Montag, 23. Februar 2015

(Hör)Buch - Die Tor der Welt - Ken Follett (vollständige Lesung)

Vor Jahren hatte ich den ersten Teil dieser kleinen Serie schon gelesen (oder genauer gesagt, gehört). Dieser dürfte wohl auch vielen bekannt sein, immerhin begründet Die Säulen der Erde ja nicht unerheblich den Ruhm des Autors, zeichnete er doch dort schon eine spannende Geschichte persönlicher Probleme und Intrigen vor dem Hintergrund einer historischen Welt, die sich den meisten Menschen doch entzieht.

Da ich mittlerweile wieder etwas mehr Zeit mit Hörbüchern als mit schnöder Musik verbringe, habe ich mir als eines der ersten Werke dieses Mammutwerk vorgenommen. Ich kannte ja Folletts Schreibstil und wusste, das ich damit klar kommen würde und tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht. Denn sowohl beim Lesen, als auch beim Hören ist die Sprache des Briten sehr eingängig und gefällig. Wie ich es kannte, schreibt er in kurzen, einfachen Sätzen ohne das die Geschichte dadurch trivialisiert würde.
Man kann dadurch jederzeit den Gedanken folgen und verliert nicht den Faden der Szene oder der Geschichte aus den Augen. Es mag sein, das es Leute gibt, die diese Sprache zu simpel bezeichnen würden, ich persönlich finde aber, das die Sprache j nur Mittel zum Zweck ist, also vor allem verständlich sein sollte.

Dies gelingt Ken Follett auch in diesem Werk wieder, das mit 50 Stunden Dauer schon zu den längsten Werken zählt, das ich persönlich kenne, sehr gut. Und nicht nur das trägt zum sehr guten ersten Eindruck bei, sondern auch die Tatsache, das der Spreche, Tobias Kluckert, eine angenehme, unaufgeregte Stimme zur Verfügung stellt, um die Geschichte in der angemessenen Form zu tragen. Leider wird einem erst bewusst, wie wichtig der Sprecher bei einem solchen Hörbuch ist, wenn man einmal einen schlechten erlebt hat, so das ein unauffälliger Sprecher also schon auf Qualität hinweist. Schade, aber das ist wohl das Los solcher im Hintergrund wirkender Künstler.


Nun aber zu dem Buch und dessen Inhalt. Die Geschichte spielt an derselben Stelle wie Die Säulen der Erde allerdings etwas mehr als 150 Jahre später und beginnt im Jahr 1327. Kingsbridge hat sich weiter entwickelt, genau so wie es das ganze Land, ja der ganze Kontinent getan hat, aber viele Dinge sind geblieben und ermöglichen es dem treuen Leser sich noch ein wenig zurecht zu finden. Natürlich sind die Charaktere vollkommen neue und nur entfernt mit denen aus Die Säulen der Erde verwandt, wenn überhaupt. Und gerade deswegen ist es nicht erforderlich, den ersten Teil dieser Mini-Serie gelesen zu haben. Alles wird ausreichend genau erklärt, wie man es von Follett gewohnt ist.

Die vier Charaktere um die sich die ganze Geschichte dreht sind zu Beginn des Buches noch Kinder und aus verschiedenen Gründen in der Stadt Kingsbridge. Und wie sich das gehört machen sie natürlich nicht, was ihre Eltern ihnen sagen und erleben dadurch eine Situation, die sie für den Rest ihres Lebens aneinander schweißen wird. Aber nicht nur ihr Leben beeinflusst diese gewaltsame Begegnung, sondern die soll sogar bedeutsam für die große Politik der Zeit werden, wie sich allerdings erst langsam mehr und mehr herausstellt.

Und auch wenn die vier zwangsweise Verbündeten zu Beginn unterschiedlichen Gesellschaftsschichten entstammen, so ist aller Lebensweg doch von jeder Menge Entbehrungen, Enttäuschungen und Rückschlägen gekennzeichnet. Allerdings, und das ist auf der einen Seite eine Stärke des Romans, auf der anderen eine Schwäche, ist die Entwicklung oft sehr absehbar. Denn natürlich ist die Gesellschaft des 14. Jahrhunderts noch geprägt von Aberglaube und Vorurteilen, aber das macht es natürlich auch schwer, glaubwürdige Überraschungen zu erwarte oder zu schreiben.

Ich persönlich finde das Sittengemälde, das in dem Buch von der Zeit gemalt wird, sehr glaubwürdig, wenn einem die eine oder andere Szene auch etwas grausam oder ordinär erscheint. Aber ich denke, das diese Darstellung wohl der Wahrheit der Zeit entspricht und ich finde, sie wird mit dem nötigen Detailreichtum beschrieben, ohne voyeuristisch zu wirken. Natürlich muss so etwas jeder Leser für sich selber entscheiden, aber wer einen historischen Roman liest, darf halt nicht moderne Prüderie erwarten.


Ohne zu sehr auf den Inhalt einzugehen, denn ich will ja keinen Spoileralarm geben müssen, muss ich sagen, das mir die Geschichte bis etwa 80% gut gefallen hat, wenn sie auch eher davon geprägt ist, das in der patriarchalisch Gesellschaft der Gotik derjenige gewinnt, der rücksichtslos seiner Ziele verfolgt. Und zwar, so hat man den Eindruck, je rücksichtsloser und gewalttätiger, desto besser.

Am Ende des Buches (die letzten 20% würde ich gefühlt sagen) kommt ein Teil, der die Geschichte ein wenig in Richtung eines versöhnlichen Ausgangs lenkt. Man könnte auch sagen, der Autor versucht, das Gerechtigkeitsempfinden einer modernen Gesellschaft in die Geschichte einfließen zu lassen, was an und für sich nicht so falsch ist, deprimiert doch der Triumph des Bösen und Schlechten auf Dauer. Allerdings passiert das, meiner Meinung nach, teilweise zu abrupt, als hätte man gemerkt, das das Buch zu einem Ende kommen müsse. Oder aber es passiert ohne die aus dem Verlauf des Buches bekannten teils ausschweifenden Ausführungen und ohne irgendwelche Erklärungen.


FAZIT
Ein über weite Strecken sehr schönes Werk, das einen Einblick in das Lebens einfacher Leute in der Zeit gibt, ohne dabei die große Historie zu vergessen, die der Beginn des 100 jährigen Krieges darstellt. Leider muss ich sagen, das das Ende etwas zu überhastet und angepasst erscheint, als das ich das Buch uneingeschränkt empfehlen könnte.
Wer aber Kenn Follett mag und historische Romane ist hier bestimmt richtig aufgehoben.

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