Freitag, 21. Juni 2013

CD - Driven by Entropy - Driven by Entropy

Modern Metal aus Deutschland, und dann auch noch aus Frankfurt, dem Herzen der Rhein-Main Region. Da sich unter diesem Begriff mittlerweile sehr viele Bands und Musiker tummeln ist mir die Definition etwas zu allgemein, aber bereits das erste durch hören des Albums macht klar, wo es bei den Jungs von Driven by Entropy lang gehen soll. Allerdings, und das macht, so finde ich, den Unterschied zwischen Durchschnitt und Gut aus, ist es mit dem einmaligen hören der Platte nicht getan.
Zu vielschichtig ist die Musik, als das man sie beim ersten, zweiten oder dritten Hören in all ihren Feinheiten gehört hätte. Aber fangen wir am Anfang an, oder besser gesagt im Basement.

Variables, präzises Drumming stellt die Grundlage der Musik dar, die auf diesem Debüt geboten wird. Der Bass verbreitert, unspektakulär aber allzeit präsent, diese Basis dann noch, so das das ganze zu einem guten Fundament wird. Gitarren und Gesang haben dann darauf die Möglichkeit, sich zu entfalten und ihrem Spiel freien Lauf zu lassen. Und manchmal gelingt es auch eine gewisse Leichtigkeit aufzubauen, wobei ich vor allem die Wandlungsfähigkeit des Sängers bewundere.

Ob er nun Deathmetal typische Grunts oder Growls nutzt, um seine Emotionen zu artikulieren, oder aber den Text einfach aber routiniert heraus rotzt, wie man es vom Thrash Metal erwarten würde, ist egal. Immer glänzt die Stimme präzise und präsent im Vordergrund, geführt und begleitet von sehr präzise gespielten und gemischten Gitarren, die auch immer wieder die Chance bekommen und nutzen, zu glänzen.
Allerdings kann der Sänger der Frankfurter durchaus auch überzeugen, wenn es in die Passagen geht, in denen Klargesang gefordert ist. Verständlich, überzeugend und jederzeit treffgenau formuliert er den Gesang und auch plötzliche Wechsel zwischen den verschiedenen Gesangsstilen stellen keine Problem dar.

Wobei das bei einer Aufnahme natürlich durchaus durch mehrfache Takes erledigt werden kann, so das ich einmal persönlich erleben würde, wie diese abrupten Wechsel in einer Live Situation umgesetzt werden.
Allerdings stehen die Gitarristen ihrem singenden Kollegen kaum in etwas nach und prügeln ein Riff nach dem anderen runter, das es nur  so eine Freude ist. Und trotz der direkten Art ihrer Musik gelingt es den Bandmitgliedern immer wieder auch progressive und extrem melodiöse Elemente einzubauen, ohne dabei ihren Faden zu verlieren. Nicht zuletzt machen aber auch die ausgefeilten Solos die Stücke immer wieder interessant, die auch immer wieder überraschendes hervorbringen.

Dieses interessante Gitarrenspiel könnte nicht zuletzt an einem weiteren Einfluss liegen, den Driven by Entropy in ihre Musik einfließen lassen, nämlich den Djent. Ich muss zugeben, das ich erst nachschauen musste, was diese Musik genau ausmacht aber ich denke, vor allem das harte dämpfen der Saiten mit dem Handballen macht die Musik sehr viel direkter, weil es weniger, vielleicht ungewollte, Tonverläufe gibt, was das wahrnehmen der gemeinten Musiklinie wohl noch ein bisschen verbessert.

Alles in Allem ein  extrem interessantes, vielseitiges und originelles Album, mit dem die Frankfurter, so denke ich, ihre eigene Musik geschaffen haben, die sie hoffentlich von einem Geheimtipp wegbringt und sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Man sollte dabei aber nie vergessen, das es moderner, aggressiver, harter und lauter Metal ist, den die Jungs da machen, es also mit Sicherheit keine Musik für jedermann ist, aber innerhalb  der Metal-Fans sollte man sich die Scheibe ruhig mal zu Gemüt führen.

