Dienstag, 24. Februar 2015

Konzert - Bastardo und Stonesphere - 21.2.2015 - Moshpit Flörsheim

Flörsheim? Ja, kenne ich, fahre ich regelmäßig durch.
Moshpit in Flörsheim? Nie gehört.
Ist eine Veranstaltung in der Rangierbar im Bahnhof.
Klingt cool und scheint ja ideal gelegen zu sein.

Und tatsächlich, die Rangierbar ist genau 20 Meter von den Gleisen der Bahn entfernt, auf der die Züge von Frankfurt nach Wiesbaden fahren. Einmal um das Gebäude des Bahnhofs herum und schon steht man an einer kleinen Treppe, die einen in den Veranstaltungsort bringt. Diese geht allerdings, anders als man vielleicht vermuten würde, nach oben und dann betritt man eine schöne, kleine aber feine Kneipe, die links die Bar mit Mischpult und rechts die Bühne offenbart.

Die Größe hat mir beim ersten Betreten etwas zu denken gegeben, immerhin ist es nicht ganz leicht, einen solchen Raum laut aber nicht zu laut zu machen. (Ja, ich weiß, mit der Annahme, das Rock oder Metal auch ZU laut sein kann, stehe ich ziemlich alleine da.) Aber die Verantwortlichen vor Ort verstehen ihren Job in dieser Hinsicht wirklich gut. Denn nicht nur, das sie immer wieder großartige Veranstaltungen durchführen, sondern auch der Sound während eben dieser ist, soweit ich das bisher mitbekommen habe, ist super.

An diesem Abend also sollte es mal wieder tief, schleppend und trocken zur Sache gehen. Heavy, Stoner, Dessert, Metal. Das waren die Schlagworte, unter denen der die Veranstaltung lief und die geladenen Bands sollten perfekt dazu passen.


Als erstes enterten (zwar erst gegen 21:15) die Marburger von Bastardo die Bühne. Der Startzeitpunkt schien sehr spät gewählt, aber da leider nur zwei Bands am Start waren, reichte die Zeit auch so noch, um mit der Bahn den Ort in Ruhe verlassen zu können. Die Band schaffte es sehr zügig, die Zuschauer vor der Bühne zu versammeln und wenn es auch nicht zu den geforderten Tänzen reichte, so war doch allenthalben heftiges Kopfnicken zu sehen, das auch nicht nachlassen sollte, bevor der Auftritt zu Ende war.

Ich war am Anfang etwas erstaunt über die Lage des Instruments beim Bassisten, denn es hatte den Anschein, das dieser lediglich in der Lage sein würde, die oberste Saite zu erreichen. Nicht das das bei der Musik, die man erwarten konnte, hinderlich gewesen wäre, aber es wäre wohl ein wenig einsaitig geworden. Es stellte sich aber heraus, das doch alles Saiten zum Einsatz kommen sollten. Und dieses Bassspiel bildet, zusammen mit den extrem trocken klingenden Drums, ja bekanntlich die Basis dieser Dessert-Stoner-Heavy-Metal Mischung.

Die Drums gefielen mir so extrem gut, wenn ich sie auch lange nicht mehr so gehört hatte auf Konzerten. Echt geil. Aber natürlich nutzten die beiden Gitarristen diese fette Basis, um sich mit harten Riffs und verspielten Solos davon abzusetzen und sie genial zu ergänzen. Aber das ganze diente schlussendlich natürlich nur dazu, dem rauen Gesang den Weg von der Bühne in die Ohren der Zuhörer zu ebnen.
Und ich zumindest kann nichts anderes sagen, als das es den Jungs gelungen ist, diesen Weg zu finden und schlussendlich die Füße und Nacken der Zuhörer zu erreichen.

Aber trotz der Erfüllung der Erwartungen der meisten Zuhörer, gelang es den Musikern doch immer wieder mit Elementen zu überraschen. So gab es, nicht vollkommen überraschend, immer wieder Einwürfe bluesiger Natur, also quasi so etwas wie back to the roots. Aber auch die eine oder andere funkige Anleihe meine ich vernommen zu haben.

