Mittwoch, 22. April 2015

Konzert - 18.4.2015 - Atrium Schwalbach - Sindustry und Skullboogey

Atrium! Das klingt irgendwie groß, aber das ist die Location nicht. Andererseits ist sie auch nicht klein, was dem Sound, so hoffte ich, als ich kurz nach dem offiziellen Konzertbeginn endlich angekommen war.
Google hatte mich vollkommen in die Irre geleitet (und ich habe mich voll darauf verlassen :-( ) und so war ich, entgegen meines sonstigen Habitus, tatsächlich zu spät. Zum Glück waren die Musiker, wie man das ja kennt, auch der Meinung, eine angekündigte Startzeit wäre eher sowas wie eine Empfehlung und hatten noch nicht begonnen. Grundsätzlich ist es ja nicht so schlimm, wenn es etwas später losgeht, gibt man doch einigen mehr Leuten die Chance anwesend zu sein. Aber wenn man ein Verlierer ist, so wie ich, der sich auf den ÖPNV verlassen muss, dann macht man sich dann schon wieder Gedanken, ob man denn alle Bands bis zum Ende wird sehen und hören können, weil die Züge und Busse ja nun mal nicht warten.

Wie dem auch sei, ich war rechtzeitig, weil die Musiker zu spät waren. Auch ok, so konnte ich die Location ein wenig anschauen. Ich stellte fest, das sie von einem Verein betrieben wird, ein Umstand, der jedes Getränk um so schmackhafter macht, unterstützt man doch den Verein (hoffe ich zumindest immer, wenn das auch vielleicht naiv sein mag). Der Raum wirkt wie ein Klassenzimmer, weckt also nicht nur positive Assoziationen, aber immerhin hat er eine schöne Höhe, um zu hoffen, das der Sound entsprechend gut sein wird.
Ein wenig verwirrt hat mich der Käfig, der um das Mischpult/FOH aufgebaut ist, macht man sich doch Gedanken, wie es dort hergehen mag. Aber wahrscheinlich dient das nur der Sicherung der Technik gegen unachtsame Zuschauer und ihre Getränke.
Die längliche Form des Raums und die Möglichkeit, sich an Stehtischen oder gar seitlichen Bänken zu platzieren gefällt mir sehr gut, bin ich ja nun auch nicht mehr einer der Jüngsten Zuhörer solcher Konzerte.

Diesbezüglich allerdings war ich positiv überrascht, das dieser Verein scheinbar auch Mitglieder hat, die nicht mehr studieren oder zur Schule gehen. Natürlich wir das eine oder andere Elternteil (vor allem wohl der ersten Band) dagewesen sein, aber auch die sind bis zum Schluss geblieben, was ich echt gut fand.

Nun aber zum Konzert, das dann gegen 20:30 begann. Natürlich hätten die Jungs von Sindustry mehr als die 50 anwesenden Zuschauer verdient (welche Band hat das nicht), aber dafür war die Stimmung sofort da, auch wenn es draußen noch nicht einmal ganz dunkel war.
Die Lautstärke war (und das überraschte mich, weil ich damit ehrlich nicht gerechnet hatte) war sehr gut, so das sogar ich, mit meinen empfindlichen Ohren keine Probleme hatte, dem Konzert ohne Ohrenstöpsel zu folgen. Ich vermute mal, das dieser Umstand dazu führte, das einige Leute das Konzert als zu leise bezeichnen würden, aber ich fand es sehr angenehm.

Und nicht nur war die Lautstärke ideal, sondern mir persönlich gefiel der gesamte Sound auch extrem gut. Ein Lob hier schon mal an die Technik des Abends! Als erste enterten, wie schon gesagt, Sindustry die Bühne und zeigten von Beginn an, wo es lang gehen sollte. Vom klassischen Rock, über Thrash-Metal Einflüsse, progressive Elemente bis hin zu doomigen Teilen, war vieles vertreten. Manchmal, vor allem wenn es in der Doom Bereich ging, fehlte mir allerdings ein bisschen die klare Linie in den einzelnen Songs. Da diese nicht die Länge haben, wie bei progressiven Bands, ist dann manchmal mehr nicht immer besser.

Aber die Variabilität von Musik und Gesang ist schon bemerkenswert. Außerdem hatte ich das Gefühl, aber ich bin ja nur Zuhörer und kein Fachmann, das es in der schnellen Passagen noch etwas Übung bedarf, um die Synchronisierung zwischen den Instrumenten etwas zu verbessern. Ich finde, dort könnten die Musiker etwas "tighter" spielen.
Ansonsten war es ein echt Super Auftritt und es hat sich gelohnt, nach Schwalbach zu fahren. Und als dann Schlussendlich sogar eine Zugabe verlangt und gegeben wurde, waren, denke ich, alle (also Band und Zuschauer) zufrieden, als nach einer knappen Stunde dieser erste Teil des Abends vorbei war.

