Donnerstag, 18. April 2013

Konzert - Ray Wilson "Best of two Worlds" - Colos-Saal, Aschaffenburg - 6.4.2013

Ray Wilson, bekannt geworden, durch sein Engagement bei Genesis, macht schon viel länger Musik, und deswegen nimmt er die Zuhörer auf eine Zeitreise mit. Eine Zeitreise durch die Musik von Genesis, seiner eigenen Band Stiltskin und natürlich nicht zuletzt seiner Soloplatten. Wenn ich richtig gerechnet habe, 30 Jahre Musikerfahrung.

Respekt, kann man da nur sagen. Den allerdings habe ich nicht vor dem Publikum dieses Abends. Ich würde sagen, das Durchschnittsalter liegt höher als bei jedem Konzert, das ich je im Colos-Saal gehört habe. Aber meine Annahme, das dies zu einem "vernünftigen" Publikum führt, werden schnell enttäuscht, als drei Musiker (Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger) gegen 20:30 Uhr die Bühne betreten und mit einer Mischung aus PostRock, Ambient und Grunge wohl ein eigenes Projekt vorstellen. (Mittlerweile weiß ich, das es sich bei der Gruppe um Ali Ferguson und seine Mannen handelt)

Diese Musik, die mit Sicherheit nicht jedermanns Sache ist, und bei der man auch tatsächlich zuhören muss, um sie zu erfassen, geht fast unter in dem partout nicht leider werden wollenden Gemurmel einer gut 3/4gefüllten Saales. Schade, denn dadurch geht natürlich der Reit dieser Musik auch denen verloren, die sie gerne in Ruhe gehört hätten. Aber scheinbar sind die Erlebnisse der letzten Wochen und Monaten wichtiger als die Musik auf einem "Konzert".

Nun ja, dachte ich mir, wieder mal etwas neues interessantes gehört, das man sich genauer anschauen kann. Und die Hoffnung ging nun dahin, das bei Ray Wilson und seiner Band wenigstens dieser Krach etwas weniger werden würde. Leider wurde diese Hoffnung aber auch vollkommen enttäuscht und zwar nicht nur zu Beginn, sondern durchgehend bis zum Ende.
So etwas habe ich wirklich noch nicht erlebt, und auch eine Bewegung zur Bühne verbesserte an dieser Situation übrigens nichts, überall waren Winterurlaube, Skatbende und Taufen wichtiger als die Musik.

Trotzdem fand ich das Programm, das Ray und seine 8-köpfige Band von der Bühne ließen mehr als ansprechend, zeigte er doch, das er eben nicht nur ein würdiger Nachfolger von Phil Collins bei Genesis war, sondern eben auch den Mut hatte, sich an Stücken zu versuchen, die Peter Gabriel im Original gesungen hatte. Und so wundert es nicht, das auch Solsbury Hill mit von der Party war und meiner Meinung nach den Höhepunkt des Abends bildete.

Aber eben auch die Grunge Stücke seiner Band Stiltskin brachte er so herüber, wie es ein Axel Rose nicht besser gekonnt hätte. Und dann waren da natürlich noch die bluesigen Stücke seiner Solo Platten. In allen Stücken fühlte sich der sympathische Brite zu Hause und konnte sie, auch dank seiner hervorragenden Begleitung, authentisch und kraftvoll herüber bringen.
Als originell kann man auch diese Begleitung bezeichnen. Alles überragende Musiker, und eben nicht nur 2 Gitarren, Bass, Keyboard und Schlagzeug, nein, zwei Violinistinnen und ein Saxophon/Klarinetten Spieler ergänzen die Gruppe und geben ganz neue Möglichkeiten. Und das gibt der Musik, ob nun bekannter Evergreen oder unbeaknntes Neuwerk, plötzlich ganz neue Facetten.
Das es sich bei den Stücken zum Großteil um für mich  neue handelte machte es mir aber in keiner Weise schwer, denn die Musik ist eingängig und nicht zu verschnörkelt, ohne dabei langweilig zu wirken.

Ach ja, eine Besonderheit noch zum Thema Sound. Zum bisher erst zweiten Mal habe ich Trennwände auf einer Livebühne gesehen, um das Schlagzeug akustisch von Raum und dem Rest der Musiker zu entkoppeln und zum zweiten mal muss ich sagen: Der Aufwand, der wohl auch gar nicht so hoch ist, lohnt sich wirklich, denn so klar und brillant habe ich seit Alter Bridge in der Batschkapp, kein Schlagzeug mehr gehört.

FAZIT: Alles in allem ein gelungener Abend und auf jeden Fall den Eintritt wert. Schade war eigentlich nur, das natürlich viele gute Stücke von Genesis auf der Strecke bleiben mussten, immerhin war ja hier Ray Wilson unterwegs, der aus seiner musikalischen Geschichte erzählen wollte und das fabulös tat.
Ach ja, und dann natürlich dieses unleidige Thema Unterhaltung vs. Musik, aber in dieser Beziehung scheine ich der Exot zu sein, wenn man sich das Publikum mal angehört hat.

1 Kommentar:

  1. Hallo GrimReaper!
    Finde nicht, daß Du ein Exot bist, mich nerven sich unterhaltente Leute um mich herum auch immer. Egal ob im Kino- oder Konzertsaal. Weiß nicht, ob es an meinem Alter liegt, aber ich habe den Eindruck, daß das Phänomen in den letzten Jahren schlimmer geworden ist.
    Schöner Bericht zu Ray, den höre ich auch sehr gerne. Wir hatten letzten Monat das Vergnügen. Mir hat er zuviele Genesis Stücke gespielt, zumindest zuviele langweilige.
    Bei Interesse kannst Du auch gerne mal einen Blick in unseren Blog werfen. http://www.plueschblog.de/schottenrock/
    Allerdings fällt es mir immer schwer, mich kurz zu fassen.
    Wir gehen auch auf viele unterschiedliche Konzerte und ab und an verliert sich sogar nochmal ein Metalkonzert in den Terminkalender. Man wird mit dem Alter halt ruhiger. :-)
    Aber Fotos aus Aschaffenburg sind auch versteckt. :-)
    Viele Grüße
    Holly

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