Samstag, 15. Juni 2013

Konzert – Seven Steps tot he Green Door / Overhead – 7.6.2013, Das Rind, Rüsselsheim

Bei kaum einer anderen Band habe ich so viele Anläufe gebraucht, bis ich sie endlich mal live erleben durfte, und das stimmt im wahrsten Sinne des Wortes, denn dieser Konzertabend war mit einer der besten und ereignisreichsten, die ich erlebet habe.

Zum ersten Teil: Ich versuche, Seven Steps to the Green Door jetzt seit über einem halben Jahr zu erleben. Das klingt jetzt nicht viel, wenn man aber bedenkt, das sie in meiner Heimat (Rhein-Main und Hessen) recht häufig auftreten und ich es mir schon drei mal vorgenommen habe, sie zu sehen, es trotzdem immer wieder kurzfristig nicht geklappt hat aus den unterschiedlichsten Gründen.
Aber diesmal war ich fest entschlossen und es klappte auch. Und auch wenn es schon geniale Line-Ups mit den Jungs und Mädels gegeben hatte, so versprach doch Overhead auch ein Highlight zu werden, aber dazu natürlich später mehr.
Das Wetter war schon fast ein bisschen zu gut für ein Indoor Konzert, was in diesem Sommer ja schon was heißt, aber natürlich fand sich das gesamte Publikum pünktlich zum Konzertbeginn um 20:30 im Saal des Rind ein und es dauerte nur wenige Takte, bis klar war, wo es heute abend hingehen sollte.
Bestens präpariert, angetan von der Atmosphäre und gut gelaunt fackelten Seven Steps to the Green Door von der ersten Minute ein Feuerwerk der modernen progressiven Musik ab und schafften es, das Publikum bei jedem ihrer Songs oder auch den zwischenzeitlichen lustigen Einlagen immer besser in Stimmung zu bekommen. Es wurden Stücke von allen drei Alben der Band präsentiert, die sehr unterschiedlich, aber natürlich deswegen interessant und hörenswert sind.
Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, so kurzweilig war der Auftritt, aber sicher ist, das er zu kurz war, aber immerhin waren die Sachsen an diesem Tag ja nur Vorband, was schon fast einer Verschwendung gleich kommt.
Ein gelungener Auftritt, der Lust auf mehr macht. Alleine der bis zu vierstimmige, extrem gelungene Gesang verdient mehr Aufmerksamkeit. Aber kombiniert mit den verschachtelten, aber dennoch mitreißenden Songstrukturen, den stimmungsvoll, ehrlichen Stücken und der guten Stimmung der Musiker macht es quasi süchtig und man kann nur hoffen, das die neuen Stücke, die aufgenommen werden sollen, sich nahtlos an das bisherige Niveau anpassen, ein Umstand, den man sich nicht anders vorstellen kann, wenn man die Musiker reden hört.

Aber das war ja „nur“ die Vorband des Abends gewesen, und als die Bühne nach Ende des Auftritts fast vollkommen frei geräumt wird, überlegen die ersten schon, ob es tatsächlich noch einen weiteren Act geben wird. Aber die Jungs von Overhead lassen sich Zeit und bleiben dabei extrem cool, ohne das es zu lange zu dauern scheint, bis sie bereit sind, ihre vollkommen andere Interpretation von Progressive Neo-Rock  auf die Bühne zu bringen, als man es im Vorprogramm erlebt hat.

Immerhin seit mittlerweile 14 Jahren treiben sich die Finnen mit dieser Kombo im Musikgeschäft herum und haben dabei große Anerkennung innerhalb der Prog-Szene erfahren. In dieser Zeit haben die Jungs 4 Alben auf den Markt gebracht und sich eine größer und größer werdende Fanbase erspielt, die ihnen treu zur Seite steht.
An diesem Abend im Rind war das Publikum, soweit ich das beurteilen kann, recht durchmischt mit Leuten, die die Band das erst mal sahen und live hörten und denen, die Overhead bisher nur von Platten kannten.
Da ich zu letzter Gruppe gehörte, war ich sehr gespannt, was mich erwarten würde, und alleine der Aufbau und Soundcheck zeigte, das allen 5 Mitgliedern die Musik im Blut liegt. Professionell und unhektisch wurde das Prozedere durchgezogen und dann begann, eher unvorbereitet für das Publikum, auch schon das Konzert. Sehr in ihre Instrumente vertieft, verging die erste halbe Stunde fast ohne Interaktion der Band mit ihrem Publikum. Um so virtuoser waren die Klangwelten, die die Band auf die Bühne und in der Raum zauberte.

Immer wieder meinte man, das Konzept wäre verloren gegangen, aber dann fanden die Jungs doch wieder zusammen und brachten phasenweise richtig Bewegung ins Publikum, aber nur, um das dann wieder mit dem nächsten progressiven teil zu unterbrechen und neu aufzubauen. Ziemlich genial, was da geboten wurde.
Und als sich der Sänger schließlich sogar auf Interaktion mit dem Publikum einließ, wurde es noch besser und die Stimmung steigerte sich noch einmal. Und so unterschiedlich, wie das Aussehen der Bandmitglieder, so variantenreich war auch die Musik. Manchmal war ich (und ein Großteil des Publikums offensichtlich auch) nicht einmal sicher, ob ein Stück schon zu Ende war, oder ob es nur der nächste Wechsel innerhalb  desselben Songs war, den man da hörte.

Daraus machte sich Alex, der Sänger, schließlich auch seinen Spaß und dirigierte mit seiner Flöte im Stile eines Ian Anderson (Jethro Tull) das Publikum, oder tanzte, immer mit seinem Gleichgewicht kämpfend, vor seinen Bandkollegen. Sehr gelungene Show in diesem Teil der Show und ein echt gelungenes Konzert, das erst gegen Mitternacht zu Ende ging, nach immerhin drei Zugaben.

Ich persönlich fand das Konzert sehr gelungen und die Kombination der Band sehr interessant, allerdings hätte ich mir bei Overhead gewünscht, die Jungs hätten die eine oder andere Schleife in ihren Songs ausgelassen, denn manchmal wirkte es etwas arg langatmig. Außerdem, aber da bin ich wahrscheinlich meinem Alter erlegen, hätte ich bei diesem Konzert der Finnen wirklich gerne Sitzplätze gehabt, um mich noch besser auf die Musik und die Genialität der Musiker zu konzentrieren.

FAZIT: Ein, wie eigentlich immer im Rind, rundum gelungener Abend, der mir mal wieder zeigte, laut geht auch ohne Schmerzen und die Hoffnung leben lässt, das ich Seven Steps tot he Green Door nicht erst wieder nach drei Anläufen sehen werde.
DANKE wie immer an Bands, Veranstalter, Location und Zuschauer!

KEEP ROCKING!!!

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