FAZIT: Ein gelungenes Debüt, dem man  nur wünschen kann, das es nicht der einzige Stern in der Geschichte der Band bleiben wird. Klar und sauber produziert, kraftvoll und variabel gespielt und gesungen.
Anspieltip: Escaping, sehr schönes Midtempo Stück, das viel der erwähnten Elemente beinhaltet.

Dienstag, 18. Juni 2013

CD – Panteón Rococó – Panteón Rococó

Jetzt, wo ich das erste mal eine CD dieser Kombo in die Hände bekommen habe, ärgere ich mich tierisch, sie auf dem Open Flair letztes Jahr verpasst zu haben, denn was die Jungs alleine auf ihren Platten an Energie rüberbringen, das muss live wohl noch mal getoppt werden. Dank Youtube habe ich zwar einige Auftritte mittlerweile sehen können, aber offensichtlich ist das etwas vollkommen anderes, als wirklich Live dabei z u sein.

Die Mexikaner machen, für allem die es nicht wissen, eine Mischung aus Jazz, Salsa, Rumba, Reggea Cumbia, Jazz, Elektro, Rock und Pop. Mit anderen Worten, sie mischen die Musik ihrer Heimat mit den westlichen Einflüssen und machen daraus eine extrem mitreißende und tanzbare Musik, die jeden, der Rhythmus im Körper hat fast zwangsläufig zum mitmachen bewegt. Ich war selber überrascht, wie toll die mexikanischen Texte sich in die Musik einfügen und diese wunderbar ergänzen. Und auch, wenn man kaum etwas von den Texten versteht, reißt einen die Musik sofort mit und bringt jede Zuschauermenge innerhalb von ein paar Takten dazu, sich dem Rhythmus zu unterwerfen.

Die Musik hat immer, egal worum es im Text geht, einen extrem gute Laune Effekt, weswegen ich einige der Platten der Mexikaner ab sofort zu meinem Standard Repertoire hinzugefügt habe. Aber in den Texten geht es nicht immer so lustig zu, wie es die Musik vermuten lässt, die Musiker verarbeiten natürlich ihre Gefühle, setzen sich aber auch, wie viele ihrer Freunde aus der  Region, für die Rechte der Entrechteten Ureinwohner ihrer Länder ein. Sie nutzen also, so wie es ursprünglich ja auch mal im Punk gedacht war, die Musik dazu, eine politische Botschaft zu vermitteln.

In Europa haben das leider sehr viele Bands dieses Genres vergessen und nennen ihre Musik nur noch so, weil sie dem Dilettantismus nacheifern, ob aus Unfähigkeit oder aus Prinzip ist wohl sehr unterschiedlich.
Aber zurück zu Panteón Rococó, die in Europa und vor allem in Deutschland ein gerne gesehener Gast sind, garantieren sie doch massive Bewegung im Publikum und extreme Action auf der Bühne. Auf den Platten merkt man aber auch, das jedes Instrument das ist, wonach es klingt. So gibt es natürlich E-Gitarre, E-Bass und Drums, aber eben auch Akkordeon, Trompeten, Posaunen, Saxophon und auch einen eigenen DJ bringen die Jungs mit, der zusammen mit dem Percussionisten eine immer wieder überraschende Wendung in der Musik schafft.

Und auch, wenn man die Sprach der Band in keiner Weise versteht, fühlt man sich nach einigen Durchläufen animiert, mitzusingen, was wahrscheinlich zu einigen lustigen Effekten führen würde, wenn man denn verstehen würde, was man da singt. Aber das stört wahrscheinlich kaum jemanden, weder im eigenen Wohnzimmer noch auf einem Konzert. Und das ist, so denke ich mir, die echte Domäne der Mexikaner, denn langsame Stücke oder schlechte Stimmung scheinen sie nicht zu kennen.


FAZIT: Musik, die zum Mitmachen schon fast zwingt. Ich jedenfalls kann nur sagen, das ich nicht ruhig 
halten kann, egal wann und wo ich diese Scheibe gehört habe. Und mal wider eine Scheibe, bei der ich kein Stück herausheben möchte. Einfach  mal die Scheibe anhören und selber entscheiden.

