Mittwoch, 17. April 2013

Konzert – Troy von Balthazar, The Loodies – Campus Uni Frankfurt – 13.4.2013

Das Cafe der katholischen und evangelischen Studentengemeinschaft an der Uni Frankfurt war der Schauplatz dieses etwas ungewöhnlichen Bedroomdisco-Konzerts. Aber wenn man nicht so von der Norm abgewichen wäre, wäre ich wohl nicht in den Genuss dieses Abends gekommen. Denn die knapp 100 Leute, die sich in dem Raum zwischen zwei Wohnheimen Platz gefunden haben, hätten wohl kaum in ein klassisches Wohnzimmer gepasst.

Entsprechend den Organisatoren und meisten Zuschauern, kam ich mir etwas deplatziert vor, aber auch ein wenig an meine Studienzeit zurück erinnert. Eine lustige Sache, die einige (schöne und weniger schöne) Erinnerung wach rief.

Pünktlichkeit zahlte sich bei diesem Konzert wirklich aus, da die später erschienen teilweise auf dem Boden Platz nehmen mussten, was ich nicht so furchtbar gut gefunden hätte. Und trotz des Publikums und der Location ging es pünktlich los, so das keine lange Wartezeit entstand.

Als erste betrat Troy von Balthazar die Bühne. Naja, genau genommen ging er in den Teil des Raumes, der dafür hergerichtet worden war. Man hatte sich alle Mühe gegeben, zumindest dort vorne so etwas die heimelige Atmosphäre zu schaffen, was, so finde ich, auch ganz gut gelungen war. Der Teil, in die Zuschauer saßen war zwar zweckmäßig, aber effektiv mit Stühlen besetzt worden, was wohl die große Zahl an Zuschauern förderte.
Troy sorgte allerdings von Anfang an dafür, das man vergas, wo man saß und führte gekonnt und lustig durch sein Programm.

Der Musikstil ist natürlich eindeutig Singer-Songwriter, begleitet sich der Amerikaner doch meistens auf der Gitarre selber. Allerdings belässt er es nicht dabei, sondern er setzt gekonnt und unaffektiert die Technik ein, indem er sich selber aufnimmt und loopt. Und das sogar mehrfach, was, obwohl nur ein Mann auf der Bühne steht, sehr interessante Liederstrukturen ermöglicht. Aber auch damit gibt sich der Hawaiianer noch nicht zufrieden, sondern er setzt ein Megaphon, eine große Rassel, ein elektrisches Kinderpiano und ein Keyboard ein. Letzteres benutzt er sogar, um sich eine Rhythmusgruppe zu ersetzen und gekonnt seine Stücke darüber zu spielen.

Als der Künstler, und um einen solchen handelt es sich bei Troy definitiv, nach einer knappen Stunde von der Bühne machen will, wird er vom Publikum erfolgreich wieder auf dieselbe geholt und zu einer Zugabe „genötigt“. Es macht ihm sichtlich Spaß, und er scheint gerührt, als auch die Zugabe dem Publikum noch nicht reicht, aber er muss das Feld räumen, immerhin soll noch eine zweite Band den Abend komplettieren.
Die Umbauphase nutzen die Zuhörer, um sich ein wenig die Beine zu vertreten und das bisher Gehörte zu verarbeiten und sich darüber auszutauschen. Die Organisatoren sorgen dafür, das auch die besagte zweite Band ein volles Auditorium vorfindet und keine größere Unruhe durch zu spä kommende Zuhörer entsteht. Sehr lobenswert und effektiv, vor allem für so seltsame Vögel wie mich, die auf Konzerte gehen, um die Musik zu hören und zu genießen.

The Loodies nennt die die Gruppe, die jetzt die eben schon beschriebene „Bühne“ betritt. Die 5 Musiker stammen aus Kanada und scheinen mir noch sehr jung zu sein. Ich bin ein wenig skeptisch, aber es zeigt sich, das es dafür keinen Grund gibt. Die 4 Jungs (Drums, Bass, Gitarre und Gesang und Gitarre) und ihre Keyboarderin machen aber von Anfang an klar, das man sich von ihrem Äußeren nicht täuschen lassen sollte. Ich habe gelesen, die Kanadier würden Indierock machen, was ja nun sehr viele Möglichkeiten bietet, aber was man dann zu hören bekommt ist schon sehr interessant und klingt sehr erwachsen.

Im Rock werden natürlich Anleihen gemacht, aber auch Ambient Elemente sind Teil der Musik, sowie Postrock Charakteristika. Und als der zweite Gitarrist dann auch noch eine Trompete zur Hand nimmt, ist man sogar genötigt, Experimental noch zu den genutzten Musikrichtungen hinzuzufügen. Wobei man das gerne tut, denn die Band vermischt diese Dinge mit einer Frische, Leichtigkeit und Originalität, das man noch weniger glauben kann, wen man vor sich hat.

Natürlich kommen auch The Loodies nicht um eine Zugabe herum, beenden den Abend dann aber recht zeitig, um den Anwesenden Zuhörern noch die Möglichkeit zu geben, unverspätet in das Nachtleben der Stadt einzutauchen.

Zügig leert sich der Raum und die Rückbauarbeiten beginnen. Wie üblich besteht natürlich bei einem so intimen Gig die Chance, die Künstler noch persönlich zu sprechen und ihre Werke nicht nur von ihnen persönlich zu erwerben, sondern sie eben auch noch signieren zu lassen. Ein Umstand, von dem doch einige Leute Gebrauch machen, so das die Begeisterung während des Konzerts sich auch hier weiter auf die Künstler überträgt, die gerne und viel Auskunft geben.

FAZIT: Ein echtes Erlebnis! Sowohl was die Idee der Bedroomdisco Konzert Reihe angeht (auch wenn es heute ein eher großer Bedroom war J ) als auch, was die Künstler angeht. Es ist nur Schade, das man, aufgrund des Ansturms auf diese Konzertreihe immer so lange dauert, bis man eine solche Chance geboten bekommt.
Naben den Künstlern, die ich ja oben schon reichlich gelobt habe, denke ich auch, das man sich bei den Organisatoren bedanken sollte, das sie es wohl immer wieder schaffen, interessante Künstler in doch eher kleine Locations zu holen. Bleibt zu hoffen, das dies noch lange so weiter geht und nicht von Organisationen wie der GEMA im Bürokratiesumpf ertränkt wird, und das ich die Chance erhalte, eine solche Veranstaltung mal am eigentlich gedachten Ort zu erleben.

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