Ach ja, zur Zugabe wollte ich auch noch was sagen: Geile Idee, sich dafür ein Instrumentalstück auszusuchen und mutig wie ich finde. Aber leider muss ich sagen, das ich an diesem Song zwei Dinge fand, die ich hier bemängeln möchte:
Die zu Beginn angedeuteten asiatischen Einflüsse gingen im Laufe des Songs verloren, was ich schade fand, weil es echt interessant klang.
Dieser Song hatte, fand ich, ein wenig Längen. Mit anderen Worten, ich hätte an der einen oder anderen Stelle noch ein wenig Innovation erwartet oder besser erhofft.

Alles in allem aber ein guter Auftritt, der Lust darauf macht, die Jungs mal wieder anzuhören, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Im Anschluss folgte nun die obligatorische Umbaupause, die mit 20 Minuten Dauer durchaus im üblichen Rahmen lag. Es war auch schön zu sehen, wie beide Bands dabei halfen und es so auch immer etwas zu sehen gab.

Während ich die erste Band des Abends an diesem Tag zum ersten mal sehen und hören durfte, kannte ich Skullboogey schon von zwei vorhergehenden Auftritten. Man merkt den Musiker, sobald sie die Bühne betreten an, das sie schon eine ganze Weile Musik machen. Sie wirken konzentriert und fokussiert, aber trotz allem immer so, als wenn ihnen das alles wirklich Spaß machen würde. Ich vermute mal, der Grund liegt darin, das es ihnen tatsächlich Spaß macht, denn sonst würden sie das bestimmt nicht weiter machen.

Nichtsdestotrotz finde ich das immer wieder faszinierend und beruhigend und es macht es auch sehr angenehm für die Zuschauer, die ja auch da sind, um ihren Spaß zu haben. Von eben diesen Zuschauern sind dann zum, etwas überraschenden Beginn des Konzerts, etwa 60 im Raum, deren Zahl sich dann aber noch um 10 bis 20 erhöht, so das Raum locker aber gut gefüllt wirkt.

Auch Skullboogey legen sofort mit Vollgas los und dank der zwei vorherigen Auftritte, erkenne ich sogar den einen oder anderen Song wieder. Der Sound ist, wie schon zuvor, einwandfrei und gut, und auch die erhöhte Lautstärke übersteigt die Schmerzgrenze nicht, eine sehr angenehme Erfahrung, wenn man andere Venues kennt, in denen die Lautstärke ein Qualitätsmerkmal zu sein scheint.

Und obwohl ich Skullboogey wie gesagt schon ein paar mal vorher gehört hatte, fielen mir diesmal zum ersten mal auch einige Einflüsse klassischer Country Musik auf. Zusammen mit dem sehr treibenden Sound, der markanten Stimme und der unbestreitbaren Showfähigkeiten des Sängers ergibt sich hieraus ein immer wieder interessanter Mix. Und obwohl die Jungs ihre Songs, vor allem die älteren, bestimmt schon einige male gespielt haben, hat man immer das Gefühl, sie leben noch jeden einzelnen.

Schön zu sehen, das so etwas geht und man merkt so als Zuschauer (oder hat zumindest das Gefühl) das sich die Musiker für genau dieses Publikum, von dem man ein Teil ist, alle Arme ausreißen. Besonders gelungen fand ich auch, wie die neuen Songs der noch zu erscheinenden Platte ins Programm aufgenommen wurden und mit den entsprechenden Hinweisen auch jeder wusste, das man nun etwas ganz neues zu hören bekommen würde.

Auch diese neuen Songs spiegeln die Bandbreite der Band wieder und sind, wenn auch noch nicht ganz so routiniert, doch stilsicher und konsequent in die bestehende Musik eingebettet. Blues, Rock'n'Roll und harte Riffs nun noch ergänzt (oder besser erst jetzt von mir erkennt) um Country Elemente. Das gibt einen treibenden Mix, bei dem kaum jemand im Publikum ruhig dastehen kann.
Besonders gelungen finde ich persönlich übrigens den Einsatz der Talkbox, was vor allem daran liegt, das der Gitarrist diese sehr gezielt und gut einsetzt und ich andererseits den Sound dieses Gerätes extrem mag. Danke dafür!

Alles in allem ein sehr gelungener Abend. Schöne Location, gutes und freundliches Publikum, gute Getränke und gute Musik von coolen Bands.
Hoffe es ergibt sich mal wieder eine Möglichkeit, die Bands zu sehen oder die Location zu besuchen.

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für die ehrliche und gute Review! Sindustry sind das ganze Jahr auf hessischen Bühnen zu finden. Weitere Infos unter: www.sindustrymetal.de
    LG

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