Samstag, 15. Juni 2013

Konzert – Seven Steps tot he Green Door / Overhead – 7.6.2013, Das Rind, Rüsselsheim

Bei kaum einer anderen Band habe ich so viele Anläufe gebraucht, bis ich sie endlich mal live erleben durfte, und das stimmt im wahrsten Sinne des Wortes, denn dieser Konzertabend war mit einer der besten und ereignisreichsten, die ich erlebet habe.

Zum ersten Teil: Ich versuche, Seven Steps to the Green Door jetzt seit über einem halben Jahr zu erleben. Das klingt jetzt nicht viel, wenn man aber bedenkt, das sie in meiner Heimat (Rhein-Main und Hessen) recht häufig auftreten und ich es mir schon drei mal vorgenommen habe, sie zu sehen, es trotzdem immer wieder kurzfristig nicht geklappt hat aus den unterschiedlichsten Gründen.
Aber diesmal war ich fest entschlossen und es klappte auch. Und auch wenn es schon geniale Line-Ups mit den Jungs und Mädels gegeben hatte, so versprach doch Overhead auch ein Highlight zu werden, aber dazu natürlich später mehr.
Das Wetter war schon fast ein bisschen zu gut für ein Indoor Konzert, was in diesem Sommer ja schon was heißt, aber natürlich fand sich das gesamte Publikum pünktlich zum Konzertbeginn um 20:30 im Saal des Rind ein und es dauerte nur wenige Takte, bis klar war, wo es heute abend hingehen sollte.
Bestens präpariert, angetan von der Atmosphäre und gut gelaunt fackelten Seven Steps to the Green Door von der ersten Minute ein Feuerwerk der modernen progressiven Musik ab und schafften es, das Publikum bei jedem ihrer Songs oder auch den zwischenzeitlichen lustigen Einlagen immer besser in Stimmung zu bekommen. Es wurden Stücke von allen drei Alben der Band präsentiert, die sehr unterschiedlich, aber natürlich deswegen interessant und hörenswert sind.
Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, so kurzweilig war der Auftritt, aber sicher ist, das er zu kurz war, aber immerhin waren die Sachsen an diesem Tag ja nur Vorband, was schon fast einer Verschwendung gleich kommt.
Ein gelungener Auftritt, der Lust auf mehr macht. Alleine der bis zu vierstimmige, extrem gelungene Gesang verdient mehr Aufmerksamkeit. Aber kombiniert mit den verschachtelten, aber dennoch mitreißenden Songstrukturen, den stimmungsvoll, ehrlichen Stücken und der guten Stimmung der Musiker macht es quasi süchtig und man kann nur hoffen, das die neuen Stücke, die aufgenommen werden sollen, sich nahtlos an das bisherige Niveau anpassen, ein Umstand, den man sich nicht anders vorstellen kann, wenn man die Musiker reden hört.

Aber das war ja „nur“ die Vorband des Abends gewesen, und als die Bühne nach Ende des Auftritts fast vollkommen frei geräumt wird, überlegen die ersten schon, ob es tatsächlich noch einen weiteren Act geben wird. Aber die Jungs von Overhead lassen sich Zeit und bleiben dabei extrem cool, ohne das es zu lange zu dauern scheint, bis sie bereit sind, ihre vollkommen andere Interpretation von Progressive Neo-Rock  auf die Bühne zu bringen, als man es im Vorprogramm erlebt hat.

Immerhin seit mittlerweile 14 Jahren treiben sich die Finnen mit dieser Kombo im Musikgeschäft herum und haben dabei große Anerkennung innerhalb der Prog-Szene erfahren. In dieser Zeit haben die Jungs 4 Alben auf den Markt gebracht und sich eine größer und größer werdende Fanbase erspielt, die ihnen treu zur Seite steht.
An diesem Abend im Rind war das Publikum, soweit ich das beurteilen kann, recht durchmischt mit Leuten, die die Band das erst mal sahen und live hörten und denen, die Overhead bisher nur von Platten kannten.
Da ich zu letzter Gruppe gehörte, war ich sehr gespannt, was mich erwarten würde, und alleine der Aufbau und Soundcheck zeigte, das allen 5 Mitgliedern die Musik im Blut liegt. Professionell und unhektisch wurde das Prozedere durchgezogen und dann begann, eher unvorbereitet für das Publikum, auch schon das Konzert. Sehr in ihre Instrumente vertieft, verging die erste halbe Stunde fast ohne Interaktion der Band mit ihrem Publikum. Um so virtuoser waren die Klangwelten, die die Band auf die Bühne und in der Raum zauberte.