Auch die Kommunikation mit dem Publikum war, wie der restliche Auftritt, sehr professionell, ohne routiniert zu wirken. Einzig zwei Dinge sind mir negativ aufgefallen. Der Gesang des Bassisten war meiner Meinung nach, ein wenig zu leise genau wie das eine oder andere Solo. Nicht, das es den Gesamteindruck hätte beschädigen können, aber man musste teilweise doch sehr genau hinhören.

Eine knappe Stunde dauerte der Auftritt "der letzten Band vor der letzten Band des Abends" und es war schade, das es schon vorbei war. Aber es sollte ja noch einen weiteren Auftritt geben und so zerstreute sich die Zuschauerschaft zwischen Bar, Toilette und Raucherbereich (draußen), während die Musiker sich um den Umbau auf der Bühne kümmerten.

Ich kann nicht genau sagen, wie lange es gedauert hat, aber ein kurzes Gespräch mit den Jungs von Bastardo verkürzte die Zeit auf jeden Fall noch einmal. Und was mir bei diesem Umbau auffiel, war das minimalistische Bodentreterarsenal des Gitarristen der zweiten Band des Abends. Lediglich 3 oder 4 der kleinen Boxen stellte er auf und verkabelte sie auch direkt vor Ort. Das fand ich auf der einen Seite natürlich angenehm, konnte man doch immerhin hoffen, das Musiker selber spielen zu hören und nicht die übliche Batterie an Effekten.
Andererseits fragte ich mich natürlich, warum andere Musiker seines Fachs sich in wahren Materialschlachten ergeben und ob der Sound dann nicht doch etwas zu anders sein mochte, als man es vielleicht gewohnt ist.

Als dann schließlich Stonesphere aber auf die Bühne traten um ihren Teil zum gelingen des Abends beizutragen, fiel mir nicht wirklich auf, das dort etwa etwas fehlen würde. Druckvoll und variantenreich begannen die drei Musiker. Der Bassist übernimmt auch den Gesang und hat eine angenehme Stimme, die zu der gemachten Musik passt: tief und rau. Heavy Stoner nennen die Mainzer ihre Musik, und ich denke, dieser Titel passt sehr gut.

Heavy Metal und Stoner Rock. Das sind die Hauptzutaten die dort auf die Bühne gebracht werden, und die in einer interessanten Art und Weise zu Gehör gebracht werden. Aber auch doomiger als die Band vor ihr kommt Stonesphere daher.
Im Laufe des Konzerts allerdings fällt mir auf, oder zumindest habe ich das Gefühl, das sich die Musik teilweise wiederholt. Natürlich sind die Stücke und die Musik weiterhin sehr mitreißend, aber es klingt später doch alles so, als hätte man es schon einmal gehört. Aber da die Band, wenn ich das richtig lesen, noch weniger als zwei Jahre existiert, kann das eigentlich nicht verwundern.

Was mich aber dann doch ein wenig wundert, ist mein Gefühl, das es in der Musik einige Brüche gibt, die, imho, nicht künstlerisch erklärbar oder sinnvoll sind. So scheinen die einzelnen Teilstücke der Songs manchmal nicht wirklich zusammen zu passen. Ich denke, das liegt daran, das die Übergänge nicht sauber ausgearbeitet sind. Oder aber, das kann ich nicht genau sagen, das den Musikern noch Erfahrung fehlt, diese Dinge bei einem Live Auftritt entsprechend umzusetzen.

Was auch immer es ist, das Konzert der Jungs aus Mainz macht auf jeden Fall Lust darauf, sie noch einmal live zu erleben. Ich denke, sie haben das vielzitierte Potential aber auch noch Luft nach oben.


Alles in allem ein gelungener Abend mit zwar nur zwei Bands, aber dafür hatte ich persönlich zumindest genug Zeit und Muße, mich mit jeder im Detail auseinander zu setzen. Die Location ist ziemlich cool, die technische Ausstattung gut und das Musikverständnis der Verantwortlichen entspricht dem, wie ich es mir vorstelle. Stimmung war auch super und die Lage ist natürlich einmalig.

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