Stil weiter zu arbeiten.

Natürlich sind die Grundstrukturen weiterhin im Metal-Core zu suchen und zu finden, aber Sempiternal ist damit bei weitem noch nicht am Ende. Konsequenter, als noch im Vorgängeralbum werden elektronische Einflüsse integriert. Sicher nicht so stark und vielfältig, wie zum Beispiel bei Eskimo Callboy, aber doch deutlich hör- und spürbar.
Aber auch im Symphonic Metal haben sich die Engländer bedient, wenn es um die Anreicherung ihrer Musik geht und das finde ich, ist ein bemerkenswerter Schritt.
Der Sänger kann so auch immer mal wieder beweisen, das er eben nicht nur das übliche Schreien, Röhren und Grunzen des Metal-Core beherrscht, sondern auch in der Lage ist, sich im Klargesang zurecht zu finden und das, so finde ich, als Laie, wirklich achtbar.

Aber selbst damit ist die CD und die Musik noch nicht am Ende. Post-Hardcore, Ambient und Rock sind weitere Einflüsse, die sich an der einen oder anderen Stelle in die Stücke schleichen und teilweise, und das finde ich so interessant an diesem Album, erst  nach  mehrmaligem Hören auffallen. Das wiederum ist ein Prädikat, das man Musik dieser Musikrichtung nun wirklich nicht zutrauen würde.

Aufgrund der Vielfalt der Einflüsse, die mit Sicherheit auf Vorlieben der einzelnen Mitglieder zurück zu führen ist, denke ich, man kann der Band nicht vorwerfen, das sie zum in eine kommerzielle Richtung entwickelt hat, denn ihre eigentlich Zielgruppe wird diese Nuancen nicht wahrnehme, oder sie mit Befremden zur Kenntnis nehmen.

Bei all den musikalischen Entwicklungen auf dieser Platte hat es der Band mit Sicherheit auch geholfen, das sie nun einen eigenen Keyboarder  mit an Bord haben.
Das wirft aber natürlich  auch die Frage auf wie es denn nun mit Bring me the Horizon weitergehen wird, zumal der Weggang von Gitarrist Jona Weinhofen wohl den eingeschlagenen Weg zu zementieren scheint. Ein Keyboard gibt hier einfach  viel bessere Möglichkeiten, sich zu entwickeln.

Ich persönlich finde es schön, das es auch in Bereichen, die nicht für große Innovationen bekannt sind, immer wieder Gruppen und Musiker gibt, die bereit sind, die Grenzen zu erweitern. Das man sich damit nicht nur Freunde macht ist klar, immerhin ist Bring me the Horizon keine reine Metal-Core Kapelle mehr, aber ich hoffe, sie haben weiterhin Erfolg und zeigen uns dann, wie es weiter gehen soll.

FAZIT: Für Musikhörer mit einem offenen Geist ist die Scheibe ein absolutes Muss, auch wenn man natürlich bedenken muss, das auch diese Scheibe im Metal-Core zu stehen hat.
Anspieltip: Can you feel my Heart?  und Seen it all before