Immer wieder meinte man, das Konzept wäre verloren gegangen, aber dann fanden die Jungs doch wieder zusammen und brachten phasenweise richtig Bewegung ins Publikum, aber nur, um das dann wieder mit dem nächsten progressiven teil zu unterbrechen und neu aufzubauen. Ziemlich genial, was da geboten wurde.
Und als sich der Sänger schließlich sogar auf Interaktion mit dem Publikum einließ, wurde es noch besser und die Stimmung steigerte sich noch einmal. Und so unterschiedlich, wie das Aussehen der Bandmitglieder, so variantenreich war auch die Musik. Manchmal war ich (und ein Großteil des Publikums offensichtlich auch) nicht einmal sicher, ob ein Stück schon zu Ende war, oder ob es nur der nächste Wechsel innerhalb  desselben Songs war, den man da hörte.

Daraus machte sich Alex, der Sänger, schließlich auch seinen Spaß und dirigierte mit seiner Flöte im Stile eines Ian Anderson (Jethro Tull) das Publikum, oder tanzte, immer mit seinem Gleichgewicht kämpfend, vor seinen Bandkollegen. Sehr gelungene Show in diesem Teil der Show und ein echt gelungenes Konzert, das erst gegen Mitternacht zu Ende ging, nach immerhin drei Zugaben.

Ich persönlich fand das Konzert sehr gelungen und die Kombination der Band sehr interessant, allerdings hätte ich mir bei Overhead gewünscht, die Jungs hätten die eine oder andere Schleife in ihren Songs ausgelassen, denn manchmal wirkte es etwas arg langatmig. Außerdem, aber da bin ich wahrscheinlich meinem Alter erlegen, hätte ich bei diesem Konzert der Finnen wirklich gerne Sitzplätze gehabt, um mich noch besser auf die Musik und die Genialität der Musiker zu konzentrieren.

FAZIT: Ein, wie eigentlich immer im Rind, rundum gelungener Abend, der mir mal wieder zeigte, laut geht auch ohne Schmerzen und die Hoffnung leben lässt, das ich Seven Steps tot he Green Door nicht erst wieder nach drei Anläufen sehen werde.
DANKE wie immer an Bands, Veranstalter, Location und Zuschauer!

KEEP ROCKING!!!

Donnerstag, 13. Juni 2013

Konzert – Skullboogey und Orange Goblin – 4.6. Zoom Frankfurt

Das ist das erste Konzert, das ich besucht habe, wegen der Vorband, denn nicht nur hatte ich einen GL-Platz von den Jungs von Skullboogey gewonnen (Danke dafür noch mal), sondern ich war eben durch ihre Aktion erst auf das Konzert aufmerksam geworden. Es ist zwar schon eine Weile her. seit Orange Goblin den Weg auf meine Liste der „würde ich gerne mal live erleben“ gefunden haben, aber manchmal lohnt sich das Warten ja.

Meine Erfahrungen mit der Location waren leider bisher nicht sonderlich gut, aber ich hoffte, das man vielleicht endlich das Ende der Laustärkenspirale erreicht haben würde, die in Rhein-Main scheinbar von sehr vielen Venues mit gedreht worden ist. Da der Termin mitten in der Woche lag, musste man befürchten, das selbst der kleine Saal des Zoom nur spärlich gefüllt sein würde.

Also sorgte ich dafür, das ich zumindest rechtzeitig dort sein würde, was, wie sich dann bal herausstellen sollte, relativ viele Zuschauer gemacht hatten, so das um 20Uhr30, als die Jungs aus dem Taunus pünktlich die Bühne betraten, bereits gut 60-70 Leute den Raum füllten und für einen ansprechenden Start in den Abend sorgten. Das Publikum wurde dann sogar noch etwas zahlreicher während Skullboogey ihren begeisternden Heavy-Stonerrock von Stapel ließen.

So waren nach einigen Wenigen Stücken bestimmt mehr als 100 Leute dabei, als die Band sich alle Mühe gab, die Stimmung weiter zu verbessern, was Ihnen auch gelang. Ich persönlich, aber wie immer stehe ich mit dieser Meinung wohl alleine, fand es zwar schon grenzwertig, was die Laustärke angeht, so das mir übles schwante, bedenkt man, das es normalerweise von Band zu Band an einem Abend immer lauter wird.
Aber erst mal galt es, das Geschenk der Jungs von Skullboogey anzunehmen und die Show und Songs zu genießen. Eine wirklich gelungene Vorstellung legten die Jungs auf die Bühne und bereiteten so den Grundstein für die Stimmung, die bei Orange Goblin aufkommen sollte.

Von diesem zweiten Teil des Konzerts kann ich leider nur sehr wenig berichten, weil ich nach ca. 45 Minuten gegangen bin, als mir, selbst durch meine Ohrenstöpsel, die Ohren anfingen zu klingeln. Ich habe versucht, eine Stelle im Raum zu finden, an der nicht sämtliche Ausstattung im Takt der Musik vibrierte, aber das war unmöglich. Selbst kurz vor dem Ausgang drückte der Bass dermaßen in den Magen, das es schon weh tat.
Vielleicht bin ich einfach zu alt für so einen …. Kram, aber andere Locations schaffen es doch auch, laut zu sein, ohne nahe an die Körperverletzung ihrer Gäste zu geraten.
Wie dem auch sei. Durch den frühen Abbruch meines Konzerterlebnisses dieses Abends konnte ich zumindest auf eine Gute Show mit Skullboogey zurückschauen, derentwegen ich ja nun auch mal an diese Abend da war. Wobei man sagen muss, wenn eben eine Vorband schon an die physikalischen Grenzen der Räume heran geht, was die Lautstärke angeht, bleibt den Hauptbands, zumindest scheinen das die Tonmeister so zu sehen, nichts anderes übrig, als diese Grenzen zu überschreiten.


FAZIT: Schade, das dieser zweite Besuch bei einem Konzert  im Zoom meine Meinung über die Eignung von Location und Personal nicht verbessert hat. Es bleibt zu hoffen, das man vielleicht irgendwann mal ein Einsehen hat, das laut nicht immer besser ist, aber bis dahin werde ich mir wohl zwei bis dreimal überlegen, ob ich das Zoom noch einmal für ein Konzert besuche.
Danke an Skullboogey und alle Fans, die mitgefeiert haben und hoffentlich bis bald und dann vielleicht mal ein bisschen länger.
KEEP ROCKING \m/

Montag, 10. Juni 2013

CD – Dark Tranquility – Construct

Ganz sicher nicht so sperrig wie der Titel (Construct) ist dieses Album, wenn der seinerseits auch kurz und knackig herüberkommt. Aber was man darunter dann alles verstehen will und kann, kann dann doch recht umfangreich sein. Bei dem Begriff und dem Zusammenhang mit Dark Tranquility kam mir als erstes ein Gedankengebäude in den Sinn, ein sehr theoretisches Ding, aber dann eben auch Gebäude an und für sich. Und als Frankfurter denkt man dann natürlich sofort an Hochhäuser, mit Sicherheit etwas großes und sperriges.

Aber der Titel der neuen Scheibe der Schweden (ja, auch dieser Vertreter der melodischen Death Metal kommt aus dem Norden Europas) soll hier nur als Aufhänger dienen. Mir geht es um die Musik auf der neuen CD und die ist, so einfach kann man das zusammenfassen, mal wieder absolut genial. Vielseitig und vielschichtig, mal aggressiv mal sanft. Alleine die Flexibilität von Sänger Mikael Stanne ist immer wieder faszinierend. Die Band lässt sich ungern in ein Genre einstufen, aber zumindest die Umwelt hat ihnen (mit anderen) die Schaffung eines eigenen Genres zugeschrieben.

Und dieses Genre füllen sie mit jeder Scheibe mit neuem Leben, oder die Grundzüge ihrer Musik zu vergessen oder zu verraten. Dark Tranquility sind mal wieder in der Lage, eine Scheibe zu präsentieren, die von allem etwas hat. Melancholische Low-Tempo Stücke (None Becoming) getragene, hymnische Werke (Uniformity) und wahre Knaller mit Tempo und Gefühl (The Science of Noise). Also eine Scheibe für jeden, der die Jungs schon immer mochte, aber durchaus auch etwas für jemanden, der wissen will, das diese Musikrichtung, Made in Northern Europe, denn so ausmacht.

Und da ich mir mal wieder nicht die Standard Version der CD gekauft habe, sondern mir, guten Gewissens, die Extended Version gegönnt habe, habe also nicht nur den Genuss der 10 neuen Stücke, sondern auch noch einige Liveaufnahmen der Band. Hierbei muss man ehrlich sagen, das die Aufnahmen aus Mailand echt hörenswert sind (13 Stücke), sowohl von der Qualität, als auch von Songauswahl und der Stimmung. Das Konzert erinnert schon fast an ein Best-of-Album. Einfach großartig!
Dann allerdings folgen zwei Stücke, die auf dem With Full Force Festival aufgenommen wurden und man fragt sich ernsthaft, ob man hier die Aufnahme einer Handykamera benutzt hat, denn ehrlich gesagt haben viele Aufnahmen mit solchen Geräten auf YouTube mittlerweile eine bessere Qualität.

FAZIT: Eine, mal wieder, rund rum gelungene Platte aus Schweden, deren einziger Schwachpunkt ist, das sie enden muss und natürlich (und da muss mal schon lange suchen) die extrem schlechten Live Aufnahmen ganz am Ende.
Mit anderen Worten, Dark Tranquility hat die Messlatte mal wieder ein Stück nach ober verschoben, was „ihr“ Genre betrifft.


Donnerstag, 6. Juni 2013

CD – Battle Beast – Battle Beast

Die Finnen sind ein guter Beweis dafür, das Bandwettbewerbe durchaus ihre Berechtigung haben. Haben es die Jungs und Mädels es doch immerhin innerhalb von 3 Jahren vom Gewinner des Wacken Nachwuchswettbewerbs „Metal Ballte“ zum durchaus beachtenswerten Act geschafft und bringen mit ihrer zweiten Platte eine bemerkenswerte Scheibe auf den Markt. Das sie mittlerweile bei Nuclear Blast unter Vertrag sind zeigt auch, das die Dönzdorfer ein Gespür für Qualität haben.

Natürlich ist das Label nur die eine Seite, denn immer noch entscheiden sich einige Fans nur nach Qualität dafür, ob sie eine Band unterstützen oder nicht. Aber ich denke, Battle Beast wird sich durchaus eine größere Gruppe an treuen Fans erspielen können, wenn sie ihren Stil beibehalten und vielleicht noch die eine oder andere Schwäche ausbügeln.

Um dann aber mal mit einer der Stärken der Finnen zu beginnen, möchte ich den Gesang erwähnen, der nicht nur extrem markant ist, sondern auch sehr variabel. Genau wie die Musik sich ständig in neuen Tempi einfindet, so variiert auch die Sängerin ihr Instrument. Mal kraftvoll, im Stile einer Doro Pesch, mal sanft und melodisch, das man schon fast glaubt, eine Melodic Rock Band vor sich zu haben, und dann wieder wild und rau, wie ein Robb Halford.

Ich weiß, das ich hier große Namen in den Mund nehme, um den Gesang zu charakterisieren und mit Sicherheit werden mir nicht alle Hörer zustimmen, aber ich glaube, in Verbindung mit dem teilweise echt genialen Songwriting und den verspielten, aber originellen, Soli ergibt sich eine Musik, die man in dieser Zusammenstellung heute nur noch selten hört. Und da die Musiker (und natürlich ihre Produzenten) auch vor gewagten Effekten und dem Einsatz stimmiger Samples nicht zurückschrecken, kann ich nur sagen, das ich diese Platte wohl am Ende des Jahres in meiner persönlichen Bestenliste haben werde.

Aber, wo Licht ist, ist auch Schatten, und so muss ich, nach längerer Pause, mal wieder bemängeln, das es offensichtlich immer noch den Lautheitskrieg gibt, der auch dieser Platte leider bis fast zur Spitze getrieben wird, so das eine Dauerrotation der Scheibe nicht ohne weiteres möglich ist. Natürlich macht das die Musik nicht schlechter, aber es macht sie, zumindest empfinde ich das so, schlechter hörbar. Immer wieder merkte ich beim Hören, das ich „müde“ wurde und eine Pause brauchte. Nicht, das es genug andere, gute Musik in meiner Sammlung gibt, aber ein kleiner Wermutstropfen ist es für mich auf jeden Fall.


FAZIT: Eine wunderschöne, originelle, abwechslungsreiche Platte, die die Besten Seiten des Heavy Metal vereint, ohne den Blick über den Tellerrand zu vergessen. Thrash-, Death-, Melodic-Metal, alles das verarbeitet Battle Beast erfolgreich in ihrer zweiten Platte und es bleibt zu hoffen, das wir auch weiterhin von den Finnen hören.
Mein Favorit auf einer starken Platte ist eindeutig Kingdom und das nicht nur wegen der Länge, sondern auch, weil es viel Elemente in einem Song zusammenbringt, die Battle Beast von der Masse abheben.

Montag, 3. Juni 2013

CD – Deez Nuts – Bout it

Die Band existiert in dieser Zusammensetzung erst seit 2007, aber mit Bout It bringen die Australier schon ihre vierte Scheibe auf den Markt, und mal wieder zeigen sie, das sie zu den Bands gehören, die weiterhin an der Entwicklung des Hardcore arbeiten, ohne dabei in den Post-Bereich zu kommen. Nicht, das es auch dort interessante Bands und Musiker gibt, aber nach der Schwemme an HC Bands um die Jahrtausendwende, ist es doch erfrischend zu sehen, das es noch Leute gibt, die den ursprünglichen Geist der Musik hochhalten, sowohl musikalisch, als auch textuell.

Ob man die Musik mag, hängt natürlich vom persönlichen Geschmack ab, aber mit ihren, immer wieder von Rap beeinflussten „Gesangs“-Einlagen, sind die Jungs Deez Nuts im Jahr 2013 doch eher eine Seltenheit geworden, was ihre Musik wieder interessanter macht. Immerhin hört man nicht mehr an jeder Ecke eine Band, die immer und immer wieder dasselbe wiederholt.

Und da die Jungs um JJ Peters auch nicht vergessen, immer mal wieder ihre Metalwurzeln zu zelebrieren, ergibt sich auch auf der neuen Scheibe wieder ein explosiver Mix. Zwar ist die Scheibe mit knapp 30 Minuten relativ kurz geraten, aber erstens ist das natürlich nicht ganz genreuntypisch und die Musik, die in dieser Zeit aus dem Kopfhörer dröhnt ist energetisch kaum zu überbieten und man fragt sich, wie man glauben konnte, das der Hardcore nicht nur seine Zenit überschritten hat, sondern eben sogar auf dem aussterbenden Ast sein würde.

Deez Nuts zeigen mit dem vorliegenden Album mal wieder, das ihr Musikstil zwar nicht mehr zum sogenannten Mainstream gehört, aber mit einer solchen Intensität, wie ihn die Australier zelebrieren, durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Man darf gespannt sein, wie die Jungs mit ihrem erweiterten Katalog wieder die Bühnen dieser Welt einreißen werden. Denn dafür, und das merkt man auf der Platte von Anfang bis Ende, wurde diese Musik offensichtlich geschrieben.

FAZIT: Eine der letzten großen, klassischen NY Hardcore Kapellen macht das, was sie am Besten kann, und beweist, das eine Musik nicht nur zu ihrer jeweiligen Hoch-Zeit gespielt werden kann, sondern das man sich auch gegen eine Totsagung erfolgreich (und laut) zur Wehr setzen kann.
STAY HEAVY!